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Zweifel an den US Open werden immer größer

22.07.2020 13:13
© imago sportfotodienst

Nach der Absage des Turniers in Washington werden die Fragezeichen hinter den US Open immer größer. Die internationalen Reisebeschränkungen sind ein großes Problem.

Die Tenniswelt blickt gebannt nach New York. In rund fünf Wochen sollen sich dort Hunderte Profis aus aller Welt mitsamt Betreuern in eine "Blase" begeben, um inmitten der Corona-Pandemie ein Grand-Slam-Turnier zu spielen. Noch halten die Veranstalter trotz aller Widrigkeiten vehement an ihren Plänen fest - dass der Tenniszirkus tatsächlich in Flushing Meadows Station macht, wird aber immer unwahrscheinlicher.

"Mein Bauchgefühl sagt mir, es wird mehr als schwer, die US Open durchzuziehen. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen", sagte Frauen-Bundestrainerin Barbara Rittner am Mittwoch dem "SID". Und nach der Absage des ATP-Turniers in Washington, das ab dem 14. August für die Männer der Neustart nach der Corona-Pause und ein erster Testlauf für die US Open (ab 31. August) sein sollte, ist sie mit ihren Zweifeln nicht allein.

Unter ihren Schützlingen sei die Stimmung "sehr gemischt", erzählte Rittner, sie kenne "keine Spielerin oder keinen Spieler, die sagen, dass sie auf jeden Fall hinfliegen". Eine Einstellung, die die 47-Jährige bestens verstehen kann. "Wäre ich eine unabhängige Topspielerin", betonte Rittner, "würde ich auch nicht in die USA fliegen wollen, um dort ein Tennisturnier zu spielen." Und ohnehin, erzählte Rittner, gebe es für die Profis von der Organisatorenseite immer noch "zu wenig Informationen, wie es ablaufen könnte".

Das Thema US Open spaltet die Tenniswelt. Doch nicht nur die rasant in die Höhe schnellenden Infektionszahlen in vielen Teilen der USA und damit der Schutz der Spieler stellen ein großes Problem dar. "Das große Thema ist die Einreise, Menschen nach Amerika rein- und wieder rauszubringen", sagte Washingtons Turnierchef Mark Ein der New York Times: "Darüber haben wir keine Klarheit."

Struff: "Es ist sehr schwierig"

Auch Jan-Lennard Struff muss sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Die deutsche Nummer zwei, plant "immer noch, in die USA zu gehen", wie Struff bei "Sky" sagte. Doch "die Frage ist momentan, was passiert, wenn wir zurück nach Europa kommen?"

Dort soll direkt im Anschluss an die US Open eine Sandplatzsaison gespielt werden, erst die Masters-Turniere in Madrid und Rom und nur zwei Wochen nach dem Endspiel in New York bereits die French Open (ab 27. September). Wer derzeit aus den USA nach Europa reist, muss sich jedoch in 14-tägige Quarantäne begeben. Und auch die Frage, ob ausländische Spieler bei ihrer Ankunft in den USA in Quarantäne müssen, ist bisher unbeantwortet.

Topstars wie Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Simona Halep hatten schon angedeutet, sich möglicherweise lieber voll auf die Sandplatzsaison in Europa konzentrieren zu wollen. Hinter den Kulissen verhandeln die Tennis-Verantwortlichen aber fieberhaft, um Lösungen auf dem politischen Parkett zu finden.

"Es ist sehr schwierig, das fair für alle zu gestalten", meinte auch Struff, im Hinblick auf die French Open forderte der Weltranglisten-34. deshalb: "Es muss natürlich gewährleistet sein, dass die ganzen Spieler aus Südamerika, den USA und auch Asien antreten dürfen."

Noch gibt sich der US-Verband USTA zuversichtlich. Die Absage des Events in Washington habe "in keinster Weise Einfluss" auf die US Open, hieß es in einem Statement. Doch der Druck ist immens. "Natürlich läuft ihnen die Zeit weg", sagte Dirk Hordorff, Vizepräsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), dem SID. Und die Zweifel wachsen täglich.

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