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Die Baustellen vor dem Saisonstart

FC Bayern im Check: Alaba-Zoff, Transfer-Stau und Co.

18.09.2020 13:31
Der FC Bayern startet am Freitag in die neue Bundesliga-Saison
© Philippe Ruiz via www.imago-images.de
Der FC Bayern startet am Freitag in die neue Bundesliga-Saison

Als amtierender Deutscher Meister wird dem FC Bayern München am Freitag einmal mehr die Ehre zuteil, die Bundesliga-Saison zu eröffnen. Nach dem Triple-Sieg gehen die Münchner erneut als übermächtiger Titelfavorit in die neue Spielzeit. Doch hinter der glitzernden Fassade existieren auch noch Baustellen, die es zu beheben gilt.

Baustellen beim FC Bayern: Vertragspoker belasten die Stimmung

Verlängern oder verkaufen? Diese Frage müssen die Verantwortlichen beim Rekordmeister mit Blick auf die auslaufenden Verträge gleich mehrfach beantworten.

Die brisanteste Personalie ist zweifellos David Alaba. Der FC Bayern steckt mit dem Österreicher und seinem prominenten Berater, Pini Zahavi, in zähen Verhandlungen. Dem "kicker" zufolge bieten die Bayern circa 15 Millionen Euro Jahresgehalt, Alaba fordert derweil angeblich bis zu 25 Millionen Euro.

Sollte sich bis zum Ende des Transferfensters am 05. Oktober keine Einigung anbahnen, wäre wohl sogar ein sofortiger Verkauf des Leistungsträgers denkbar.

Dass sich Zahavi seine Beraterdienste angeblich mit einer Millionensumme vergolden lassen will, sorgte zuletzt dafür, dass der Umgangston rauer wurde. Ehrenpräsident Uli Hoeneß nannte Alabas Agenten im "Doppelpass" bei "Sport 1" einen "geldgierigen Piranha".

Der Vater des Abwehrspielers, der von Hoeneß ebenfalls verbal attackiert wurde, schoss bei "Sky" zurück und warf dem langjährigen Bayern-Manager "schmutzige Lügen über Gehalts- und Provisionsforderungen" vor. Da die Fronten verhärtet erscheinen, ist beim Alaba-Thema jeder Ausgang denkbar. Um die Wogen zu glätten, erteilte Vorstandsboss Karl-Heinz Hoeneß für seine Aussagen sogar einen öffentlichen Rüffel.

Zudem laufen bei den Bayern die Arbeitspapiere von Jérôme Boateng, Javi Martínez und Sven Ulreich aus. Hier ist die Ausgangssituation des Klubs jedoch deutlich komfortabler. Alle drei könnten aus der eigenen Substanz ersetzt werden.

Martínez und Ulreich sind noch in diesem Sommer Kandidaten für einen Wechsel, Boateng will derweil laut eigener Aussage in der "Bild" wohl zunächst in München bleiben.  

Baustellen beim FC Bayern: Dauerproblem Rechtsverteidiger

Dass der FC Bayern auf der rechten Abwehrseite personell unterbesetzt ist, ist wahrlich keine Neuheit. Da Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld gebraucht wurde, fehlte schon über weite Strecken der letzten Saison ein ernstzunehmender Vertreter und Kontrahent für Benjamin Pavard.

In der Winterpause lieh der Rekordmeister zwar Álvaro Odriozola von Real Madrid aus. Als sich Pavard im Saisonendspurt verletzte, rückte in der Champions League doch wieder Kimmich auf die Außenbahn. Möglich gemacht hat dies in erster Linie die Tatsache, dass mit Thiago ein adäquater Ersatz für den Nationalspieler im Mittelfeld bereitstand.

Nach dem Wechsel des Spaniers zum FC Liverpool ist Kimmich aber im Zentrum weniger verzichtbar und könnte nicht mehr ohne Weiteres als Rechtsverteidiger einspringen. Die angespannte Lage auf der defensiven Außenbahn hat sich in der neuen Spielzeit also sogar noch verstärkt.

Seit Monaten wird dem FC Bayern deshalb Interesse an einer Verpflichtung von Ajax Amsterdams Sergino Dest nachgesagt. Zwar besteht bis zum Ende der Transferperiode auch über den Saisonstart hinaus noch etwas Zeit, um den Deal zu finalisieren, Handlungsbedarf ist aber nicht von der Hand zu weisen.

Baustellen beim FC Bayern: Diskussion um Kaderbreite zeigt Gräben auf

Die Debatte um die Breite im Kader ist ebenso ein alter Hut beim FC Bayern. In der vergangenen Saison wurden die offensichtlichen Löcher erst nach Saisonbeginn durch Leihgeschäfte geschlossen.

Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Álvaro Odriozola sind nun allerdings zu ihren Stammvereinen zurückgekehrt. Durch den Verkauf von Thiago zum FC Liverpool und einen drohenden Alaba-Transfer ist die Situation in dieser Spielzeit sogar noch brenzliger.

Für Flick war die Lage deshalb schon früh klar: "Wenn wir Spieler dieser Klasse verlieren, dann müssen wir diese Qualität ersetzen", forderte er im Interview mit der "Sport Bild" bereits Anfang August. Gerade auf den offensiven Außenbahnen wünschte sich der Trainer mehr Optionen – zu einem Zeitpunkt wohlgemerkt als die Verpflichtung von Leroy Sané bereits feststand.

Doch mit seiner Meinung scheint Flick in München derzeit allein zu stehen. Seine Chefs wiesen die Forderungen des Übungsleiters mehrfach vehement zurück. "'Wünsch dir was' können wir uns in Zeiten von Corona finanziell nicht leisten", stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gegenüber der "Abendzeitung" klar.

Am Sonntag legte Hoeneß im "Doppelpass" nach. "Es fehlt gar keiner!", polterte der Ehrenpräsident auf Vorwurf eines zu kleinen Kaders los.

Baustellen des FC Bayern: Mehr Raum für Einzelinteressen?

Eine der wesentlichen Veränderungen nach der Amtsübernahme von Hansi Flick beim FC Bayern im vergangenen Herbst war das Ende der permanenten personellen Rotation. Die Leidtragenden waren die Spieler aus der zweiten Reihe, die ihr Schicksal über weite Strecken der Saison ob des sportlichen Höhenflugs widerstandslos akzeptierten.

Nach dem größtmöglichen Erfolg könnten einige Stars nun allerdings wieder eine größere Bühne für das Vorbringen ihrer Einzelinteressen sehen. Der hartnäckige Vertragspoker von David Alaba ist dafür womöglich nur der Vorgeschmack.

Die Liste der möglichen Konfliktherde ist lang: So drängt Niklas Süle nach überstandenem Kreuzbandriss wieder in die Startelf. Auf der linken Seite bahnt sich ein enges Duell zwischen Leroy Sané und Kingsley Coman an – vermutlich mit einem enttäuschten Verlierer. Corentin Tolisso haderte bereits in der Vergangenheit mehrfach mit seiner ständigen Rolle als Bankdrücker. Und im Tor gilt es, die Interessen von Manuel Neuer und Alexander Nübel auszubalancieren und perspektivisch einen möglichen Generationenwechsel einzuleiten.

Keine leichten Aufgaben für den Hansi Flick, der nach den Taten der letzten Saison nun mit einer gewissen Fallhöhe in seine zweite Saison geht.

Jonas Hofmann

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