Anzeige

Saarbrücken: Der "Schlafende Riese" hofft aufs Erwachen

09.06.2020 11:45
Der Ludwigspark in Saarbrücken wird renoviert
© Jan Huebner/Kleer via www.imago-images.de
Der Ludwigspark in Saarbrücken wird renoviert

Im DFB-Pokal schreibt der 1. FC Saarbrücken in diesem Jahr eine einmalige Erfolgsgeschichte. Zuvor war das Bundesliga-Gründungsmitglied für viele Jahre in der Versenkung verschwunden.

Ob Gerd Müller, Sepp Maier oder Franz Beckenbauer, sie alle erlebten im altehrwürdigen Ludwigspark des 1. FC Saarbrücken die größte Sternstunde des saarländischen Fußballs hautnah. Die drei Weltmeister waren am 16. April 1977 mit den Bayern als amtierender Europapokalsieger der Landesmeister ins Saarland gereist und kassierten mit einem 1:6 eine der höchsten Pleiten ihrer Karriere. Doch diese glorreiche Zeit des 1. FC Saarbrücken gehört lange der Vergangenheit an. Das Bundesliga-Gründungsmitglied von der Saar verschwand über Jahre in den Niederungen des Amateurfußballs.

Letztmals spielte der Klub 1993 in der Bundesliga, 2005/06 bestritt er seine letzte Zweiligasaison - doch nach Jahren in der Versenkung meldete sich der FCS in dieser Spielzeit mit einem großen Knall zurück. Als erster Viertligist erreichte er das Halbfinale im DFB-Pokal und wies dabei je zwei Erst- und Zweitligisten in die Schranken. Es könnte nach langem Abwärtstrend eine entscheidende Kehrtwende in der Geschichte des 1. FC Saarbrücken sein.

Vor der Gründung der Bundesliga gehörte der FCS stets zu den Spitzenteams in Deutschland. 1943 und 1952 erreichte er sogar jeweils das Finale um die Deutsche Meisterschaft, musste sich letztlich aber dem Dresdner SC und dem VfB Stuttgart geschlagen geben. Entsprechend gehörte der Verein auch zum erlesenen Kreis der 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga, stieg aber als Tabellenletzter direkt im ersten Jahr sang- und klanglos ab.

Unter Trainerlegenden wie Hans Tilkowski, Uwe Klimaschewski oder Klaus Schlappner entwickelte sich der Verein in Folge zum klassischen Fahrstuhlklub zwischen erster und zweiter Liga. Zum Schlüsseljahr wurde dann die Bundesligasaison 1992/93. Die Mannschaft des damaligen Trainers Peter Neururers verlor die letzten neun Partien in Serie und stürzte aus der ersten Tabellenhälfte noch auf den letzten Platz ab. Der Anfang eines andauernden Abwärtstrends.

Nach dem erstmaligen Absturz in die Drittklassigkeit im Jahr 1995 kehrte Saarbrücken zwar noch zweimal in die 2. Bundesliga zurück, wirklich etablieren konnte sich der Klub in den beiden obersten Profiligen aber nicht mehr. Stattdessen ging der Weg des 1903 gegründeten Traditionsvereins zwischenzeitlich sogar bis hinunter in die Oberliga. Zuletzt kämpfte der FCS insgesamt fünf Jahre vergebens um den Aufstieg in die 3. Liga und scheiterte dabei gleich zweimal knapp in der Relegation.

Doch nicht nur im Pokal schaffte der FCS nun den Sprung zurück auf die große Bühne, auch im Ligabetrieb gibt es Licht am Ende des Tunnels. Nach dem Saisonabbruch der Regionalliga Südwest wurden die Saarbrücker als Tabellenführer zum Aufsteiger in die 3. Liga erklärt. Wenn fortan alles nach Plan läuft, könnten die Malstatter pünktlich zur Rückkehr in die Profispielklassen nach jahrelangen Bauarbeiten sogar in ihre Heimat Ludwigspark zurückkehren.

Der Anfang für eine bessere Zukunft des 1. FC Saarbrücken und damit wohl des gesamten saarländischen Fußballs sollte damit sowohl sportlich als auch infrastrukturell gemacht sein. Denn wie sagte FCS-Torwartlegende Dieter Ferner einst so schön der Saarbrücker Zeitung: "Das Saarland ist ein schlafender Riese, der nur energisch geweckt werden muss."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
DFB-Pokal DFB-Pokal
Anzeige
Anzeige