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Froome: Plötzlich Auslaufmodell statt Anführer

13.08.2020 17:33
Chris Froome fährt der Form alter Tage hinterher
© unknown
Chris Froome fährt der Form alter Tage hinterher

Im Vorjahr kostete Chris Froome ein Sturz am Rande des Criterium du Dauphine die Teilnahme an der Tour de France. In diesem wird dort erneut über den Tour-Start des Briten entschieden. Froome kämpft um den Anschluss beim Team Ineos.

Ein Radrennen hat Chris Froome seit über zwei Jahren nicht mehr gewonnen. Schwere Rückschläge und Niederlagen liegen dagegen längst nicht so weit zurück. Ein Horror-Sturz vor 14 Monaten kostete ihn beinahe die Karriere, der viermalige Tour-de-France-Sieger verlor die Führungsrolle beim Star-Team Ineos - und muss nun sogar die Nicht-Nominierung für die 107. Frankreich-Rundfahrt (29. August bis 20. September) in rund zwei Wochen fürchten.

Beim Criterium du Dauphine hat der 35-Jährige bis Sonntag die letzte Chance, sich für das achtköpfige Aufgebot zu empfehlen. Nur ein Platz ist noch zu vergeben. Die jüngsten Leistungen lassen an einem Auftritt bei der Großen Schleife eher zweifeln. Nur die Rolle ist klar: Froome, der langjährige Patron der früheren Sky-Mannschaft, wäre nur noch Helfer. Der stärkste Fahrer im Ineos-Team heißt Egan Bernal.

Der 23 Jahre alte Tour-Titelverteidiger aus Kolumbien gewann nach dem Saison-Neustart das Etappenrennen Route d'Occitanie, bei der Tour de l'Ain wurde er Zweiter der Gesamtwertung. Und Froome? Er beendete die Rennen auf den Gesamträngen 37 und 41. Der Brite schuftete als Helfer: Beim Dauphine-Auftakt am Mittwoch fiel er frühzeitig aus der Spitzengruppe, am Donnerstag musste er beim steilen Anstieg in Richtung Ziel 4,5 Kilometer vor Schluss abreißen lassen.

In dieser Form, glaubt der ehemalige deutsche Radprofi Jens Voigt, wäre Froome ein Hindernis für die ambitionierten Ziele der Ineos-Mannschaft. "Chris ins Aufgebot zu nehmen, wäre ein verschenkter Platz für einen wirklichen Klassehelfer", schrieb Voigt in seiner Eurosport-Kolumne: "Nach seinem Sturz und der Pause scheint Chris einfach nicht mehr an das alte Niveau anschließen zu können."

Zudem spiele das Alter bei Froome langsam eine Rolle: "Die Natur ist unerbittlich, mit zunehmendem Rennfahreralter verlängert sich die Regenerationszeit. Man wird langsamer in den Reaktionen und fährt etwas vorsichtiger."

Wie sehr sich die Machtverhältnisse im früheren Sky-Team zu Froomes Ungunsten verschoben haben, wurde nicht nur auf der Straße deutlich. Der junge Bernal stellte sich am Mittwoch verbal schützend vor Froome, sprach respektvoll von einem Fahrer mit viel Erfahrung: "Einen siebenmaligen Grand-Tour-Sieger im Team zu haben, ist sicher etwas Wichtiges. Sicher möchte ich ihn gerne im Team haben", sagte Bernal.

Froome hat einen Fürsprecher. Einen Führungsanspruch dagegen nicht mehr. Seine Tage im Ineos-Team sind ohnehin gezählt. Er wird die Mannschaft zur Saison 2021 verlassen, für deren Erfolge er maßgeblich verantwortlich war. Das Team Israel Start-up Nation baut seinen Kader um Froome auf, kürzlich meldete das Team die Verpflichtung des Bergspezialisten Michael Woods. Froome soll wieder Siege feiern, am besten bei der Tour de France.

Seit dem 25. Mai 2018 hat Chris Froome keinen Tageserfolg mehr gefeiert. In einer der spektakulärsten Etappen der jüngeren Vergangenheit stürmte Froome damals mit einem 80-km-Solo ins Rosa Trikot beim Giro d'Italia. Zwei Tage später war er Gesamtsieger der Italien-Rundfahrt. Es könnte seine letzte sportliche Großtat gewesen sein.

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