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Hartung: Olympia gefährlicher "als Apres Ski in Ischgl"

24.07.2020 15:06
Glaubt nicht an volle Stadien bei Olympia: Max Hartung
© Martin Hoffmann Berliner Str.31 via www.imago-imag
Glaubt nicht an volle Stadien bei Olympia: Max Hartung

Auch bei den Athleten wie Max Hartung wachsen die Zweifel an einer halbwegs normalen Durchführung der Olympischen Spielen in Tokio in einem Jahr.

Statt der Vorfreude wächst bei Max Hartung eine böse Vorahnung. Knapp ein Jahr vor Beginn der verschobenen Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August 2021) malt der Präsident des Vereins Athleten Deutschland ein düsteres Szenario.

"Ich persönlich glaube nicht, dass die Spiele so stattfinden wie sie ohne Corona gewesen wären. Ich kann mir vorstellen, dass etwas anderes stattfindet als Olympia", sagt der viermalige Fecht-Europameister der "Bild"-Zeitung: "Es wird nicht die Begegnung der Welt, auf die ich mich gefreut habe. Es wird - Stand jetzt - wenn überhaupt nur mit vielen, vielen Sicherheitskonzepten und Einschränkungen gehen."

Die Auswüchse der grassierenden Coronavirus-Pandemie können Topathleten wie den 30-jährigen Hartung gerade in diesen Tagen rund um den Termin der eigentlichen Eröffnungsfeier von Olympia 2020 (Freitag) nicht ausblenden. Gedanken über Geisterspiele, die selbst IOC-Präsident Thomas Bach zuletzt nicht mehr ausschließen konnte, drängen sich geradezu auf.

"Ich kann mir gefüllte Stadien in Japan zum jetzigen Zeitpunkt kaum vorstellen ohne wirksamen Impfstoff", lautet Hartungs klare Meinung. Das Horrorszenario von Coronafällen im Olympischen Dorf bereitet ihm ebenfalls Bauchschmerzen: "Olympische Spiele sind DAS globale Event überhaupt - größer und damit für die Verbreitung des Virus gefährlicher als Apres Ski in Ischgl."

Es könne daher aus Hartungs Sicht "kein Olympisches Dorf geben mit einer großen Mensa, in der alle zum Essen zusammenkommen. Und es gibt sicher auch keine Partys im Deutschen Haus, wie wir sie kennen."

"Wir trainieren total ins Blaue hinein"

Diese Vision eines klinischen Sportfestes in Japan steht im krassen Kontrast zu dem Szenario, das IOC-Boss Bach zuletzt entworfen hatte. "Wenn alles seinen richtigen Weg geht, wird Olympia in Tokio das erste Fest nach Corona, das die Welt vereint", sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976.

Doch die Ungewissheit lässt sich nicht so einfach wegreden - sie zerrt mitunter gewaltig an den Nerven. "Es gibt keine Wettkämpfe, wir trainieren total ins Blaue hinein", monierte Hartung, der eigentlich nach den Spielen 2020 seine Karriere beenden wollte: "Jetzt weiter zu machen, ist ein Kraftakt."

Kunstturnerin Elisabeth Seitz (26) geht es in ihrem Sport-Alltag ähnlich. "Ich glaube, wie normal Olympia im nächsten Jahr sein wird, kann derzeit niemand sagen. Sich da für das Training zu motivieren, fällt mir manchmal ein bisschen schwer", sagte die deutsche Rekordmeisterin dem "SWR".

Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler gehen die Spekulationen "langsam auf die Nerven", wie er auf "SID"-Anfrage mitteilte. Der 24-Jährige glaubt nach Stand der Dinge, "dass die Spiele in abgespeckter Form stattfinden werden".

DOSB-Präsident Alfons Hörmann weiß um die extremen Herausforderungen für die Beteiligten. "Uns allen im Sport, insbesondere den betroffenen Athletinnen und Athleten, bleibt keine andere Wahl als das sehr flexible Anpassen an die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen", sagte er der Rheinischen Post.

Und so sieht das Programm von Spitzenathleten in aller Welt in diesen Tagen so ganz anders aus als erhofft. Statt am Freitag bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion einzulaufen, lag Hartung beispielsweise flach. Die vergleichsweise wenig glamouröse Abendplanung lautete: Massage statt Mega-Event.

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