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"Heiße drei Wochen" auf dem Transfermarkt

Hoeneß lobt den BVB - FC Bayern will "experimentieren"

13.09.2020 13:42
Uli Hoeneß liegt das Wohlergehen des FC Bayern immer noch am Herzen
© FrankHoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de
Uli Hoeneß liegt das Wohlergehen des FC Bayern immer noch am Herzen

Ehrenpräsident Uli Hoeneß vom FC Bayern hat sich zum Duell mit dem BVB, einer möglichen Rückkehr der Zuschauer sowie der Münchner Transfer-Politik in Zeiten der Coronavirus-Pandemie geäußert.

Konkurrent Borussia Dortmund sieht Hoeneß "stärker als im letzten Jahr". Der BVB habe seine "jungen und hoch talentierten" Spieler wie Erling Haaland oder Jadon Sancho gehalten, "sie sind jetzt auch noch ein Jahr älter", sagte Hoeneß bei "Sport1".

Grundsätzlich sieht der 68-Jährige die Bundesliga "in der Spitze gut aufgestellt. Ab Platz fünf oder sechs gibt es ein Loch. Aber das Wehklagen sehe ich nur noch relativ. Die hoch gelobten Engländer waren im Halbfinale der Champions League nicht vertreten. Aus der Bundesliga waren zwei Teams dabei. Ich würde mir international keine allzu großen Sorgen machen", sagte Hoeneß.

Der langjährige Bayern-Macher forderte in der Diskussion um eine Rückkehr der Fans noch "zwei, drei Monate Geduld" ein.

"Wir sollten weiterhin diszipliniert sein, damit in Deutschland die Zahlen wieder zurückgehen. Für die ewige Kritik, die jeden Montag bis Freitag in der Zeitung steht, habe ich überhaupt kein Verständnis", sagte Hoeneß. "Wir müssen lernen, an das Ganze zu denken. Man muss vorausschauen und nicht kurzfristig nur ans Ego denken", ergänzte er.

Corona-Krise für den FC Bayern "nicht einfach"

Er könne aber die Sorgen einiger Klubs nachvollziehen. "Wenn wir mehr als ein halbes Jahr nicht im vollen Stadion spielen können - bei uns fehlen auch 50 Millionen über die ganze Saison -, dann wird der ein oder andere Verein Probleme bekommen", sagte Hoeneß. 

Zwei Saisons mit Heimspielen ohne Publikum seien auch für die Münchner "nicht einfach", auch wenn "der FC Bayern nicht kaputtgehen" werde.

Sorge bereite ihm auch, "ob die Leute, wenn es möglich ist, wieder alle kommen. Ob es dann ausverkaufte Stadien gibt oder ob die Leute ängstlich sind".

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Folge der Corona-Krise für die Transfer-Politik des FC Bayern erklärte Hoeneß: "Der Kader für die Saison ist groß genug. Wir haben jetzt die Champions League gewonnen und können ruhig in die nächsten Jahre gehen".

FC Bayern: Uli Hoeneß kündigt Experimente an

Der deutsche Rekordmeister habe "eine gute Nachwuchsakademie und einige gute junge Spieler hintendran" und könne nach den gewonnenen Titeln nun "auch mal etwas experimentieren".

Auch die internationale Konkurrenz leider in der aktuellen Situation. "Real hat kein Geld zum Kaufen, Barcelona hat kein Geld, Manchester City hat nichts gemacht."

Die Transferfrist endet ausnahmsweise wegen Corona erst am 5. Oktober. Man könne auch immer noch im Winter "Lücken schließen", meinte Hoeneß, der noch mit "heißen drei Wochen" auf dem Transfermarkt rechnet.


Die Highlights aus dem "Doppelpass" zum Nachlesen:

+++ Hoeneß verteidigt Kaiser Franz +++

Zum Schluss der Sendung gibt es noch einen Gruß an Franz Beckenbauer, der gestern seinen 75. Geburtstag gefeiert hat. Uli Hoeneß war natürlich ganz dicht dran und gibt einige Einblicke. Zudem verteidigt die Bayern-Ikone seinen langjährigen Weggefährten gegen die Vorwürfe, die im Rahmen der WM-Vergabe 2006 erhoben wurden: "Gestern waren in der Allianz Arena etwa 40 Leute, da haben wir mit Franz eine sehr emotionale Feier gemacht. Nachdem der ein oder andere Zeitungsartikel so katastrophal war, war es für ihn schön, seinen Geburtstag in diesem Rahmen zu feiern. Ihn nach 50 Jahren im Fußball so auf einige Jahre nach der WM zu reduzieren... Dankbarkeit erachte ich als sehr wichtig im Leben. Mir hat auch gefehlt, dass sich der Deutsche Fußball-Bund positioniert, die haben nämlich über Jahre von ihm profitiert."

+++ Feierlichkeiten zum Jubiläum +++

Da es sich heute um die Jubiläumsausgabe des "Doppelpass" handelt, schwelgen die Produzenten etwas in Erinnerungen. Die besten Wutanfälle von Uli Hoeneß dürfen in den Highlights natürlich nicht fehlen. "Was du hier gesagt hast, das hast du immer die ganze Woche um die Ohren bekommen", scherzt der ehemalige Bayern-Boss. Ausgiebig wird in der Folge die Entstehungsgeschichte des Formats zelebriert.

+++ Fortbildung in Sachen Regelwerk +++

Für die Gäste gibt es jetzt eine kleine Fortbildung in Sachen Regelwerk. Schiedsrichter Patrick Ittrich kommt ausgiebig zu Wort und erklärt die neue Auslegung der Handspielregel. Künftig soll bei Handspiel im Rahmen der Torerzielung stärker auf den Zusammenhang geachtet werden. Auch bei der Auslegung der Vorteilsregel sollen die Schiedsrichter mehr Spielraum bekommen. Zudem plädiert Ittrich für einen respektvolleren Umgang zwischen Spielern und Schiedsrichtern.

+++ Hoeneß hat volles Vertrauen in Sané +++

"Sané hält den Druck schon aus, der kann ja kicken. Die Erwartungshaltung ist natürlich groß, aber er wird es schaffen, weil er alles hat, was einen Weltstar ausmacht. Wenn er auf dem Boden bleibt und hart an sich arbeitet, werden wir mit ihm viel Freude haben."

+++ Hoeneß äußert sich zur Transferpolitik +++

... zum Vertragspoker mit David Alaba: "Mein Bauch sagt, dass ich unbedingt will, dass David bei uns bleibt. Was der Berater für einen Schmarrn erzählt ist unfassbar. Der verlangt einen zweistelligen Millionenbetrag nur für die Unterschrift. Ich verstehe, dass Hasan bei einem Treffen mal völlig ausgeflippt ist, weil die Argumente völlig falsch sind. Ich hoffe, dass David und sein Vater da mal klar sehen. Es geht da nur um ein paar Millionen wegen denen aber die ganze Gehaltsbalance beim FC Bayern verschoben werden könnte."

... zu einem möglichen Thiago-Abgang: "Thiago hatte bei uns ein Super-Angebot über vier Jahre. Einige Tage später hat er dann gesagt, dass er eine große Herausforderung sucht. Angeblich ist er ja mit Liverpool und Manchester United einig. Von den Vereinen ist aber noch niemand an den FC Bayern herangetreten. Das ist kein Stil, die wollen uns erpressen. Aber selbst wenn Thiago geht, dann spielt Kimmich, Goretzka und Müller. Dann haben wir noch Tolisso, der zwei Jahre durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Den kannst du blind reinwerfen."

... zur Kritik an der Kaderbreite: "Der Kader für die Saison ist groß genug. Die anderen haben auch dieselbe Belastung. Real hat kein Geld zum Kaufen, Barcelona hat kein Geld, Manchester City hat nichts gemacht. Wir haben jetzt die Champions League gewonnen und können ruhig in die nächsten Jahre gehen. Wir haben auch eine eine gute Nachwuchsakademie und einige gute junge Spieler hintendran. Die spielen auch nie, wenn man immer nur etablierte Leute holt. Wenn du ein paar Titel gewonnen hast, dann kann man auch mal etwas experimentieren."

+++ Fehlt dem BVB der Mumm für den Titel? +++

"Sport1"-Chefredakteur Pit Gottschalk sieht die Schuld für die Dominanz der Bayern allerdings auch bei der Konkurrenz: "Dortmund hatte vor zwei Jahren neun Punkte Vorsprung und konnte das nicht ins Ziel bringen. Vielleicht fehlte da auch der Mumm, einen Trainer rauszuschmeißen. Der BVB hat die zweitbeste Mannschaft und setzt weiter auf einen Trainer, der keine Titel gewinnt. Und beim FC Bayern wirft man einen Trainer raus, der gerade das Double gewonnen hat. Da fehlt der Konkurrenz auch der Mumm, den richtigen Übungsleiter zu bringen, der ein Feuer entfacht." 

+++ Müssen die Gelder anders verteilt werden? +++

Mit Blick auf die Dominanz des FC Bayern stellt sich immer, ob die TV-Gelder anders verteilt werden sollten. Uli Hoeneß lehnt das entschieden ab: "Die 250 Millionen Euro mehr haben wir uns redlich verdient. Das haben wir uns hart erarbeitet in den letzten 20 Jahren, zum Beginn der Bundesliga waren wir nämlich überhaupt nicht dabei. Wenn man dem FC Bayern 50 Millionen wegnimmt, dann bekäme jeder andere Verein drei Millionen mehr. Damit ändert sich gar nichts. Wenn man anfängt, sozialistisch zu denken und umzuverteilen, dann sträuben sich bei mir alle Haare. Ich sehe allerdings, dass die deutschen Vertreter die Europa League nicht ernst genug nehmen. Da wäre eine Möglichkeit, diesen Wettbewerb finanziell aufzuwerten." 

+++ Ist der FC Bayern in der Bundesliga überhaupt zu stoppen? +++ 

"kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh sieht den FC Bayern auch in dieser Saison als kommenden Meister: "Ich sehe momentan weniger Konkurrenz als im Vorjahr. Dortmund hat sich zwar verstärkt, die Defensive ist aber nicht besser als letztes Jahr. Leverkusen hat Havertz verloren, Leipzig hat Werner verloren. Da gibt es keinen echten Konkurrenten." 

Hoeneß sieht die Ausgangslage nicht ganz so klar: "Ich finde, dass Dortmund dieses Jahr stärker spielt. Sie haben ihre sehr talentierten Spieler gehalten: Haaland ist ein Jahr älter, Sancho ist älter. Ich sehe Dortmund zumindest stärker als im letzten Halbjahr. Das Wehklagen über den deutschen Fußball teile ich nicht. Die großen englischen Vereine waren im Halbfinale der Champions League nicht mehr dabei. In der Spitze sind wir europaweit gut aufgestellt. Ich sehe eher nach den ersten fünf in der Bundesliga eine Lücke aufklaffen."

+++ Hoeneß plädiert für Finanzhilfen für klamme Klubs +++

"Wenn wir lange Zeit - mehr als ein halbes Jahr - nicht mit vollen Stadien spielen können, dann werden einige Vereine richtig Probleme bekommen. Ich bin immer bereit, dass die Bundesliga da dann großzügig ist. Es nutzt auch dem FC Bayern nichts, wenn statt 18 Bundesligisten nur noch 15 da sind. Da wird viel Solidarität nötig sein."

+++ Hoeneß sorgt sich um Stellung des Fußballs nach Corona +++

"Die größte Sorge, die ich habe, ist, ob die Leute auch alle kommen, wenn sie dürfen. Vielleicht sind die Leute dann auch ängstlich. Die langfristigen Folgen für den Fußball sind noch nicht absehbar. Ob in einem Stadion mit 70.000 Plätzen, die Leute in Zukunft eng zusammensitzen wollen, das müssen wir erstmal sehen."

+++ Wann dürfen die Fans zurück in die Allianz Arena? +++

Bei einer Rückkehr der Zuschauer drückt Hoeneß erstmal auf die Bremse: "Man muss Verständnis haben für den Ministerpräsidenten. Solange es in Bayern relativ viele Fälle gibt, muss man da Geduld haben. Es gibt aber Anzeichen, dass sobald die Ferien vorbei sind und die Infektionszahlen zurückgehen, man da mit der Politik reden kann. Wir als FC Bayern sind dann vorbereitet, Lockerungen schnell umzusetzen. Ich denke, dass wir bis zum Frühjahr einen Impfstoff haben. Die Leute sollte endlich mal verstehen, dass sie im besten Land für sowas leben." 

+++ Hoeneß kritisiert Alaba-Berater +++

Gleich zu Beginn soll sich Hoeneß zur stockenden Vertragsverhandlung mit Verteidiger David Alaba äußern: "Ich hatte mit ihm vor einigen Wochen schon einmal ein Kaffeetrinken. Wir wollen alle, dass David bei uns bleibt. Er hat aber einen geldgierigen Piranha als Berater. Und sein Vater, den ich sehr schätze, beeinflusst das leider auch. Es geht wirklich nur um Geld. Er ist ja schon bei dem besten Klub der Welt. Er ist jetzt 29 Jahre alt und sollte sich eigentlich nicht mehr von außen beeinflussen lassen."

+++ Es geht los +++

Unter dem Applaus des Publikums eröffnet Moderator Thomas Helmer die Sendung und stellt die Themen des Tages vor: DFB-Pokal, Transferfenster und der Champions-League-Sieg des FC Bayern. Nichts soll heute zu kurz kommen. Hoeneß betritt die Runde und wirkt sehr locker und entspannt: "Es gibt ja kaum Angriffsfläche", begründet er seine Lockerheit.

+++ Hoeneß trifft auf meinungsstarke Gäste +++

Ganz allein wird Hoeneß jedoch nicht im Studio sitzen. Der Sender hat dem langjährigen Bayern-Macher einige bekannte Gesichter aus der Sport- und Medienwelt zur Seite gestellt. "Sport1"-Chefredakteur Pit Gottschalk, "kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh sowie Experte Marcel Reif werden sicherlich bei einigen Wortmeldungen nachhaken. Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind übrigens auch wieder Zuschauer live mit dabei. 

+++ Gegen wen feuert Hoeneß diesmal? +++

Nur selten lässt Hoeneß eine Gelegenheit aus, gegen die Konkurrenz zu sticheln. Besonders der BVB hat es ihm in den vergangenen Monaten angetan. Holt er auch am Sonntag wieder zum Rundumschlag aus?

+++ Legendäre Auftritte in der Vergangenheit +++

Im "Doppelpass" war Hoeneß bereits unzählige Male zu Gast. Immer wieder lieferte der frühere Erfolgsmanager denkwürdige Auftritte ab. Unvergessen ist sein feuriger Disput mit dem mittlerweile verstorbenen Udo Lattek. Beide hatten den FC Bayern in den 70er und 80er Jahren entscheidend geprägt, gerietet im Talkformat aber heftig aneinander.

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