Anzeige
powered by RTL

Kommentar zum Wertewandel im Fußball

Bundesliga 2.0! Schluss mit dem Millionen-Irrsinn

21.04.2020 13:57
Geisterspiele könnten bald auch im Stadion des FC Bayern stattfinden
© Yannis Halas via www.imago-images.de
Geisterspiele könnten bald auch im Stadion des FC Bayern stattfinden

Der ersehnte Wiederanpfiff ist nur noch eine Frage der Zeit. Bayerns Landesvater Markus Söder (CSU) und NRW-Chef Armin Laschet (CDU) haben die Rote Karte zurückgenommen und ein deutliches Signal für alle Fußball Fans im Lande gesetzt. Geisterspiele ab dem 9. Mai sind denkbar.

Schade bloß, dass die Fans nur in die Röhre gucken können. Nur dabei statt mittendrin. So lautet der Kompromiss, der die angeschlagenen Fußball-Seelen versöhnen soll. Aber in diesen trostlosen und bedrückenden Corona-Zeiten wird dadurch wieder etwas Lebensfreude in die Wohnzimmer Fußball-Deutschlands eingehaucht.

Jubeln im Stillen vielleicht mit einem fußballbegeisterten Mitglied aus der Familie oder einem Mitbewohner. Die Leidenschaft und die Lautstärke werden sich wohl in Grenzen halten, aber es ist ein Aufbruch aus einer verzweifelten Lage in eine neue Form des Fußball-Erlebens.

Geisterspiele statt Meisterspiele

Gleichzeitig ein Erwachen der Profiklubs aus der ersten und zweiten Liga, denen damit die sportliche und wirtschaftliche Intensivstation erspart bliebe. Zumal sie wissen, dass die DFL die Millionen-Raten weiter bezahlen möchte. Erst einmal.

Ob es aber für ein wirtschaftliches Überleben auf längere Sicht ohne Fans im Stadion mit dem Verzicht auf Ticket-Einnahmen reicht, das ist die große Frage. Zumal auch hohe Einnahmen durch den Verkauf durch Fan -Artikel oder Werbeeinnahmen von Sponsoren in Gefahr sind.

Aber Deutschland braucht jetzt unbedingt ein wenig Opium fürs Volk. Diese Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden die Kimmichs, Reus' und Co. sicher nicht berauschen, aber die Profis werden wieder ihr Bestes geben und dürfen weiter mit regelmäßigen Gehaltsüberweisungen auf ihre prall gefüllten Konten rechnen. Ihre Kurzarbeit über 90 Minuten wird nicht mit 60 oder 67 Prozent des letzten Nettogehaltes abgegolten.

Wertewandel im Gange

Aber immerhin, und das zeigt den neuen Geist bei einigen Fußball Millionären -, sie verzichteten von sich aus auf Gehalt (manchmal auch auf Anweisung ) und gründeten Initiativen oder kreierten Projekte, um Spenden für diejenigen zu sammeln, die dieses Land vor dem gesundheitlichen Absturz retten. Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte und das gesamte medizinische Personal. Aber auch Verkäufer, Polizisten oder Müllarbeiter machen einen tollen Job - mittendrin trotz Risiko der Ansteckung.

Diese vorbildlichen Leistungen in Notsituationen haben den ein oder anderen Fußball-Millionär beeindruckt. Manche haben den eigenen Stellenwert relativiert. Denn sie spüren, für Nachhaltigkeit im Lande sorgen zur Zeit viele andere, nur nicht sie, die Kicker selbst. Hier ist zum Glück (Zeit wird es ) ein Wertewandel in vollem Gange.

Nicht der, der tolle Dribblings ansetzt oder Traumtore erzielt, ist der Held der Nation. Nein, der, der die hilflosen Corona-Kranken versorgt  und rundum betreut, der ist ein Retter, ein Held ein Vorbild. So hätte es eigentlich schon immer auch vor Corona bewertet werden sollen. Nun besteht die große Chance, das grundsätzlich zu ändern.

Schluss mit dem Millionen-Irrsinn

Nach dem erhofften Finalsieg gegen das Virus sollten die Teams im Sport und in der Gesellschaft neu auf Systemrelevanz überprüft werden. Die Verdienste der Helfer in der Not müssen deutlich angehoben werden. Die Spitzen-Gehälter im Fußball gehören dagegen unabdingbar reduziert und gedeckelt. Zwei Millionen Euro Jahressalär sollte genügen.

Die überteuerten Ticket-Preise müssen bezahlbarer werden. Die irrsinnigen Transfersummen von 50 Millionen Euro und mehr für vermeintliche Superstars müssen auf 20 Millionen begrenzt werden.

Auch die Deutsche Fußball Liga sollte bei bei der Rechtevergabe an TV Sender keine dreistelligen Millionen Beträge mehr abkassieren. Das ganze System gehört reloaded - Bundesliga 2.0.

Die schönste Nebensache der Welt

Das alles sind meine persönlichen, fußballromantischen Gedanken und Träumereien. Freuen wir uns jetzt erst mal auf den 9. Mai. Sollte dieser Tag der Moment des Wiederanpfiffes ohne Zuschauer sein, freuen wir uns auf die ersten Tore, die ersten Fehl- Entscheidungen und damit verbundenen großen Diskussionen.

Nicht in der Kneipe, aber wenigstens zu Hause. Live und in Farbe. Jubel-Apps, zu Hause runtergeladen, werden die Stille im Stadion aufmischen.

Klaus Jakob

© RTL
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Bundesliga Bundesliga
Anzeige

23. Spieltag

Spielplan
Tabelle
Anzeige