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Seifert fordert: "Müssen das Vertrauen rechtfertigen"

16.09.2020 19:54
Christian Seifert will das Vertrauen der Politik zurückzahlen
© Weiss /Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de
Christian Seifert will das Vertrauen der Politik zurückzahlen

Thomas Müller passt quer, Robert Lewandowski zieht ab - und die Allianz Arena jubelt. Was vor Wochen noch wie Träumerei klang, könnte zum Start der Fußball-Bundesliga Realität werden. Die Stille der Geisterspiele ist vorbei - zumindest ein bisschen. Nahezu euphorisch begrüßten alle Klubs die einheitliche Rückkehr der Fans, die jedoch auch eine planerische Herausforderung birgt.

Waren zuletzt oft nur 300, 500 oder gar null Besucher erlaubt, lässt der neue 20-Prozent-Beschluss schnell wieder Tausende in die Arenen strömen. Die Vereine nehmen die Situation trotz Termindruck gerne an, müssen nun aber auch zufriedenstellende TV-Bilder liefern. Den Auftrag hat Geschäftsführer Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga am Mittwoch jedenfalls klar formuliert.

"Die Politik bringt den Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga und ihren Fans, aber auch vielen anderen Sportarten, damit Vertrauen entgegen, das es nun durch alle Beteiligten zu rechtfertigen gilt", sagte Seifert, nachdem die Chefs und Chefinnen der Staatskanzleien die anteilige Fan-Rückkehr beschlossen hatten. Stellvertretend für alle 36 Profiklubs der 1. und 2. Liga freute er sich, "dass es hinsichtlich der Rückkehr von Stadionbesuchern nun ein bundeseinheitliches Vorgehen gibt".

FC Bayern begrüßt 7500 Fans

Bereits am Wochenende beginnt in allen Bundesliga-Stadien die sechswöchige Probezeit, in der die Stadionkapazitäten wieder zu 20 Prozent ausgeschöpft werden dürfen. Sofern das Infektionsgeschehen vor Ort es zulässt. Der Durchschnitt der COVID-19-Fälle der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner darf 35 nicht überschreiten.

In München, wo am Freitag das Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern und Schalke 04 stattfindet, wurde es eng. Der Rekordmeister einigte sich mit den Behörden am Mittwoch auf 7500 Fans, was lediglich zehn Prozent der Stadionauslastung entspricht. Hintergrund sind die erhöhten Infektionszahlen in der bayerischen Landeshauptstadt, wo der Inzidenzwert laut RKI derzeit bei 34 liegt.

BVB vs. Gladbach vor 10.000 Zuschauern

Insgesamt dürften die meisten Begegnungen am kommenden Wochenende mit zahlendem Publikum steigen. Zum Top-Spiel Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag plane der BVB "vorsichtig" mit 10.000 Menschen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke teilte Seiferts mahnende Haltung.

Er betonte "die große Verpflichtung, dass wir als Klubs gemeinsam mit den beteiligten Fans mit dieser Probezeit in den kommenden Wochen äußerst verantwortungsvoll umgehen". Die genehmigte Teilwiederzulassung von Zuschauern sei "ein ganz wichtiger Schritt für alle Fußballfans in Deutschland".

Auch Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes war glücklich mit der Entscheidung. "Die Erleichterung ist groß. Das Erlebnis Bundesliga ist ein bisschen zurück", sagte er am Mittwoch. Die Werkself tritt am kommenden Sonntag beim VfL Wolfsburg an.

Dort waren eigentlich 6000 Leute eingeplant, am Mittwoch wurde aber bekannt, dass nur 500 Fans kommen dürfen. Grund ist, wie der VfL mitteilte, dass die Anpassung der niedersächsischen Corona-Verordnung durch die Landesregierung erst in der kommenden Woche erfolgen wird. "Dass das jetzt bis zum kommenden Wochenende nicht umsetzbar ist, ist für unsere Fans natürlich sehr schade", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Michael Meeske. Wolfsburg soll nun beim nächsten Heimspiel am 4. Oktober gegen den FC Augsburg die 20 Prozent ausschöpfen dürfen.

Werder droht Minusgeschäft trotz Fans

Bei aller grundsätzlichen Freude über das Zuschauer-Comeback ist für manche Klubs der finanzielle Aspekt auch ein Thema. Durch die TV-Einnahmen kam zwar in der Coronazeit auch Geld in die Kassen, doch nun droht beispielsweise bei Werder Bremen ein Minusgeschäft durch den Betrieb mit Zuschauern.

Laut Recherchen des Magazins "buten und binnen" von Radio Bremen rechnet sich ein Spiel im Weserstadion (Kapazität rund 42.000) offenbar erst bei 10.200 Zuschauern. Die Bremer dürfen am Samstag gegen Hertha BSC aber nur 8500 Menschen hineinlassen. Es wird weiter ein Ringen um jeden Fan.

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