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Nach der Tour ist vor der nächsten Tortur

21.09.2020 13:08
Den Radprofis bleibt nur wenig Erholung
© Alexis Sciard via www.imago-images.de
Den Radprofis bleibt nur wenig Erholung

Am Montag stand für Tour-Champion Tadej Pogacar die nächste Party auf der Tagesordnung. Nach seinem Wunder-Zeitfahren zur Planche des Belles Filles am Samstag und seinem Dreifach-Auftritt auf dem Podium in Paris am Sonntag feierte der Sieger der 107. Tour de France am Montag seinen 22. Geburtstag.

Zeit zum Genießen. Zeit, die turbulenten Ereignisse des vergangenen Wochenendes ein wenig zu verarbeiten und Zeit, den müden Beinen die dringend benötigte Pause zu gönnen. Diese fällt jedoch kürzer aus, als ihm lieb sein dürfte. Schon am kommenden Wochenende ist Pogacar bei der WM in Imola im Einsatz. Der Mann in Gelb kämpft dann um das Regenbogentrikot. "Es wird ein hartes, langes Rennen", sagte Pogacar.

Der Gesamtsieger teilt das Schicksal mit vielen anderen Tour-Startern. Der Berliner Maximilian Schachmann ist als Hoffnungsträger für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vor Ort - trotz intensiver Wochen in Frankreich, die er ungeachtet eines Schlüsselbeinbruchs durchzog.

"Ich bin jetzt eineinhalb Tage zu Hause und dann bin ich wieder drei Wochen unterwegs", sagte er am Montag nach einer kurzen Nacht: "Die Etappe ist sehr spät zu Ende gegangen, dann haben wir noch kurz zusammengesessen und dann saß ich heute schon um 7.20 Uhr im Zug zurück."

Radsport steht vor einem heißen Herbst

Nach der WM fährt Schachmann noch Lüttich-Bastogne-Lüttich, die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Nikias Arndt, an drei Etappensiegen der Sunweb-Mannschaft beteiligt, fährt bereits am Freitag das WM-Zeitfahren. Für Tony Martin geht es in knapp zwei Wochen beim Giro d'Italia weiter, parallel finden Klassiker wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder die Flandern-Rundfahrt statt.

Der Zeitplan ist eng gestrickt. Am 25. Oktober, wenn die Italien-Rundfahrt in Mailand endet, führt eine Vuelta-Etappe auf den Col du Tourmalet. Zeitgleich steht im Norden Frankreichs bei Paris-Roubaix die Königin der Klassiker an. Der Radsport steht vor einem heißen Herbst.

Eine "Gratwanderung"

Corona ist der Grund für die Terminhatz, die den Fahrern eine grenzwertige Belastung abverlangt. Im März war die Saison wegen der Pandemie unterbrochen worden, erst im Anfang August wurde die WorldTour wieder aufgenommen. Die ausgefallenen Rennen wurden im Kalender weit in die zweite Jahreshälfte gepresst. Die Vuelta endet so erst im November, zwischen Tour und Giro liegen nur zwei Wochen.

Eine "Gratwanderung" nannte Teamchef Ralph Denk von der deutschen Equipe Bora-hansgrohe die Vorbereitung für Fahrer wie Peter Sagan, die beide große Rundfahrten bestreiten müssen.

Eine Wahl haben sie nicht. Teams der WorldTour sind zum Start bei den wichtigsten Rennen verpflichtet. Es geht am Ende auch ums Geld und die Sichtbarkeit der Sponsoren, auf deren Zahlungen der Radsport in großem Maß angewiesen ist.

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