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Kubica vergleicht DTM und WRC

27.07.2020 10:28
Robert Kubica vergleicht seinen DTM-Einstieg mit seinem WRC-Debüt
© MST
Robert Kubica vergleicht seinen DTM-Einstieg mit seinem WRC-Debüt

In seiner Rennsport-Karriere hat Robert Kubica neue Herausforderungen in verschiedensten Serien nie gescheut. Sein neustes Abenteuer ist der Einstieg in die DTM mit BMW. Die Umstellung von der Formel 1 auf die DTM vergleicht der Pole mit seinem damaligen Intermezzo in der Rallye-WM (WRC), das er nach der Formel 1 und seinem heftigen Unfall im Jahr 2011 angegangen ist. Die Hürden, die er in der DTM überwinden muss, vergleicht Kubica mit seiner WRC-Herausforderung.

"Beim Wechsel in die Rallye-WM ging es darum, eine neue Serie zu entdecken", erinnert sich Kubica. "Dafür braucht man ganz andere Fähigkeiten. Es geht zwar auch darum, wie man das Auto fährt, aber Rallyefahrer benötigen spezielle Eigenschaften. Ich musste das alles im Grunde von Null weg erlernen."

Er betont, er habe damals seine Erfahrungen auf der Rundstrecke kaum einbringen können, weshalb jede Rallye für ihn eine ganz neue Aufgabe war, der er lösen musste. Obwohl in der DTM auf klassischen Rundstrecken gefahren wird, von denen Kubica bereits viele aus einer Rundstrecken- und Formel-1-Zeit kennt, könne man das Maß der Herausforderung durchaus mit seiner WRC-Zeit vergleichen.

"Erfahrung spielt eine wichtige Rolle!"

"Es handelt sich um eine ganz andere Rennserie, um eine ganz andere Herangehensweise", stellt der Pole die DTM der Formel 1 gegenüber. "Selbst der Ablauf der Wochenenden ist ganz anders als das, was ich gewohnt bin. Man hat kaum Zeit, um Dinge auszuprobieren, ehe das Qualifying ansteht. Erfahrung ist dafür grundlegend. Das war schon in der Rallye-WM so, und das gilt auch für die DTM."

Das Level in der DTM ist hoch - das weiß auch Kubica. Deshalb ist er sich sicher, dass seine Rennsport-Erfahrung eine "wichtige Rolle" spielen wird. "Man steigt ins Auto ein und ist gleich mal ganz gut dabei, aber wenn die Meisterschaft auf dem höchsten Niveau ist, dann reicht ein halber Tag im Auto nicht aus, da sich die Bedingungen ständig ändern und man immer neue Dinge ausprobieren muss", sagt er.

"Und dann spielen am Ende doch Kleinigkeiten die entscheidende Rolle, speziell in der DTM", fügt Kubica hinzu. "Im Rallyesport ist das ein bisschen anders, denn ich musste mich mit den großen Themen auseinandersetzen", verweist er auf die ungewohnte Herausforderung, sich auf die Anweisungen eines Copiloten zu verlassen.

"Ich musste mich als Fahrer auf diese ganz andere Serie einstellen. In der DTM werde ich mit dem Team an den letzten Details feilen. Und all diese Details machen in einem so kompakten Feld einen großen Unterschied."

DTM ein wichtiger Schritt in seiner Karriere

Kubica hat in seiner Karriere eine Achterbahnfahrt hingelegt, wenn es um die Teilnahme in verschiedenen Klassen geht: Nach seiner klassischen Ausbildung im Formelsport ging er fünf Jahre lang für BMW-Sauber und Renault in der Formel 1 an den Start. Nach seinem Unfall im Jahr 2011 und der Zwangspause folgten vier Jahre in der WRC, ehe Kubica wieder in die Formel 1 kam. Im Jahr 2019 fuhr er eine weitere volle Saison in der Königsklasse für Williams.

Doch ist die DTM jetzt nur eine Notlösung, da er in der Formel 1 nicht mehr zum Einsatz kommt oder sieht Kubica den Wechsel als einen Entwicklungsschritt in seiner Karriere an? Er betont: "Ich schätze die DTM sehr hoch ein. Es handelt sich um eine extrem schwierige Meisterschaft. In den vergangenen Jahren hat sich zwar die Anzahl der Autos verringert, aber die Qualität der Autos, Teams und Fahrer war schon immer sehr hoch. Es handelt sich um eine einzigartige Serie."

DTM ist Rennsport auf höchstem Niveau

Nach seiner schwachen Formel-1-Saison bei Williams hatte Kubica ein wichtiges Ziel vor Augen: Motorsport betreiben. Er sagt: "Mir fehlt das Rennfahren. Und die DTM ist eine großartige Gelegenheit für mich, Rennen zu fahren. Ich weiß, dass es sehr hart wird, es wird kein Spaziergang." Auf die Frage, ob sein Wechsel in der DTM im Formel-1-Fahrerlager ein Thema gewesen sei, antwortet Kubica: "Ich glaube nicht, dass es eine große Reaktion gegeben hat."

Ob Rückschritt oder Fortschritt, für Kubica hat es Priorität, in einer Meisterschaft auf hohem Level mithalten zu können: "Die Vergangenheit zeigt, wie schwierig es ist, in diese Serie einzusteigen und konkurrenzfähig zu sein. Das ist die beste Werbung, die man haben kann. Es ist natürlich nicht optimal, wenn man in die Serie einsteigt, weil es so schwierig ist, aber es unterstreicht, wie hoch das Niveau ist."

"Es ist eine große Herausforderung", fügt er hinzu. "Im Alter von 35 Jahren und nach der Formel 1 ist das wahrscheinlich ein riskanter Schritt und es ist ein Sprung ins kalte Wasser für mich. Aber ich weiß, dass die Genugtuung, wenn man es schafft, nach solchen Herausforderungen umso größer ist. Wir werden alles versuchen, und dann sehen wir, was möglich ist."

Doppelbelastung wird nicht einfach

In der Saison 2020 wird Kubica auf zwei Hochzeiten tanzen, auch wenn er betont, dass die DTM aus "Racing-Sicht" Priorität für ihn habe. Des Weiteren ist der Pole in der Formel 1 für Alfa Romeo als Ersatzfahrer tätig. Auch wenn er aktiv keine Formel-1-Rennen bestreiten wird, ist diese Doppelbelastung für Kubica nicht einfach.

"Es wird für mich ein sehr komplexes Jahr. Nicht nur an der Strecke in der DTM, die eine sehr große Herausforderung darstellt, sondern auch aus logistischer Sicht."

Selbst hat Kubica den Lockdown zuhause in Monaco verbracht, wo er die Wohnung nur für die wichtigsten Einkäufe verlassen hat. "Ich habe natürlich alle Möglichkeiten genutzt, um mich in Form zu halten, um fit zu sein - für den Fall, wenn es wieder losgeht", sagt er. "Ich bin auf dem Hometrainer gesessen, habe den Simulator genutzt, habe mental an mir gearbeitet."

"Im Rennauto spielt der physische Aspekt eine Rolle, aber auch der mentale Aspekt ist sehr wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als die Fitness", erklärt der erfahrene Rennfahrer. "Die Situation hat mich zwar sehr eingeschränkt, aber es ist mir dennoch gelungen, diesbezüglich ein gutes Programm durchzuführen. Und ich konnte es nicht erwarten, endlich ins Auto einzusteigen."

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