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Bielefeld, Nürnberg und die zwei Fahrstühle

05.06.2020 11:37
Während Bielefeld um den Aufstieg kämpft, hofft der FCN auf den Klassenerhalt
© Sportfoto Zink / Daniel Marr via www.imago-images.
Während Bielefeld um den Aufstieg kämpft, hofft der FCN auf den Klassenerhalt

Wenn die Beatles kommen, wirft Hans-Jürgen Laufer im Auto die Stimmbänder an. "Hach, die sind es einfach für mich", sagt der Präsident von Arminia Bielefeld am Freitag, und mit seiner ganzen Expertise hält er zielsicher fest: "She loves you - das passt zur Arminia am besten." Yeah, yeah, yeah.

Momentan fühlt sich Laufer wie auf einer Wolke. Die Arminia ist Tabellenführer der 2. Liga und steht ganz kurz vor ihrem achten Bundesliga-Aufstieg, die Frauen haben es gerade als Zweitligist ins Pokal-Halbfinale geschafft. Also: "Der Präsident ist überglücklich. Wer jetzt nicht zufrieden ist, dem muss man mal den Puls fühlen."

Bevor sich am Samstag aber der kriselnde 1. FC Nürnberg auf der Alm vorstellt, zum Duell der Rekordaufsteiger (Nürnberg 8, Bielefeld 7) und Rekordabsteiger (Nürnberg 9, Bielefeld 7), hat er auch ein (Luxus-)Problem. "Eine offiziell genehmigte Aufstiegsfeier können wir ausschließen", sagt Laufer wehmütig. Seine Sorge: "Die Fans werden definitiv in die Stadt kommen. Das kann niemand verhindern. Die unterdrückten Emotionen durch das Nicht-im-Stadion-sein müssen dann irgendwie raus."

Nürnberg zittert um den Klassenerhalt

Dies in die richtigen Bahnen zu lenken, könnte angesichts des Bielefelder Sieben-Punkte-Vorsprungs auf den dritten Platz beinahe die schwierigere Aufgabe sein. Wie gerne sie solche Sorgen doch beim Gegner hätten!

Der Club, der für den Franken bekanntlich "a Depp" ist, für den das Wort Fahrstuhlmannschaft erst erfunden wurde, steht vor dem Sturz in die Drittklassigkeit - erstmals seit dem Abstieg in die Regionalliga Süd 1996. Das Hinspiel war für den FCN im einzigen Spiel unter Marek Mintal ein 1:5-Drama mit drei Gegentoren zwischen der 10. und 15. Minute.

Zwei Punkte Vorsprung sind es auf den Relegationsplatz 16, und wer sich vorstellen mag, dass es in Bielefeld für die schlechteste Abwehr der Liga (49 Gegentore) wenig zu holen geben wird, kann die Lage als dramatisch ansehen. "Die Ergebnisse stimmen nicht", sagt Trainer Jens Keller, der in der Vorsaison schon beim Versuch gescheitert war, den FC Ingolstadt zu retten. Nichts geht wirklich voran, der Club spielt 1:1, 2:2, 0:0, immerhin, ja, aber doch ist es keine Befreiung. "Wir korrigieren viel", berichtet Keller.

Was die Nürnberger sich mühsamst erkämpfen müssen, scheint der Arminia teilweise in den Schoß zu fallen - wie zuletzt beim späten Siegtreffer bei Holstein Kiel. Nur eines der vergangenen 20 Spiele ging verloren. Um bei den Beatles zu bleiben: Here comes the sun. Dem FCN lässt sich hingegen 2020 nur ein Song zuweisen: "Help!"

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