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Ski-Hammer! XXL-Abfahrt vom Matterhorn nach Italien geplant

22.05.2020 13:19
Das Klein Matterhorn soll 2022 Start eines Ski-Weltcups nach Italien werden
© dpa
Das Klein Matterhorn soll 2022 Start eines Ski-Weltcups nach Italien werden

Die legendären Lauberhornrennen in Wengen stehen auf der Kippe: Grund ist ein Streit ums Geld zwischen dem Schweizer Verband und den Organisatoren. Zugleich plant Zermnatt eine neue Rekordabfahrt.

Die Kulisse ist einzigartig, für ein Skirennen allemal. Unterhalb der alpinen Dreifaltigkeit aus Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland schlängelt sich die legendäre Lauberhornabfahrt hinab nach Wengen. Die Strecke ist gut 4,5 kraftraubende Kilometer lang und eine imposante Bühne für die Schussfahrer, die unter anderem über den Hundsschopf fliegen oder mit Tempo 160 durch den Abschnitt Langentrejen rasen. Bereits seit 1930 werden dort Rennen ausgetragen.

Die Lauberhornabfahrt hat in der Schweiz den Status eines nationalen Heiligtums, der Tag der Abfahrt ist folglich ein nationaler Feiertag, an dem sich gut und gerne 35.000 Jünger hineinzwängen in die 1893 eröffnete Zahnradbahn, die sie auf den Berg bringt. Auch die Skirennläufer und ihre Betreuer müssen jedes Jahr mit Sack und Pack die gelb-grünen Waggons der Wengernalpbahn besteigen, um hinaufzuzuckeln in das nur 1100 Einwohner zählende autofreie Wengen.

Nun allerdings stehen die Lauberhornrennen, bestehend aus der Kombination am Freitag, der legendären Abfahrt am Samstag und dem Slalom am Sonntag am Männlichen, auf der Kippe - ausgelöst durch einen aberwitzig erscheinenden Streit ums Geld zwischen den Organisatoren in Wengen und dem Schweizer Skiverband Swiss Ski. In dieser Woche hat der nationale Verband tatsächlich beim Weltverband FIS beantragt, die Rennen am Lauberhorn aus dem Kalender für die Saison 2021/22 zu streichen.

Genau genommen vergibt die FIS die Rennen an die Verbände, die wiederum geeignete Orte zum zugesprochenen Termin auswählen. Den Etat des OK in Wengen von umgerechnet 8,1 Millionen Euro hat Swiss Ski zuletzt mit 2,4 Millionen Euro bezuschusst, ein Minus ist dennoch immer geblieben. Das OK in Wengen verlangt eine Erhöhung des Zuschusses um eine Million Franken (ca. 940.000 Euro) pro Jahr. Der Verband weigert sich.

Ski-Weltcup ohne Wengen unvorstellbar

Der Ski-Weltcup ohne den Klassiker Wengen, der ein wenig aus der Zeit gefallen scheint und gerade deswegen so einzigartig ist? Unvorstellbar. "Die FIS will Wengen sicher nicht als Weltcup-Austragungsort verlieren", sagte der noch amtierende FIS-Präsident Gian Franco Kasper, alle anderen Überlegungen seien "Blödsinn". Der Schweizer meint damit auch angebliche Überlegungen, den Wengener Termin an Zermatt zu vergeben.

Im legendären Wintersportort im Wallis gibt es in der Tat Pläne für eine Abfahrt vom Kleinen Matterhorn in der Schweiz hinunter nach Cervinia im italienischen Aostatal. Länge: fünf Kilometer. Franz Julen, Präsident der Bergbahn AG, sagte in der Neuen Zürcher Zeitung: "Wir wollen dieses Rennen - und wir werden alles dafür tun." Er betonte aber auch: "Der Weltcup ohne Wengen - das wäre ein Eigentor des Skisports."

Julen will sein Rennen ohnehin zum Saisonauftakt ausrichten, im November, in zwei Jahren soll Premiere sein. "Wir stehen voll und ganz hinter dem Projekt", sagte der im Herbst aus dem Amt scheidende Kasper. Start wäre auf einer Höhe von 3899 m, die Strecke würde am Großen Matterhorn vorbeiführen - eine Kulisse, nicht minder spektakulär als jene in Wengen.

Spannend wird sein, wie sich Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann in der ganzen Sache weiter verhält: Der Abfahrts-Weltmeister von 1993 will im Herbst Nachfolger seines Landsmanns Kasper bei der FIS werden.

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