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Reus verletzt, Piszczek nicht gesetzt

Der BVB und die Suche nach dem "neuen Reus"

06.08.2020 14:41
Wer hat beim BVB die Hosen an?
© TEAM2 via www.imago-images.de
Wer hat beim BVB die Hosen an?

Borussia Dortmund droht angesichts des langfristigen Ausfalls von Kapitän Marco Reus ein Führungs-Vakuum. Wer hat zukünftig auf dem Platz das Sagen? Und wie gefährlich ist die Situation für den BVB?

Eine Absetzung als Kapitän muss Marco Reus beim BVB wohl nicht befürchten. "Marco ist und bleibt unser Kapitän. Das ist für Borussia Dortmund selbstverständlich", stellte Sportdirektor Michael Zorc gegenüber "Bild" klar. Dass überhaupt Gerüchte um ein Ende von Reus' Amtszeit aufkamen, zeigt, wie potenziell risikoreich die aktuelle Situation für die Team-Hierarchie des Vizemeisters ist.

Reus fällt auf "unbestimmte Zeit", womöglich für die gesamte Hinrunde, aus und sein Vertreter Lukasz Piszczek dürfte im Vertragsjahr und nach der Verpflichtung von Thomas Meunier vermehrt in die zweite Reihe rücken. Vier Stars bewerben sich nun um die Führungsrolle beim BVB:

  • Mats Hummels: Der ideale Ersatz-Kapitän?

Wer den BVB bis zur Rückkehr von Reus als Kapitän auf den Rasen führt, dürfte geklärt sein: Mats Hummels. Die Nummer drei der internen Spielführer-Hierarchie ist auch 2020/21 als Abwehrchef gesetzt. Der Ex-Nationalspieler bestreitet seine insgesamt elfte Saison im BVB-Dress und hat zu Genüge bewiesen, dass er auf und abseits des Platzes zu den Wortführern gehört.

Dass Hummels nicht schon 2019/20 als Kapitän oder zumindest Vize agierte, dürfte lediglich seinem Wechsel zum ärgsten Konkurrenten FC Bayern im Sommer 2016 geschuldet sein. Seine Rückkehr zum BVB im letzten Sommer begrüßten zudem nicht alle Fans. Dass man ihm inzwischen verziehen hat, bewies allerdings nicht zuletzt eine Umfrage, in der 30 Prozent der Anhänger den Innenverteidiger zum besten Borussen der abgelaufenen Saison gewählt haben.

  • Axel Witsel: Leader trotz Sprachbarriere?

Der Belgier gehörte 2019/20 neben Reus, Piszczek und Hummels zum vier Spieler umfassenden Mannschaftsrat der Dortmunder und ist bereits seit seinem Wechsel im Sommer 2018 einer, der vorangeht. Zudem vertritt Witsel die durch die Verpflichtung von Meunier nun immerhin schon drei Stars umfassende belgische Fraktion im Kader. Witsel, Meunier und Thorgan Hazard spielen seit Jahren Seite an Seite für die belgische Nationalelf, kennen sich daher gut und dürften auch beim BVB häufig gemeinsam auf dem Rasen stehen.

Witsels Führungsrolle wurde in der Vergangenheit aber auch hinterfragt. "Er stellt auf dem Platz was dar, aber kann er das aufgrund der Sprachbarriere auch in der Kabine, so wie bei uns Matthias Sammer?", sagte Ex-BVB-Profi Martin Kree in einem Podcast der "Ruhr Nachrichten". Zudem konnte Witsel in seinem zweiten Jahr am Borsigplatz nicht ganz an die herausragenden Leistungen seiner ersten Saison anknüpfen.


Mehr dazu: Droht Axel Witsel beim BVB die Bank?


  • Emre Can: Prototyp des Führungsspielers? 

Emre Can repräsentiert quasi den Prototypen des Führungsspielers, kommuniziert offensiv, dass er diesen Anspruch auch an sich selbst stellt und wurde auch genau aus diesem Grund im Januar 2020 von Juventus Turin verpflichtet. "Ich wollte zu einem Verein, für den ich wichtig sein kann, wo ich gebraucht werde. Das ist in Dortmund der Fall", erklärte der 26-Jährige auf "bvb.de" .

Dass er nicht davor zurückschreckt, seine Meinung zu sagen, bewies der Mittelfeldspieler nicht zuletzt, als er Jadon Sancho öffentlich zu mehr Disziplin ermahnte. Auch gegen Rassismus und die Schmähplakate gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp bezog Can klar Stellung.

  • Erling Haaland: "Kapitän" der jungen Garde?

Seitdem der BVB den Mannschaftsrat vor der vergangenen Spielzeit von sechs auf vier Spieler reduziert hat, bildet ein Ü30-Gremium die Interessenvertretung der Stars - ein Umstand, der angesichts der vielen Youngster im Team durchaus Konfliktpotenzial bieten könnte.

Mit Erling Haaland verfügen die Dortmunder allerdings über einen erst 20-Jährigen, der auf dem Platz bereits wie ein alter Hase auftritt. Über die Vita, Erfahrungen und Erfolge von Hummels, Witsel oder Can verfügt der Norweger zwar nicht, vor allem seine Körpersprache ist aber außergewöhnlich. Sich selbst muss der Angreifer selten motivieren, Fans und Mitspieler treibt Haaland unermüdlich an. Can bezeichnete das Talent bereits als extrem "reif" und "professionell".

Gerade die ganz junge Garde um den 17-jährigen Gio Reyna erklärte zudem, dass Haaland ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Nicht auszuschließen also, dass Dortmund seinen Mannschaftstrat wieder aufstockt und Haaland berücksichtigt.

Fazit: Hummels ist der logische Vertreter von Reus als Spielführer, allerdings nicht der einzige Akteur im Kader des BVB, der den Anspruch hat, auf dem Feld voranzugehen. Witsel, Can und mit Abstrichen auch der junge Haaland sind in der Lage, ihre Mitspieler anzutreiben. Ein echtes Macht-Vakuum müssen die Dortmunder also nicht fürchten. Zumal Reus selbst eigentlich kein geborener Lautsprecher oder Mentalitätsspieler ist. Seine unbestrittenen große spielerische Klasse wird dem BVB allerdings fehlen, genauso wie seine Eigenschaft als Identifikationsfigur. 

Marc Affeldt

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