Anzeige

Quarantäne-Trainingslager, Geister-Derby und Personalsorgen

BVB im Restart-Check: Bayern-Jäger mit Problemen

16.05.2020 11:30
Der BVB muss im Derby gegen Schalke 04 auf Axel Witsel und Emre Can verzichten
© sport.de/imago images
Der BVB muss im Derby gegen Schalke 04 auf Axel Witsel und Emre Can verzichten

Die Gala-Form in der Bundesliga, das Angsthasen-Aus in der Champions League: Vor der Spielunterbrechung in Folge der Corona-Krise zeigte Borussia Dortmund zwei Gesichter. Seit nunmehr zehn Wochen bestritt der BVB kein Pflichtspiel mehr, jetzt wartet mit dem FC Schalke 04 im "ungewöhnlichsten Derby der Geschichte" (OT Sebastian Kehl) ein echter Kracher. Mehr Feuerprobe geht kaum.

Wie lief die besondere Vorbereitung, was macht Hoffnung, was macht Sorgen? sport.de macht den BVB-Rest-Rückrundencheck.

  • Das Restprogramm

26. Spieltag: FC Schalke 04 (H), Samstag ab 15:30 Uhr im sport.de-LIVE-Ticker
27. Spieltag: VfL Wolfsburg (A)
28. Spieltag: FC Bayern München (H)
29. Spieltag: SC Paderborn (A)
30. Spieltag: Hertha BSC (H)
31. Spieltag: Fortuna Düsseldorf (A)
32. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 (H)
33. Spieltag: RB Leipzig (A)
34. Spieltag: TSG Hoffenheim (H)

  • Die Quarantäne-Vorbereitung

Die BVB-Profis trainieren bereits seit dem 31. März - zunächst unter den gegebenen Sicherheitsmaßnahmen in Zweiergruppen, später auch zu viert. Umziehen und duschen mussten sich die Spieler zuhause. Am 6. Mai folgte dann die Rückkehr zum Teamtraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Kurz vor dem Bundesliga-Restart ergeben sich neue Herausforderungen. So sehen die DFL-Bestimmungen beispielsweise vor, dass sich die gesamte Mannschaft in ein Quarantäne-Hotel begibt.

Deswegen hat der BVB am Samstagabend das Teamhotel "l'Arrivée" im Dortmunder Süden bezogen. Von dort sind es runde 15 Kilometer bis zum Trainingsgelände, An- und Abreise werden in Kleingruppen per Shuttle-Bus organisiert.

"Wir leben das Hygiene-Konzept der DFL", bekannte der Sportliche Leiter Michael Zorc am Donnerstag. Lizenzbereichsleiter Sebastian Kehl erklärte im Interview mit "Welt", dass sich das Team mittlerweile an alle ergriffenen Maßnahmen gewöhnt habe.

Am Mittwoch trainierten die Schwarz-Gelben erstmals im leeren Stadion und simulierten die Abläufe eines regulären Bundesliga-Spiels inklusive Einlaufmusik. Um auch mental (unter anderem auf die gespenstige Stimmung) bestens vorbereitet zu sein, wurde mit Ex-BVB-Keeper Dr. Philipp Laux zusätzlich ein Sportpsychologe ins Team geholt.

Dennoch gleicht das Revierderby gegen Schalke 04 am Samstagnachmittag einem Kaltstart. "Keine Mannschaft", stellte Trainer Lucien Favre klar, "wird top-bereit sein".

  • Das Personal

Besonders der Ausfall des Mittelfeld-Duos Axel Witsel und Emre Can bereitet dem BVB Bauchschmerzen. Beide Leistungsträger laborieren an muskulären Problemen, halten sich nicht im Teamhotel auf und stehen damit am Samstag nicht zur Verfügung.

Delaney steht gegen Schalke vor seinem BVB-Comeback
Delaney steht gegen Schalke vor seinem BVB-Comeback

Diese Lücke könnte der frisch genesene Thomas Delaney füllen. Der Däne stand für den BVB letztmals im Oktober auf dem Platz - beim Hinrundenspiel auf Schalke.

Des Weiteren sind Nico Schulz (Muskelprobleme) und Dan-Axel Zagadou (Außenbandverletzung im Knie) außen vor. Auch Kapitän Marco Reus ist wegen seiner Adduktoren-Verletzung "für Samstag leider noch kein Thema", wie Kehl am Montag der "WAZ" bestätigte. Nach eigener Aussage ist Reus "gut im Reha-Plan" und möchte noch im Mai zurückkehren.

Ein kleines Fragezeichen stand hinter dem Einsatz von Manuel Akanji. Der Verteidiger wurde am Wochenende zum ersten Mal Vater und stieß erst am Sonntagabend zum Team - gerade noch rechtzeitig, um die Quarantäne-Bestimmungen der DFL zu erfüllen.

Die Dortmunder kamen außerdem einer weiteren Empfehlung des Ligaverbandes nach und beorderten gleich neun Nachwuchsspieler in die Profi-Mannschaft, um frühzeitig auf einen möglichen positiven Corona-Test reagieren zu können.

  • Was macht Hoffnung?

Vor der Corona-Pause präsentierte sich der BVB in starker (Bundesliga-)Verfassung. Aus den letzten acht Liga-Spielen holte die Favre-Elf 21 Punkte, die einzige Niederlage setzte es in Leverkusen (3:4). Durch diesen Zwischensprint ist Dortmund mittlerweile wieder erster Bayern-Verfolger.

Hoffnung macht ebenso die längst nicht aussichtslose Lage im Rennen um die Meisterschaft. Lediglich vier Punkte trennen die Schwarz-Gelben vom Rekordmeister, das richtungsweisende direkte Duell steigt während der englischen Woche am 26. Mai.

Abseits der Top-Spiele gegen den FC Bayern und RB Leipzig (33. Spieltag) steht der BVB vor einem machbaren Restprogramm. Dennoch kein Selbstläufer: "Es wird ein sehr hohes Maß an Eigenmotivation und Gruppendynamik erforderlich sein, um Erfolg zu haben und unsere Ziele zu erreichen", erklärte Zorc den "Ruhr Nachrichten".

  • Was bereitet Sorgen?

Fünf Heimspiele bestreitet der BVB noch, fünf Mal bleibt die Untersützung der mehr als 80.000 Fans im Signal Iduna Park aus. "Sich mental darauf vorzubereiten, vor einer leeren Südtribüne zu spielen, ohne Anfeuerung aus dem Stadion und ohne von der Stimmung gepuscht zu werden, ist schon eine extreme Herausforderung", gab Favre gegenüber der "Bild" zu bedenken.

Der Trainer bezeichnete die Geisterspiele als "kleinen Nachteil" - besonders schmerzt das am bevorstehenden Samstag. "So ein Derby ohne Zuschauer - da blutet einem das Herz", sagte Zorc.

Erfahrungen vor leeren Rängen sammelte die Mannschaft bereits Anfang März, als der BVB in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (0:2) die Segel strich.

Auch im DFB-Pokal sind die Borussen seit der 2:3-Pleite bei Werder Bremen nicht mehr vertreten. In den Alles-oder-Nichts-Spielen gab Dortmund in diesem Jahr keine gute Rolle ab.

  • Die Prognose

Sebastian Kehl hat es auf den Punkt gebracht: "Es wird nicht darauf ankommen, wer die größere Qualität im Kader hat, sondern darauf, wem es am besten gelingt, sich auf das Spiel und die ungewohnte Situation einzulassen und die größte Teamdynamik zu entwickeln."

Dem BVB ist allemal zuzutrauen, diese beiden Herausforderungen zu meistern und das Titel-Abonnement des FC Bayern zu durchbrechen. Den Grundstein dazu können die Schwarz-Gelben im Revierderby legen.

Fest steht aber auch: Ausrutscher sind nahezu verboten. Dortmund braucht ungeachtet der besonderen Umstände eine perfekte Rest-Rückrunde, um das Meisterschaftsziel ernsthaft in Angriff zu nehmen.

Tom Kühner

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Bundesliga Bundesliga
Anzeige
Anzeige