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Halbfinalsieg wäre "wie die Wiedergeburt Jesu Christi"

08.06.2020 14:55
Lukas Kwasniok träumt von einem weiteren Pokalwunder
© Jan Huebner/Mohr via www.imago-images.de
Lukas Kwasniok träumt von einem weiteren Pokalwunder

Viertligist 1. FC Saarbrücken will sein Pokal-Märchen gegen Bayer Leverkusen fortsetzen. Ein Finaleinzug der Saarländer wäre die wohl größte Sensation in der Geschichte des deutschen Fußballs.

Es waren bereits vier Siege für die Ewigkeit, doch nun wittert der 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal das größte Wunder in der Geschichte des deutschen Fußballs. Ein Viertligist im Finale und das unter diesen Umständen, dass wäre wie die "Wiedergeburt Jesu Christi", sagte FCS-Trainer Lukas Kwasniok dem "SID". Angesichts der fehlenden Spielpraxis, wenig Training und eines leeren Stadions erscheint ein Erfolg im Halbfinale am Dienstag (20:45 Uhr) gegen Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen utopisch.

"Wenn man ehrlich ist, haben wir keine Chance", sagte Mittelfeldspieler Tobias Jänicke dem "SID": "Aber das ist ein Halbfinale. Wenn man da steht, dann will man natürlich auch ins Finale und die verschwindend geringe Chance nutzen." Auch Kwasniok gibt sich kämpferisch. "Die Chance ist bei einem Prozent. In 99 von 100 Spielen werden wir nicht als Sieger vom Platz gehen. Aber der 9. Juni kann ein ganz besonderer Tag werden. Wir wollen ihn zu einem Feiertag machen im Saarland", sagte der Coach dem "Saarländischen Rundfunk".

Für dieses Vorhaben hat der gebürtige Pole seit Wochen an einem "Schlachtplan" gefeilt. "Der wird in die Richtung gehen, dass wir einfach voller Überzeugung unser eigenes Tor verteidigen. Wir wollen eine Schlacht liefern und dem Gegner den Willen rauben, gegen uns ein Tor zu erzielen", sagte der ehemalige Jenaer: "Wir müssen in die Köpfe des Gegners. Wir müssen das Spiel so gestalten, dass die Leverkusener vom Platz gehen und sagen, dass war der widerlichste Gegner der Saison."

Peter Bosz nimmt seine Stars in die Pflicht

Sorgen bereitet ihm nach dem vorzeitigen Abbruch der Regionalliga Südwest allerdings die fehlende Wettkampfpraxis, das letzte Pflichtspiel ist für den ersten Viertligisten im Halbfinale des DFB-Pokals am Dienstag bereits 94 Tage her. "Wir werden uns in den ersten 15 Minuten an das Gefühl gewöhnen müssen, überhaupt wieder ein Spiel zu haben", erklärt Kwasniok. Doch dieser Nachteil soll ebenso wenig eine Rolle spielen wie der spätere Trainingseinstieg. "Es gibt keine Ausreden", sagt Kwasniok klar: "Wenn du etwas Historisches erreichen und dich als Spieler in einer Stadt oder Region unsterblich machen willst, dann spielt es keine Rolle, ob du dann vier oder fünf Spiele in den Knochen hast."

Als kleiner Vorteil bleibt allerdings trotz der fehlenden Fans, die auf dem historischen Siegeszug gegen Jahn Regensburg, den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf noch ein "Faustpfand" (Jänicke) waren, aber die Dorfplatzatmosphäre in Völklingen. "Vielleicht ist es sogar noch ein bisschen schlimmer, wenn gar keine Zuschauer da sind. Wir müssen es zu unserem Vorteil nutzen, dass das keine Arena ist, wie sie die Leverkusener kennen", sagte Viertelfinal-Torschütze Jänicke.

Für Bayer dürfte es drei Tage nach dem Spitzenspiel in der Bundesliga gegen Bayern München (2:4) tatsächlich die größte Herausforderung werden, sich in diesem Ambiente gegen einen scheinbar klar unterlegenen Gegner zu motivieren. Doch Trainer Peter Bosz, dem Topstar Kai Havertz weiter mit muskulären Problemen fehlt, duldet bei aller Überlegenheit keine Nachlässigkeiten. "Pokalfinale!", antwortete der Niederländer kurz und knapp auf die Frage nach der Motivation für seine Spieler: "Dass man mit einem Spiel ins Endspiel kommen kann, das muss für jeden Spieler etwas Besonderes sein. Das muss reichen."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Saarbrücken: Batz - Schorch, Zellner, Uaferro - Barylla, Zeitz, Perdedaj, Müller - Jänicke, Jacob - Jurcher - Trainer: Kwasniok
Leverkusen: Hrádecky - Weiser, Tah, Tapsoba, Wendell - Amiri, Demirbay - Wirtz, Paulinho, Diaby - Alario. - Trainer: Bosz

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