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Trotz zehn Coronafällen

"Zweck erfüllt": DFL sieht sich im Hygienekonzept bestätigt

04.05.2020 16:17
Die DFL hat die Ergebnisse der ersten Corona-Testwelle bekannt gegeben
© Jan Huebner/Blatterspiel via www.imago-images.de
Die DFL hat die Ergebnisse der ersten Corona-Testwelle bekannt gegeben

Am Mittwoch will die Politik endlich die Entscheidung über Geisterspiele im deutschen Profifußball fällen. In 1724 Untersuchungen in der ersten Testreihe gab es allerdings zehn positive Coronafälle.

Zehn positive Coronafälle bei 1724 Analysen - trotzdem zieht die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein positives Fazit der ersten Reihentestung in der 1. und 2. Bundesliga. "Die in den vergangenen Tagen erfolgten Tests haben ihren Zweck erfüllt, für zusätzliche Sicherheit zu sorgen und so die Spieler bestmöglich vor Ansteckung im Mannschaftstraining oder Spielbetrieb zu schützen", teilte die DFL mit.

Nach den drei bekannten Fällen beim Bundesligisten 1. FC Köln gab es also noch sieben weitere positive Fälle in den Ligen eins und zwei. Keine Überraschung für die DFL, die bei ihrem Konzept für einen Restart der Profiligen mit ähnlichen Ergebnissen gerechnet hatte. Etwas mehr als 0,5 Prozent der Tests wiesen das Virus nach.

Und es gab auch Positives zu vermelden: Die zweite Testung beim FC brachte ausschließlich negative Ergebnisse, und der SC Paderborn gab nach ebenfalls negativen Ergebnissen bei der zweiten Testreihe den Einstieg ins Mannschaftstraining am Montagnachmittag bekannt. Bei einem Start ins Mannschaftstraining, der die Genehmigung der örtlichen Behörden erfordere, seien fortan "pro Woche zwei Tests in regelmäßigen Abständen vorgesehen", ergänzte die DFL in ihrer Mitteilung.

Alles soll dem großen Ziel untergeordnet werden - Saison-Restart am 15. Mai! Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs sollen am Mittwoch den 36 Profiklubs endgültig grünes Licht für die geplanten Geisterspiele geben. Im besten Fall rollt der Ball wieder in knapp anderthalb Wochen - und das womöglich sogar im Free-TV.

Rechteinhaber stehen in den Startlöchern

In einer vorbereitenden Telefonkonferenz sollen die Chefs der Staatskanzleien beraten haben, dass für die Zulassung von Geisterspielen eine Regelung gefunden werden müsse, Spiele auch im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Laut Bild soll sich die bayerische Staatskanzlei deswegen im engen Austausch mit den Fernsehsendern befinden. Hintergrund ist die Sorge vor Menschenansammlungen bei Fans mit einem Sky-Abonnement.

Der Rechteinhaber wollte die Möglichkeit, Spiele frei empfangbar auf dem eigenen Kanal zu zeigen oder Rechte an ARD und ZDF weiterzuverkaufen, zumindest nicht ausschließen. Man werde mit den Partnern Konzepte besprechen, teilte Sky mit, "wenn die Politik ihre Einschätzung publik gemacht hat".

Alle stehen in den Startlöchern und warten auf das "Go!" der Politik. Die Zeit drängt. Bis zum anvisierten Wiederanpfiff am übernächsten Wochenende hätten die Teams lediglich eineinhalb Wochen Zeit für Mannschaftstraining mit Körperkontakt. Nahezu alle Trainer hatten zuvor eine mindestens zweiwöchige Vorbereitung gefordert. Der 1. FC Köln will deshalb auch die Mannschaft zu einem Trainingslager in einem Hotel in der Kölner City zusammenziehen, sobald Merkel und Co. den Daumen gehoben haben.

Andere Teams wie RB Leipzig werden sich auf ihrem Trainingsgelände in Quasi-Quarantäne begeben. Man werde "womöglich hier auch übernachten. Das wird noch diskutiert", sagte Leipzigs Nationalspieler Marcel Halstenberg dem MDR.

Brisantes Kalou-Video sorgt für Aufsehen

Diskutiert wird auch weiter auf politischer Ebene. Sprecher Steve Alter bekräftigte am Montag die Haltung des Bundesinnenministers Horst Seehofer, dass auch Fußballprofis nach Kontakt mit Corona-Infizierten für 14 Tage isoliert werden müssen. "Das ist ein Prinzip, das für die gesamte Bevölkerung zur Anwendung kommt, und es gibt keinen Grund, warum das bei Fußballprofis anders sein sollte", sagte Alter. Das DFL-Hygienekonzept sieht angesichts der engmaschigen Tests bisher nur die Isolation positiv getesteter Profis vor.

In diesem Zusammenhang erwies Stürmer Salomon Kalou von Hertha BSC der Bundesliga am Montag einen Bärendienst: In einem selbst aufgenommenen Facebook-Livevideo ist der Ivorer dabei zu sehen, wie er auf dem Vereinsgelände und in der Kabine einige Mitspieler und Mitarbeiter des Klubs per Handschlag begrüßt.

So oder so: Der Profifußball wird weiter unter strenger Beobachtung stehen. Die Vorsitzende der Sportministerkonferenz (SMK), Anja Stahmann, forderte am Montag von der DFL "höchstmögliche Transparenz" - zeitgleich sickerte beim kicker eine Mail von DFL-Direktor Ansgar Schwenken an die Chefs der Profiklubs durch, dass "von eigenen Verlautbarungen abzusehen" sei.

Stahmann forderte zudem jene öffentliche Debatte, welche die DFL lieber im Keim ersticken möchte: die über eine mögliche Sonderrolle des Fußballs. "In der Öffentlichkeit sagen die Leute zu Recht", sagte die Bremer Sportsenatorin im Deutschlandfunk, "warum ein Geisterspiel und noch kein Gottesdienst? Warum sind die Spielplätze zu, aber Millionäre dürfen Fußball spielen?"

Und warum sollen die Spiele ohne Fans stattfinden? Das fragt sich vor allem die organisierte Fanszene, die sich am Montag über den Zusammenschluss "Unsere Kurve" erneut klar gegen Geisterspiele positionierte ("Spiele ohne Fans bleiben gespenstisch und unattraktiv") und Befürchtungen von Fan-Ansammlungen in Stadionnähe entschieden zurückwies ("Fans sind kein Sicherheitsproblem").

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