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Chelseas Großangriff mit Werner - und Havertz?

26.07.2020 17:45
Wohl bald Teamkollegen beim FC Chelsea: Kai Havertz (l.) und Timo Werner
© Roger Petzsche via www.imago-images.de
Wohl bald Teamkollegen beim FC Chelsea: Kai Havertz (l.) und Timo Werner

Mit den Verpflichtungen von Hakim Ziyech, Timo Werner und wohl auch Kai Havertz bläst der FC Chelsea in diesem Sommer zum Großangriff auf dem Transfermarkt. Was macht die Blues so attraktiv für begehrte Spieler? Und passt Havertz überhaupt an die Stamford Bridge?

Als Roman Abramovich im Jahr 2003 den FC Chelsea kaufte, war noch nicht sicher, ob der Klub damit einen guten Deal eingegangen war. Die Interessen des russischen Oligarchen waren wenig durchschaubar, es wurde befürchtet, er würde schnell die Lust am Projekt Chelsea verlieren, wenn der Erfolg ausbliebe.

Zu jenem Zeitpunkt waren die Trophäen in der Vereinsvitrine bereits eingestaubt, man sehnte sich nach neuer "Silverware" (Silberware), wie es im Englischen heißt.

17 Jahre und mehr als eine Milliarde Euro an Transferausgaben später ist Abramovich immer noch da - und Chelsea mit unter anderem fünf Meisterschaften, einem Champions-League-Titel sowie zwei Triumphen in der Europa League der erfolgreichste englische Klub in diesem Zeitraum.

FC Chelsea investiert trotz Corona-Krise gewaltig

Im Falle der Blues schießt Geld eben doch Tore. Und damit das auch in Zukunft so bleibt, wurde für die Saison 2020/21 bereits kräftig investiert - vor dem Hintergrund der Corona-Krise gewissermaßen antizyklisch.

Mit Hakim Ziyech und Timo Werner angelten sich die Londoner zwei der begehrtesten Spieler Europas. Zusammengerechnet fast 100 Millionen Euro flossen für die beiden Offensivakteure an Ajax Amsterdam respektive RB Leipzig. 

Die Verpflichtung Ziyches für angeblich 40 Millionen Euro plus vier Millionen Euro erfolgsabhängige Boni verkündete Chelsea bereits im Februar. Der marokkanische Flügelspieler stand zwischenzeitlich dem Vernehmen nach auch beim FC Bayern und beim BVB auf dem Einkaufszettel.

Doch für die Dortmunder wäre Ziyech angesichts des Gesamtpakets aus Ablöse und Gehalt schlichtweg nicht zu bezahlen gewesen. Der FC Bayern hingegen bemühte sich 2019 zu spät um die Dienste des 27-Jährigen. Ziyech verlängerte aus Dankbarkeit noch einmal bei Ajax, dem Klub, der ihm zum Durchbruch verholfen hatte.

Chelsea verstand es nun, dem filigranen Linksfuß einen Wechsel schmackhaft zu machen - auch ein Verdienst von Teammanager Frank Lampard, der sich in seiner ersten Saison an der Seitenlinie bereits einen Namen als Spielerflüsterer machte und sich klubintern angeblich vehement für eine Ziyech-Verpflichtung einsetzte.

Timo Werner von Lampard und Co. überzeugt

Auch Werner, der genau wie Ziyech schon länger den Traum hegte, in der Premier League zu spielen und zwischenzeitlich auch Kontakt zum FC Liverpool hatte, überzeugte Lampard im Verbund mit Ex-Torhüter Petr Cech, der bei Chelsea als Bindeglied zwischen Trainerteam und Management fungiert, sowie der allmächtigen Direktorin Marina Granovskaia vom Schritt zu den Blues.

Dank einer Ausstiegsklausel kostete der zweitbeste Torjäger und Scorer der abgelaufenen Bundesliga-Saison "nur" 53 Millionen Euro.

Noch einmal deutlich teurer wäre die Verpflichtung von Kai Havertz für Chelsea. 100 Millionen Euro fordert Bayer Leverkusen wohl für den 21 Jahre alten Shooting-Star. Auch gehaltstechnisch dürfte Havertz, einer der vielversprechendsten jungen Spieler weltweit auf seiner Position, nicht günstig werden. Als Anhaltspunkt: Werner streicht bei Chelsea laut "Bild" künftig ein Grundgehalt in Höhe von 15 Millionen Euro pro Jahr ein.

Doch dank Abramovich, laut "Forbes" aktuell rund 12,3 Milliarden US-Dollar schwer, fließen die Millionen trotz Corona weiter. Zumal Chelsea durch die erst im Januar abgelaufene Transfersperre zuletzt auch Gelder einsparte.

Für Havertz wollen Lampard und Co. eine Sockelbetrag von 80 Millionen Euro locker machen. Dieser könnte laut "Sky" durch Nachzahlungen noch anwachsen, sodass letztlich auch Leverkusen zufrieden wäre.

Kai Havertz zum FC Chelsea? Chance und Risiko

Eine Hürde auf dem Weg zur Verpflichtung Havertz' müssen die Londoner aber noch nehmen: die Qualifikation für die Champions League. Die Entscheidung fällt am letzten Premier-League-Spieltag, an dem die Blues die Wolverhampton Wanderers empfangen. Als Tabellenvierter hat Chelsea aktuell einen Punkt Vorsprung auf Leicester City, das auf den Dritten Manchester United trifft.

Havertz scheint das "neue Chelsea" jedenfalls genauso zu reizen wie Ziyech und Werner. Bayer ist der "deutsche Weltklassespieler" (O-Ton Reiner Calmund) längst entwachsen. Mit seinen Fähigkeiten und seinem Potenzial kann sich der deutsche Nationalspieler eigentlich nur auf der großen Bühne weiterentwickeln.

Ein Wagnis wäre ein Wechsel nach London dennoch. Havertz muss erst noch den Beweis antreten, dass er mit dem neuen, deutlich aufgeregteren Umfeld in Großbritanniens Hauptstadt, dem physisch härteren Fußball und der größeren Anzahl von Spielen klar kommt. Schafft er das, könnte er bei Chelsea zur festen Größe werden - und Abramovich weitere Titel bescheren.

Luis Holuch

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