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Hohe Prämien und ein nicht abbezahltes Auto

Heynckes verrät: So sah mein erster Gladbach-Vertrag aus

04.05.2020 13:20
Jupp Heynckes hat in Gladbach und beim FC Bayern Spuren hinterlassen
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Jupp Heynckes hat in Gladbach und beim FC Bayern Spuren hinterlassen

Jupp Heynckes hat sowohl bei Borussia Mönchengladbach als auch beim FC Bayern deutliche Spuren hinterlassen. Wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag hat die Bundesliga-Legende verraten, wie er sein letztes Jahr als Trainer in München im stolzen Alter von 72 Jahren meisterte und außerdem enthüllt, wie sein erster Vertrag in Gladbach aussah.

"Als Junge wusste ich, was ich wollte. Als ich merkte, dass mir Fußballspielen Spaß machte, schoss ich stundenlang gegen die Hauswand, jonglierte im Hinterhof. Und als ich 1954 das WM-Finale in einem großen Saal sah, wollte ich wie Puskas werden", sagte Heynckes im "kicker".

Schon von Kindesbeinen an sei es sein Verlangen gewesen, Fußballer zu werden. "Ich tat alles dafür, schon in der Jugend bei Grün-Weiß Holt." Als er 17 wurde, habe ihn dann Borussia Mönchengladbach verpflichtet. 

"Mein Vater unterschrieb den Vertrag, 160 Mark im Monat plus Prämie, dazu ein Opel Rekord, beige mit blauem Dach", gewährte Heynckes einen Einblick. "Vom Autohaus Hackmann bekam ich aber nie den Kfz-Brief und fragte den Seniorchef nach dem Grund - die Borussia musste für den Wagen noch ein paar Raten zahlen."

Heynckes: "Das war die Geburt der Fohlenmannschaft"

In der Regionalliga habe er dann "1000 Mark netto im Monat wegen der vielen Prämien" verdient. "Wie stolz war ich, als ich Mutter die Lohntüte übergab. Es war ein Gefühl der Dankbarkeit, dass ich sie unterstützen konnte", blickte der heute 74-Jährige zurück.

"Und dann der Aufstieg, 1964/65, traumhaft. Plötzlich waren wir in Deutschland in aller Munde. 92 Tore erzielten wir in der Saison der Regionalliga West. Es war die Geburt der Fohlenmannschaft", so Heynckes.

Später trainierte der Angreifer nicht nur die Gladbacher, sondern auch den FC Bayern: Ein Intermezzo als Interimscoach eingeschlossen saß Heynckes gleich viermal auf der Bank des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

Heynckes: "So war ich beim FC Bayern fit und voller Power"

Neben dem historischen Triple, das er mit den Münchern im Jahr 2013 gewann, blieb auch seine Rückkehr aus dem Ruhestand im hohen Alter von 72 Jahren als Nachfolger des geschassten Carlo Ancelotti in der Saison 2017/2018 in Erinnerung.

"Als die Anfrage kam, war ich in sehr guter körperlicher Verfassung und hatte die Kraft für diese Aufgabe. Und es machte viel Spaß, diese jungen Menschen noch einmal zu begleiten", schaute Heynckes zurück.

"Was ich da noch investiert habe! Einige Hotelangestellte sagten mir, sie hätten nie einen derart disziplinierten und auf den Beruf fixierten Menschen erlebt", sagte der ehemalige Trainer und fügte an: "Anders hätte es nicht funktioniert. In diesem Alter kannst du abends nicht drei Stunden essen gehen und eine Flasche Wein trinken."

Uli Hoeneß habe ihn zwar immer wieder an den Tegernsee und auch zu Basketballspielen eingeladen, "aber ich musste regenerieren. So war ich bis zum letzten Tag fit und voller Power".

2013 gab es laut Heynckes "spannende Anfragen"

Er habe immer gewusst, dass er die Aufgabe schaffen könne, so Heynckes: "Aber es war die pure Selbstdisziplin und superprofessionelles Verhalten. In dieser Position musst du immer top sein und in jeder Sekunde das Geschehen beherrschen, sonst verlierst du Autorität und Respekt."

Ein weiteres Jahr wäre allerdings nicht mehr denkbar gewesen. Nicht nur, weil er es so mit seiner Frau vereinbart habe, sondern weil er "mit 73 Jahren nicht aus gesundheitlichen Gründen womöglich schwächeln oder gar aufgeben" wollte.

Anfragen von anderen Klubs habe es im Sommer 2018 nicht mehr gegeben. "Aber 2013, nach dem Triple, schon. Spannende und gute. Mehr sage ich nicht", hüllte sich Heynckes in Schweigen.

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