Anzeige
powered by n-tv

"Es ist zum Fremdschämen"

Schalke entschuldigt sich für peinliches Ticket-Schreiben

03.06.2020 22:13
Der FC Schalke hat mal wieder für Kopfschütteln gesorgt
© Thomas Pakusch via www.imago-images.de
Der FC Schalke hat mal wieder für Kopfschütteln gesorgt

Wer sein Geld für nicht nutzbare Bundesliga-Tickets zurückfordert, soll dem FC Schalke seine finanzielle Notlage offenlegen. Mit einem entsprechenden Schreiben bringt der klamme Fußballklub seinen Anhang gegen sich auf. Rechtlich sind die Königsblauen zwar auf der sicheren Seite. Dennoch entschuldigte sich der Verein am Mittwoch offiziell bei seinen Fans.

Neben der sportlichen Tristesse beim FC Schalke - elf Spiele ohne Sieg, Letzter in der Rückrundentabelle - droht dem Revierklub jetzt auch noch Ärger mit dem eigenen Anhang. Denn nur weil etwas rechtlich zulässig ist, muss es nicht auch gleich angemessen sein oder gar auf Zustimmung treffen.

Diese Erfahrung machen die Königsblauen gerade, die offenbar zahlreiche ihrer Anhänger vor den Kopf stoßen mit einem Schreiben zur Rückerstattung von bereits bezahlten, aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht nutzbaren Eintrittskarten. "Ihr fahrt den Verein mit Ansage gegen die Wand. Sportlich. Wirtschaftlich. Es ist zum Fremdschämen", schrieb Raphael Brinkert, lnhaber einer Sportmarketing-Agentur, auf Twitter. Was war passiert?

FC Schalke fordert "Härtefallantrag" von seinen Fans

Aufgrund der Geisterspiele mussten alle Fußball-Bundesligisten einen Weg finden, ihre Fans für die gekauften, aber eben nicht einlösbaren Tickets zu entschädigen. Manche überwiesen den Eintrittspreis ohne große bürokratischen Anstrengungen zurück, andere ermöglichten Gutschriften für zukünftige Ticketkäufe, auch Gutscheine für den Fanshop waren eine Option.

Der FC Schalke 04 aber entschied sich für die dem Gesetz nach zulässige Variante, wie der "kicker" schreibt, "dass ein Karteninhaber sein Geld vor dem 1. Januar 2022 nur dann verpflichtend zurückbekommt, wenn er dringend darauf angewiesen ist, zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit."

Wer diese Regelung der sofortigen Auszahlung für sich in Anspruch nehmen möchte, soll den als "Härtefallantrag" überschriebenen Bogen ausfüllen. Und die dort formulierte Frage stößt vielen wohlgesonnenen Schalke-Fans sauer auf. Denn der Verein fragt: "Warum benötigst du das Geld unbedingt jetzt?" und "falls möglich, füge bitte auch entsprechende Belege an". Eine einfache Antwort, dass das Geld eben dringend benötigt werde, scheint nicht auszureichen.

Welche Belege - ob Kontoauszüge, Bescheinigungen über die Arbeitslosigkeit oder ähnliches - der Verein wünscht, steht nicht auf dem Antrag.

Schalke entschuldigt sich

Der "WAZ" zufolge ist das Formular rechtlich zulässig, sie beruft sich dabei auf Thomas Bradler, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Es genüge den Anforderungen der gesetzlichen Gutscheinregelung, allerdings sei Anforderung von Belegen gleich im Zuge der Antragstellung "nicht gerade kundenfreundlich". Der Verbraucher müsse zwar nachweisen, dass er dringend auf das Geld angewiesen sei, in dieser Form scheint das jedoch unüblich.

Entsprechend harsch fällt das Urteil vieler Fans aus, die sich in sozialen Netzwerken Luft machen. Auch der FC Schalke 04 Supporters Club e.V. kritisierte den Klub scharf. "Ihr seid nicht die Schufa, ihr seid keine Bank die Kredite vergibt, ihr seid nicht die AfA (Agentur für Arbeit, Anm. d. Red) und zahlt Hartz IV aus! Welches Recht nehmt ihr euch eigentlich heraus? IHR seid die Bittsteller! IHR seid die Bettler!", hieß es in einem offenen Brief, der mit den Worten endete: "Shame on you! Ihr seid nur noch peinlich!"

Am späten Mittwochabend dann äußerten sich die Königsblauen in Form einer offiziellen Stellungnahme. Darin heißt es, es stehe außer Frage, dass Schalke 04 jeden Rückerstattungs-Antrag wohlwollend bearbeiten werde. "Es wird niemand Belege einreichen müssen, und es wird selbstverständlich niemand 'kontrolliert'."

Für die Wortwahl in dem Schreiben entschuldigte sich der Klub: "In den Anschreiben an Fans und dem darin aufgeführten 'Härtefallantrag' hat Schalke 04 unpersönliche und wenig empathische Formulierungen verwendet – dafür entschuldigen sich der Verein und die Mitarbeiter des Service Centers bei allen Fans in aller Form. Das hätten wir besser formulieren können und müssen."

Torben Siemer

© n-tv
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Bundesliga Bundesliga
Anzeige
Anzeige