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Heute vor drei Jahren gab Klitschko sein letztes Hurra

Damals: Klitschkos epische Wembley-Schlacht gegen Joshua

29.04.2020 10:42
© KOENIG/Eibner-Pressefoto

Heute vor drei Jahren - 29. April 2017 - lieferten Anthony Joshua und Wladimir Klitschko den wohl besten Kampf der jüngeren Schwergewichts-Geschichte. Für Klitschko war das Duell mit seinem 14 Jahre jüngeren Thronfolger das letzte Hurra im Ring - und was für eins.

Trotz seiner Niederlage feierten ihn 90.000 Briten euphorisch. Besonders eine ganz spezielle Runde des legendären Schlagabtausches ist in Erinnerung geblieben:

Es war eine Runde für die Geschichtsbücher, dieser 5. Akt des epischen Generationen-Duells zwischen Altmeister Wladimir Klitschko und Weltmeister Anthony Joshua. 

Von schweren Treffern des 27-jährigen IBF-Champions auf die Bretter gezwungen und aus einer tiefen Schnittwunde über dem linke Auge blutend, kämpfte Klitschko wie ein verwundeter Löwe - ein Alphatier, das im Begriff ist, sein Revier an einen jungen Rivalen zu verlieren.

Mit linken Haken und rechten Geschossen keilte Klitschko vor 90.000 euphorisierten Engländern entschlossen zurück. Er signalisierte dem vor Kraft und Selbstsicherheit beinahe platzenden Joshua nicht nur seinen unerschütterlichen Kampfeswillen - er zeigte "das Herz eines wahren Champions", wie Box-Legende Roy Jones Jr. erkannte.

Neu entdeckter Aufwärtshaken

Klitschko überstand das Faust-Gewitter des Briten nicht nur. Als 'AJ' sich mit seinen auf Vernichtung ausgelegten Schwingern verausgabt hatte, übernahm 'Dr. Steelhammer' das Kommando.

Erst mit seinem legendären linken Haken, dann mit einem gewaltigen Uppercut - den man von Klitschko in all den vergangenen Jahren immer vermisst hatte - wendete der 41-jährige Altmeister das Blatt. Auf einmal hing Joshua in den Seilen.

So durfte sich der eben noch wie der sichere Sieger aussehende Brite glücklich schätzen, als die Glocke das Ende der Runde läutete. "Ein Klassiker der Schwergewichts-Geschichte", entfuhr es Box-Historiker Max Kellerman, der für die US-Kollegen von "HBO" am Seilgeviert saß.

Wie einst Holyfield und Bowe

Drei Minuten voller Schläge, in denen sich ein schon geschlagen scheinender Kämpfer aus dem Ringstaub erhebt und seinen Peiniger selbst in die Untiefen der Box-Hölle zwingt: Eine solche Dramaturgie hatte man zuletzt im November 1992 gesehen, als der von Riddick Bowe nur so durch den Ring geprügelte Evander Holyfield die Herrschaft über seine Beine zurückgewann und 'Big Daddy' mit einer schier irrsinnigen Energieleistung zum Ende des 10. Durchgangs seinerseits an den Rand der Niederlage brachte.

Die Runde gilt heute als eine der besten und spektakulärsten der Schwergewichts-Historie. Seit dem 29. April von Wembley hat sie dort Gesellschaft.

Was in London nach dem 5. Faustgang passierte, ist bekannt: Obwohl Klitschko den nicht minder aufopferungsvoll kämpfenden Joshua in der folgenden Runde mit einer krachenden Rechten auf die Bretter schickte, blieb ihm der Triumph beim Auswärtsspiel verwehrt.

Seinen Platz als einer der ganz Großen des Schwergewichts-Boxens hat der langjährige Regent der Königsklasse aber ironischerweise mit seiner vielleicht bittersten Niederlage zementiert. Dank einer großartigen Leistung, eines unbeugsamen Kämpferherzens - und einer schon jetzt legendären Runde.

Martin Armbruster

© RTL
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