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Blum in Aachen zum Zuschauen verdammt

03.09.2020 12:47
Simone Blum kann in Aachen nicht starten
© unknown
Simone Blum kann in Aachen nicht starten

Simone Blum wusste sofort Bescheid. Als Alice im Abschlusstraining nach einem Sprung unsanfter als sonst landete, war der Weltmeisterin direkt klar, dass es nichts wird mit dem Turnierstart in Aachen. "Da ist was ins Kreuz geschossen", sagte Blum am Donnerstag in Aachen: "Im Moment kann sie nicht höher springen als 30 Zentimeter."

Und dabei hatte sich Blum "total gefreut" auf das Comeback mit ihrer Wunderstute in einem offiziellen Parcours. "Letztes Jahr im September sind wir zuletzt zusammen ein Turnier gegangen", erzählte die 31-Jährige, "dann kamen meine Schwangerschaft, die Geburt unserer Tochter und Corona. Die Pause für Alice war super lang."

Nun wird sie noch länger, wie lange, kann niemand genau sagen. Von Tag zu Tag müsse man Alice aufmerksam beobachten, sagt Blum, und deshalb ist die 13-jährige Stute auch in Aachen dabei. "Ich spüre am besten, wie es ihr geht und wie sie drauf ist", erklärt Blum, die Alice in der nächsten Woche auch mit zum Turnier nach Valkenswaard nimmt: "Ich hab sie am liebsten immer nah bei mir."

Im Parcours des dreitägigen Aachen International Jumping muss sich statt Alice nun Blums Zweitpferd Cool Hill beweisen. Für den zehnjährigen Wallach, sagt die Reiterin, ist es gegen hochkarätige Konkurrenz eine echte Bewährungschance. Alice wird derweil spazieren geführt, denn "nur in der Box stehen, kann die wilde Hilde nicht".

"Wir hatten große, ehrgeizige Ziele"

Die Verletzung von Alice passt laut Blum ins Bild des Jahres 2020, "in dem wirklich alles anders ist". Und dabei war dieses verflixte 2020 eigentlich minutiös geplant: Die Geburt von Tochter Hannah im Februar, danach der Beginn der Vorbereitung auf Olympia in Tokio, alles war genau durchdacht.

Stattdessen weiß jetzt keiner so genau, wie es weitergeht und ob das WM-Team Blum/Alice im nächsten Jahr bei Olympia starten kann. "Keiner kann uns garantieren, dass es Olympia 2021 geben wird, man hängt total in der Luft, das empfinde ich als eine schwierige Situation", sagt Simone Blum: "Wir hatten große, ehrgeizige Ziele, es ist nicht so leicht, das alles wieder runterzufahren."

Bei der Stressbewältigung hilft Töchterchen Hannah, die natürlich auch in Aachen mit dabei ist. "Sie ist unser Sonnenschein", sagt Blum, und wie zur Bestätigung strahlt das freundliche Baby mit den himmelblauen Augen jeden an. Sieben Monate nach Hannahs Geburt hat Blum ihre Wettkampffigur "bis auf drei Kilo" wieder: "Ich hatte 20 Kilo zugelegt, 15 waren schnell weg, die nächsten zwei waren schwer, die letzten drei wollen irgendwie nicht."

Alice, "dieses Pferd meines Lebens", soll übrigens im nächsten Jahr per Embryotransfer auch zweimal Mutter werden, erzählt Blum, unter anderem von Gestüt Zangersheides zehnjährigem Dominator. Im Sport, so ist es geplant, wird die Stute noch bis mindestens zur WM 2022 im dänischen Herning gehen. "Dann wäre sie 15, im besten Alter", sagt Blum: "Und vielleicht nicht mehr ganz so wild."

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