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Dreiviertelmehrheit "deutlich überschritten"

HBL bricht Saison ab - THW Kiel feiert Meisterschaft

21.04.2020 17:28
Saisonabbruch in der HBL
© CB via www.imago-images.de
Saisonabbruch in der HBL

Die Handball Bundesliga (HBL) hat ihre Saison aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen. Deutscher Meister ist der THW Kiel. Dies legte die Liga nach einer virtuellen Mitgliederversammlung fest.

Die Spieler stießen nur kurz bei einer Videokonferenz an, die obligatorische Champagner-Dusche für den Trainer blieb aus: Emotionsloser hat der THW Kiel noch keinen seiner nun 21 Meistertitel gefeiert. "Nach einer richtigen Feier ist keinem zumute", sagte Sport-Geschäftsführer Viktor Szilagyi dem SID.

Nach dem Saisonabbruch der Handball-Bundesliga (HBL) ist der Rekordmeister zum ersten Corona-Champion ernannt worden - dank des eindeutigen Abstimmungsverhaltens der 36 Erst- und Zweitligisten. Die erforderliche Dreiviertelmehrheit für einen Abbruch ist laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann "deutlich überschritten" worden. Es habe nur "eine Gegenstimme" gegeben - diese dürfte von Bob Hanning gekommen sein.

"Aus sportlicher Sicht wäre es natürlich das Beste gewesen, die Saison fortzusetzen. Der Rahmen hat gesundheitlich, organisatorisch und wirtschaftlich aber nicht gepasst. Von den ungerechten Lösungen haben wir diese für die beste gehalten", sagte Bohmann und fügte an: "Es ist ein echter Schlag ins Kontor. Es ist ein hoher wirtschaftlicher Verlust." Der finanzielle Schaden wird auf rund 25 Millionen Euro geschätzt. Auch deshalb sprach DOSB-Präsident Alfons Hörmann von "einer weitreichenden und bitteren Entscheidung".

Der Vorschlag von Hanning fand hingegen keine Anhänger. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin hatte angeregt, alle 18 Erstligisten im Juni an einem Ort innerhalb kürzester Zeit die verbleibenden Spiele zu absolvieren. "Geisterspiele sind schwer zu organisieren für Mannschaften außerhalb des Fußballs. Das blöde Virus einzudämmen, wäre bei jedem Fortsetzungsszenario schwierig geworden", erklärte Bohmann.

Liga-Präsident Uwe Schwenker betonte, dass "ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt nicht mehr machbar" gewesen wäre, "da das Zeitfenster, das uns bis zum 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten". Der Abbruch sei daher zwar "sehr bitter, aber alternativlos". Hanning erklärte, dass es "eine für alle gerechte Lösung nie geben werde". Auf "einen Klageweg" werde er aber verzichten.

Flensburg sichert sich Champions-League-Ticket

Für Kiel ist es der erste Meistertitel seit 2015. "Wir nehmen das als Anerkennung für das gesamte Team, das Team rund um das Team und den gesamten Klub, als Bestätigung für die tolle Arbeit in dieser Saison", sagte Szilagyi: "Die Erinnerungen, alles, was wir in dieser Saison geleistet haben, kann uns keiner nehmen. Wir können alle stolz sein."

Der THW hat sich auch gemeinsam mit dem Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt für die Champions League qualifiziert. Der SC Magdeburg, die TSV Hannover-Burgdorf und die Rhein-Neckar Löwen spielen in der Euro League (ehemals EHF-Cup).

Bei der Wertung der Spielzeit entschied sich das Präsidium gegen eine Annullierung und für die Anwendung der Quotientenregel, die Tabellenführer Kiel als bestes Team der Saison 2019/20 ausweist. Absteiger wird es nicht geben, Aufsteiger sind HSC 2000 Coburg und TuSEM Essen. Die HBL startet mit 20 Klubs in die neue Saison, in der es vier Absteiger geben wird und die mit dem Supercup zwischen Kiel und Flensburg in der ersten Septemberwoche beginnen soll.

HBL fordert Unterstützung aus der Politik

"Wir müssen uns aber auch auf andere Szenarien vorbereiten", sagte Bohmann und prophezeite schwere Zeiten: "Die Krisenmanagement-Qualitäten müssen nach vorne gestellt werden. Jeder muss den Kopf über Wasser halten und die nächste Saison überleben. Existenziell entscheidend wird es nun sein, wann wir wieder in unseren Arenen vor Zuschauern spielen können."

Der Dauerkartenverkauf gestaltet sich schwierig, ebenso die Sponsorensuche. Großveranstaltungen sind mindestens bis zum 31. August verboten. Ob es danach wieder Spiele mit Zuschauern geben wird, ist völlig offen. Man werde befolgen, "was uns die Behörden vorgeben", so Bohmann, dem die Planungen für die neue Spielzeit "Kopfzerbrechen" bereitet.

Daher wünscht sich der HBL-Geschäftsführer Unterstützung aus der Politik. Es wäre schön, wenn sich die Politik den Sport hinter dem Fußball "vornehmen würde". Man brauche "vielleicht irgendwo die staatliche Unterstützung". Für diese Saison würde diese allerdings zu spät kommen.

 


Stimmen zum Abbruch

Uwe Schwenker (Liga-Präsident): "Natürlich hätten wir unsere Saison liebend gerne zu Ende gespielt. Dafür haben wir alles getan, aber die Corona-Pandemie lässt dies derzeit einfach nicht zu. Ein Wiedereinstieg zu einem noch späteren Zeitpunkt ist nicht mehr machbar, da das Zeitfenster, das uns bis zum 30. Juni bleiben würde, zu klein wäre, um den Spielern auch nur annähernd die Chance zu geben, sich im Trainingsbetrieb auf den harten Wettbewerb vorzubereiten. Das Verletzungsrisiko wäre zu groß. Deswegen ist der Abbruch der Saison sehr bitter, aber alternativlos."

Frank Bohmann (HBL-Geschäftsführer): "Nach sechs Wochen Corona-Krise bleibt unsere Situation sehr ernst. Dank eines sehr guten Krisenmanagements werden wir auch die kommenden Wochen meistern. Der Abbruch der Saison unterstreicht aber die große Bedrohung, in der wir uns mehr denn je befinden. Existenziell entscheidend wird es nun sein, wann wir wieder in unseren Arenen vor Zuschauern spielen können. Wir tun daher alles uns Mögliche, um die Corona-Krise in den Griff zu bekommen, damit die Politik möglichst zeitnah eine auch für uns praktikable Neubewertung vornimmt."

Bob Hanning (Geschäftsführer Füchse Berlin): "Der Beschluss der Liga ist gefasst, eine für alle gerechte Lösung wird es nie geben können. Wir haben nun noch die Möglichkeit, uns über den EHF-Cup für den Europapokal in der nächsten Saison zu qualifizieren."

Jennifer Kettemann (Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen): "In Anbetracht der aktuellen Situation ist ein Abbruch der Saison leider das einzig reelle Szenario. Die nun gefällte Entscheidung zur Wertung der Spielzeit ist diesen besonderen Umständen geschuldet. Als Rhein-Neckar Löwen stehen wir dahinter, wenngleich wir wissen, dass es eine absolute Notlösung ist."

Michael Häfner (Geschäftsführer von Aufsteiger HSC 2000 Coburg): "Wir haben unser Ziel auf einem Weg erreicht, den vor ein paar Monaten noch niemand vorhergesehen hat."

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34. Spieltag

Spielplan
Tabelle
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1THW KielTHW KielTHW Kiel262204782:65013244:8
    2SG Flensburg-HandewittSG Flensburg-HandewittFlensburg-H272025732:6478542:12
    3SC MagdeburgSC MagdeburgMagdeburg271917782:7176539:15
    4TSV Hannover-BurgdorfTSV Hannover-BurgdorfHannover-B.271647778:7364236:18
    5Füchse BerlinFüchse BerlinBerlin271719775:7235235:19
    6Rhein-Neckar LöwenRhein-Neckar LöwenRhein-Neckar261547729:6864334:18
    7MT MelsungenMT MelsungenMelsungen261529716:7001632:20
    8DHfK LeipzigDHfK LeipzigDHfK Leipzig2613112714:714027:25
    9HSG WetzlarHSG WetzlarWetzlar2712312754:754027:27
    10TBV Lemgo LippeTBV Lemgo LippeLemgo2712312765:768-327:27
    11Frisch Auf! GöppingenFrisch Auf! GöppingenGöppingen2611114679:684-523:29
    12TVB 1898 StuttgartTVB 1898 StuttgartTVB Stuttgart278514709:759-5021:33
    13Bergischer HCBergischer HCBergischer HC278415709:728-1920:34
    14HC ErlangenHC ErlangenErlangen279216695:739-4420:34
    15GWD MindenGWD MindenGWD Minden267415690:720-3018:34
    16HBW BalingenHBW BalingenBalingen276417741:818-7716:38
    17Die Eulen LudwigshafenDie Eulen LudwigshafenLudwigshafen276318639:702-6315:39
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