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"Extrem unter der Gürtellinie"

Leistner-Eklat überschattet HSV-Blamage

15.09.2020 10:11
Toni Leistner brannten die Sicherungen durch
© Blatterspiel via www.imago-images.de
Toni Leistner brannten die Sicherungen durch

Rekordkulisse im DFB-Pokal und Einhaltung der Corona-Regeln: Das DFB-Pokalspiel von Dynamo Dresden wird vorab kritisch beäugt. Erst recht nach den Szenen in Rostock. Dort nach dem Abpfiff wird das Spiel von einem bizarren Eklat überschattet.

10.053 Fans waren am Montagabend im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion zu Gast. Eine Rekordkulisse in der Pandemie-Ära. Und nach den sehr skurrilen Bildern aus Rostock und Magdeburg, wo im DFB-Pokal ebenfalls überraschend viele Zuschauer zugelassen waren, würde es wohl bei Dynamos Erstrundenspiel gegen den Hamburger SV auch um das Thema Fans gehen.

Um Abstand und Masken. Um Corona und Fußball. Tatsächlich aber ging es um Toni Leistner. Und zwar nur um Toni Leistner. Der Abwehrspieler des Hamburger SV verlor nach der 1:4-Klatsche seines neuen Arbeitgebers völlig die Fassung.

Er war gerade zum TV-Interview angetreten, mutmaßlich um die nächste Peinlichkeit des einst so stolzen Traditionsvereins aufzuarbeiten, ehe er über die Brüstung sprang, die Stufen der Tribüne hochlief und sich einen Fan von Dynamo schnappte. Leistner, gebürtiger Dresdner, packte sich den Anhänger und stieß ihn zu Boden. Ein Ordner griff danach ein.

"Ich bin nach dem Spiel von der Tribüne meiner Heimatstadt aus massiv beleidigt worden. Damit kann ich normalerweise umgehen. Doch dann ging es extrem unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter. In dem Moment sind mir einfach die Sicherungen durchgebrannt", schrieb Leistner am späten Abend bei Instagram.

Und er versprach, "dass mir - egal was mir an Beleidigungen an den Kopf geworfen wird - so etwas nie wieder passieren wird. Ich entschuldige mich in aller Form für mein Verhalten." Welche Konsequenzen das Verhalten des 30-Jährigen bei den Hanseaten hat, das blieb vorerst unklar.

Weder auf der Homepage des Klubs noch in den sozialen Netzwerken wurde der Vorfall bislang thematisiert. HSV-Trainer Daniel Thioune sagte lediglich: "Ich habe nichts mitbekommen und nur gesehen, dass Toni Leistner den Rückweg von der Tribüne angetreten hat. Da muss sicherlich was im Vorfeld geschehen sein, aber ich kann es nicht bewerten, weil ich keine Bilder gesehen habe, wovon das ausgegangen ist."

"Toni hat das Herz am rechten Fleck"

Derweil bekam Leistner Zuspruch von seinem Ex-Klub: "Toni hat das Herz am rechten Fleck und ist immer willkommen in Dresden", sagte Dynamo-Pressesprecher Henry Buschmann noch am Montag: "Emotionen gehören zum Fußball dazu." Derweil bemüht sich der Klub, den Vorfall schnellstmöglich aufzuarbeiten.

"Wir suchen die Person, weil wir diesen Vorfall so nicht stehen lassen wollen", twitterten die Sachsen noch in der Nacht zu Dienstag. Es sei "einfach nur beschämend", dass HSV-Profi Leistner "derart von einem Fan seines Heimatvereins nach dem Spiel beleidigt wurde".

Der 1,90 Meter große Innenverteidiger ist in Dresden geboren und spielte von 2010 bis zum Zweitligaabstieg 2014 (zwischendurch war er an den Halleschen FC ausgeliehen) bei den Sachsen. Danach wechselte er zu Union Berlin. Vor seinem Wechsel zu den Hamburgern war Leistner von den Queens Park Rangers an den 1. FC Köln ausgeliehen.

Die Szene mit Leistner passte zu dem völlig verpatzten Pflichtspielstart des HSV. Was als Neustart gedacht war, endete mit einer krachenden Peinlichkeit. Die Hanseaten offenbarten vor ihrem Zweitligastart am Freitag gegen Fortuna Düsseldorf überraschend große Probleme. Yannick Stark (3.), Robin Becker (16.), Christoph Daferner (53.) und Sebastian Mai (90.+2./Handelfmeter) erzielten die Treffer für Dynamo.

"Wir haben in den ersten Minuten grobe Schnitzer gemacht", sagte Leistner. Die Hamburger, die den Aufstieg in der Rückrunde der vergangenen Saison leichtfertig verspielt hatten, vergaben hingegen gute Chancen und standen in der Defensive unsicher. Amadou Onana (89.) gelang nur das zwischenzeitliche 1:3.

Einlass als Schwachstelle des Hygienekonzepts

Aber was war nun eigentlich auf den Tribünen los? Abstand? Nur manchmal. Maske? Oft, aber längst nicht immer. Die größte Schwachstelle im Hygienekonzept des Drittligisten war indes nicht die Tribüne, sondern der Einlass. Dort standen die Fans oft dich gedrängt, ohne den gebotenen Abstand. Auch die Maske war nicht immer dort, wo sie hätte sein sollen.

Immerhin ist die Nachfrage nach dem Mund-Nasenschutz groß. 25.000 Fan-Masken wurden in den vergangenen Wochen im Fanshop verkauft - und die Geschäftsführung ist zuversichtlich, dass auch in Zukunft mit Zuschauern im Stadion gespielt werden kann: Gerade wurden für den Fanshop noch mal Masken im fünfstelligen Bereich nachbestellt.

Tobias Nordmann & Liv von Boetticher

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