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Geheimtreffen mit Infantino zwingen Anwalt zum Rücktritt

24.07.2020 13:04
Geheimtreffen mit Infantino zwingen Bundesanwalt zum Rücktritt
© SPP Ricardo Moreira via www.imago-images.de
Geheimtreffen mit Infantino zwingen Bundesanwalt zum Rücktritt

Der wegen Geheimtreffen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino in der Kritik stehende Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber hat seinen Rücktritt angeboten.

Wie Lauber am Freitag in einer persönlichen Erklärung mitteilte, habe er sich "im Interesse der Institutionen" zu diesem Schritt entschieden. In einem zuvor veröffentlichten Urteil hatte das Schweizer Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass der 54-Jährige seine Amts- und Treuepflicht in mehreren Punkten "schwer verletzt" habe.

Wie das Gericht mitteilte, habe Lauber unter anderem "vorsätzlich die Unwahrheit" gesagt. Dabei geht es um eines von drei Geheimtreffen Laubers mit dem Fußball-Weltverbands-Präsidenten Infantino vom 16. Juni 2017, das alle der mutmaßlich fünf Teilnehmer vergessen haben wollen.

"Eine solche Erinnerungslücke bei mehreren Teilnehmern ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung als abwegig anzusehen", befand das Gericht. Stattdessen habe Lauber das Treffen der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) "bewusst" verschwiegen. Lauber hatte zum Zeitpunkt der Treffen mehrere Verfahren im Bereich des Weltfußballs geleitet, darunter auch das im Sommermärchen-Skandal um die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland, das Ende April wegen Verjährung eingestellt wurde.

Lauber weist Lügen-Vorwurf zurück

Die AB-BA hatte aufgrund der Geheimtreffen mit Infantino im Mai 2019 ein Disziplinarverfahren gegen Lauber eröffnet. Im März dieses Jahres kürzte sie Laubers Lohn um acht Prozent, dieser reichte daraufhin Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Das Gericht beurteilte am Freitag eine Lohnkürzung aufgrund der Schwere der Amtspflichtverletzungen als rechtmäßig, reduzierte sie jedoch auf fünf Prozent.

Lauber erklärte, er "respektiere" das Urteil, "die Unterstellung der Lüge" weise er jedoch "in aller Form zurück", ergänzte aber: "Wenn man mir jedoch als Bundesanwalt nicht glaubt, dann schadet dies der Bundesanwaltschaft."

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