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Kroos dicht vor Titel: Das Weiße Ballett tanzt Standard

15.07.2020 12:20
Toni Kroos (r.) eilt mit Real derzeit von Sieg zu Sieg
© Irina R. H via www.imago-images.de
Toni Kroos (r.) eilt mit Real derzeit von Sieg zu Sieg

Real Madrid steht nach zweijähriger Durststrecke vor dem Gewinn der spanischen Meisterschaft. Die große Party fällt diesmal aber aus.

Für Toni Kroos war der Weg zu seiner erst zweiten spanischen Fußball-Meisterschaft mit Real Madrid alles andere als leicht. "Difficult One", schrieb der Rio-Weltmeister nach dem hart erkämpften 1:0 bei Espanyol Barcelona Ende Juni im Netz, also etwa: "Schwieriges Ding". Vier Tage später, nach dem mühsamen 1:0 gegen Getafe, twitterte er abermals: "Difficult One". Und wiederum drei Tage danach, in Bilbao war ein 1:0 geglückt, genau: "Difficult One".

Das Weiße Ballett tanzt Standard. Da passt es ins Bild, dass die große Party nach dem 34. Titel für den Rekordmeister ausfallen soll: Angesichts der wieder steigenden Zahl der Corona-Fälle hat Real eindringlich an seinen Anhang appelliert, auf die üblichen Feierlichkeiten am Cibeles-Brunnen zu verzichten. Sollten sich die Königlichen nach zwei Jahren Durststrecke wie erwartet am vorletzten Spieltag am Donnerstagabend (21:00 Uhr) mit einem Sieg gegen Villarreal die Krone zurückholen, müssen Kroos und Co. intern anstoßen.

"Wir wollen Titel gewinnen, um sie mit unseren Fans feiern zu können", hieß es in einer Erklärung des Klubs, "aber wir sind uns darüber bewusst, dass die Zeiten, in denen wir leben, uns dazu zwingen, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen". Das Hausblatt Marca prophezeite am Mittwoch "Las fiestas, en casa" auf der Titelseite: Hauspartys. Auch die Liga, der Fußballverband und die Behörden mahnten.

Dritte Meisterschaft in zwölf Jahren

Dabei ist die Sehnsucht nach "Numero 34" groß. "Die Meisterschaft würde uns viel bedeuten", sagte Kapitän Sergio Ramos. Es wäre erst die dritte in den vergangenen zwölf Jahren, vier der jüngsten fünf holte der ewige Rivale FC Barcelona. Kroos, der stolze drei Mal die Champions League mit Real gewann, war nur 2017 spanischer Meister.

Einen Schönheitspreis hat der Rekordchampion aber nicht gewonnen - Stichwort: "Difficult One". Coach Zinedine Zidane betonte: "In dieser Liga muss man es verstehen, zu leiden - und wir haben gelitten. Wir haben durchgehalten. Darauf müssen wir stolz sein." Die immer mal aufflammende Kritik am großen "Zizou" sei ungerechtfertigt, schrieb Marca. Wer am Denkmal Zidane rüttle, rufe auch "bei funktionierender Waschmaschine den Kundendienst an, weil ihm die Anordnung der Knöpfe nicht gefällt".

Top-Resultate nach Restart

Der Schlüssel zum Titel war die Konstanz nach der Corona-Pause: Mit neun Siegen in neun Spielen wurde aus den zwei Punkten Rückstand ein Vorsprung von vier Zählern auf Barca, das sich drei Unentschieden erlaubte. Während Real mit kalter Effizienz durch die Liga rumpelte, verlor sich Barca in unnötigen Dauerdiskussionen um Trainer Quique Setien und die Vertragssituation von Weltstar Lionel Messi.

Dabei lief bei Real längst nicht alles rund. Zidane verzweifelte darüber, Topspieler wie Gareth Bale oder James dauerhaft zu integrieren, auch Zugang Luka Jovic blieb ein Fremdkörper, und der vermeintliche neue Superstar Eden Hazard spielte verletzungsbedingt nur eine Nebenrolle. Kroos dagegen war ein Muster der Konstanz - auch wenn es manchmal "difficult" war.

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