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Olympiaverschiebung bringt Biles ins Grübeln

30.04.2020 11:33
Beendet Simone Biles ihre Karriere vor den Spielen 2021?
© unknown
Beendet Simone Biles ihre Karriere vor den Spielen 2021?

Als ein schrilles Rasseln auf ihrem Handy die Eilmeldung von der Olympiaverschiebung begleitete, hockte Simone Biles nach dem Training gerade erschöpft in der Umkleidekabine. Zuerst kam die Schockstarre, dann liefen die Tränen. Und schiere Ratlosigkeit erfasste die 1,42 m kleine Ausnahmeturnerin vom Scheitel bis zur Sohle.

"Ich wusste nicht, was ich fühlen sollte. Ich saß einfach nur da und weinte", sagte die dreimalige Weltsportlerin des Jahres, nachdem sie sich wieder ein wenig gefangen hatte. Und doch: Noch immer ringt die bislang erfolgreichste Kunstturnerin der Geschichte darum, sich mental auf eine Verlängerung ihrer beispiellosen Karriere bis Sommer 2021 einzustellen.

Das brutal harte Training, die langsam zunehmende Zahl von kleineren Blessuren - all das wollte die Rekordweltmeisterin nach den Spielen von Tokio hinter sich lassen, einen Haken daran setzen. Nun gilt es für die US-Amerikanerin wegen der Folgen der Coronavirus-Pandemie weitere zwölf Monate durchzuhalten.

Motivation fällt schwer

Physisch, da ist sich die viermalige Olympiasiegerin ziemlich sicher, sei das kein Problem für sie. Aber mental sei sie derzeit noch nicht vollständig bereit dazu, sich dieser Herausforderung zu stellen. Biles: "Das empfinde ich schon als eine Last. Ich war darauf eingestellt, meinen Tank auf dem Weg nach Tokio schon in diesem Jahr leer zu fahren."

Denn im fernöstlichen Kaiserreich wollte sich die 23-Jährige auch auf der olympischen Bühne zur erfolgreichsten Gerätartistin in der Historie der fünf Ringe krönen. Nach vier Olympiasiegen 2016 in Rio de Janeiro plante Biles den Gewinn von allen sechs erreichbaren Goldmedaillen an. Sie würde damit die Ukrainerin Larissa Latynina, die zwischen 1956 und 1964 neun Olympiasiege für die Sowjetunion holte, übertrumpfen.

Mittlerweile ist die mit 25 WM-Medaillen dekorierte Sportlerin im heimischen Texas wieder im Training, doch ohne konkrete Aussichten auf ein Wettkampf-Comeback fällt die Motivation nicht leicht: "Körperlich, aber vor allem eben geistig."

Biles "gibt Turnen weltweit einen Schub"

Dafür bleibt wenigstens ein bisschen Zeit, um die weltweite Fan-Community zu bespaßen. Ein You-Tube-Video, bei dem sich Biles aus dem Handstand heraus binnen 55 Sekunden ihrer Trainingsleggings entledigt, löste im Netz große Begeisterung aus.

Aber der Jubel ihrer zumeist weiblichen Anhänger wäre noch viel größer, wenn das Jahrhundert-Talent sich seiner allerletzten olympischen Herausforderung tatsächlich stellen würde. Zweimal Mehrkampf-Gold bei Olympia (1964 und 1968) gelang bislang nur der 2016 im Alter von 74 Jahren verstorbenen tschechischen Kunstturn-Legende Vera Caslavska.

Und Biles verließe als ein Superstar dieser Spiele das internationale Turnpodium. Mit einer vollendeten Karriere und der Gewissheit, ihrem so geliebten Sport optimal gedient zu haben. Für diese schier grenzenlose Hingabe wird sie seit Jahren von der meist chancenlosen Konkurrenz fast schon verehrt.

"Was Simone zeigt, gibt dem Turnen weltweit einen Schub. Wenn man jemanden hat, der so viel Aufmerksamkeit erzeugt, tut das diesem Sport nur gut", sagte die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz. Biles sollte also einfach noch einmal nachtanken...

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