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Interna werden "gezielt nach außen getragen"

Verärgerter Neuer: "Kenne ich so nicht beim FC Bayern"

19.04.2020 07:52
Manuel Neuer ist Kapitän des FC Bayern München
© ULMER via www.imago-images.de
Manuel Neuer ist Kapitän des FC Bayern München

Kaum ein Thema polarisiert während der Spielbetriebspause der Fußball-Bundesliga derart, wie das über die Vertragsverhandlungen zwischen Manuel Neuer und dem FC Bayern München. Nun haben sich Manuel Neuer und dessen Berater Thomas Kroth zu Wort gemeldet - und sich äußerst irritiert gezeigt. Denn: Immer wieder gelangen Interna an die Öffentlichkeit.

Eigentlich, so Kroth im Doppel-Interview mit "Bild", wolle man zu laufenden Vertragsverhandlungen "nie etwas" sagen, "aber aktuell haben wir den Eindruck, dass da öffentlich ein Bild von Manuel entsteht, das einfach falsch ist". Übereinstimmenden Berichten zufolge stocken die Gespräche derzeit zwischen Klub und Spieler. Unter anderem sollen die Vorstellungen beim Jahresgehalt und bei der neuen Vertragslaufzeit weit auseinander liegen.

Neuer fordert angeblich einen Fünfjahresvertrag mit einem Gehalt von 20 Millionen Euro pro Jahr. "Diese Zahlen sind beide schlichtweg falsch", stellte Kroth unmissverständlich klar: "Ich kann klar sagen, dass wir in den Gesprächen, die ich mit Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn geführt habe, immer flexibel waren, was die Laufzeit betrifft." 

Das "Thema Gehalt" könne man hingegen nicht "auf eine Zahl" reduzieren, so der Spieleragent weiter. Dies sei "deutlich komplexer", es "gibt verschiedene Modelle, bei denen sowohl Laufzeiten als auch Gehalt flexibel sind und auch die aktuelle Corona-Krise" berücksichtigt werden.

Auch Neuer, für den Hansi Flicks Verlängerung "ein klares Signal" war, wies diese Angaben zurück. "Mir ist doch völlig klar, dass es utopisch ist, den Verein auf einen Fünfjahresvertrag, wie er angeblich im Raum steht, festzunageln. Mit 34 Jahren kann ich ja nicht absehen, wie es mir mit 39 Jahren geht. Darum macht diese Endgültigkeit, die öffentlich suggeriert wurde, ja überhaupt keinen Sinn", stellte er klar. Was er wolle, sei ein Vertrag, "bei dem der FC Bayern und ich eine Win-win-Situation haben, mit dem alle glücklich sind".

Neuer: "Das kenne ich so nicht beim FC Bayern"

Viel wichtiger als Gehalt und Laufzeit sei ohnehin die "Wertschätzung". Grundsätzlich spüre Manuel Neuer beim FC Bayern zwar seit dem Wechsel im Jahr 2011 von Schalke nach München die besagte Wertschätzung. "Was mich irritiert: Alle Gespräche, die ich seitdem hier hatte, wurden immer sehr vertrauensvoll geführt. Nie ist etwas nach außen gedrungen. Jetzt aber stehen ständig Details aus den aktuellen Gesprächen in den Medien, die oft nicht einmal stimmen."

Ein Umstand, den Neuer so nicht stehen lassen will. "Klar, das ärgert mich. Das kenne ich so nicht beim FC Bayern."

Er habe sich stets als Spieler und Kapitän dem Verein gegenüber "loyal" verhalten. "Wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden, ist das auch etwas, das den Bereich 'Wertschätzung' betrifft."

Maulwurf beim FC Bayern? "Personenkreis ist überschaubar"

Einen konkreten Maulwurf beim deutschen Rekordmeister, der gezielt Informationen nach außen gibt, vermute er nicht: "Ich bin bei den Gesprächen nicht dabei, das macht ja Thomas. Darum kann und will ich nicht mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen. Aber der Personenkreis dort ist ja überschaubar."

Kroth fügte diesbezüglich hinzu: "Es ist schon irritierend, dass Gesprächsinhalte in den Medien auftauchen. Über welche Kanäle auch immer. Ich verhandle ja nicht zum ersten Mal mit dem FC Bayern, aber in der Form ist das neu." 

Neuer lobt Nübel-Transfer

Angesprochen auf die Verpflichtung von Schalke-Keeper Alexander Nübel, die Berichten zufolge zusätzlich für Kritik gesorgt haben soll, blieb Manuel Neuer derweil betont gelassen. "Er ist ein guter Torwart, keine Frage." Neuer könne den Transfer "perspektivisch" betrachtet nachvollziehen, "wobei wir mit Sven Ulreich ja schon eine bärenstarke Nummer 2 haben".

Nübel sei dennoch "natürlich eine super Verpflichtung", hob der 34-Jährige hervor. Als einen ernsthaften Konkurrenten sieht er den 23-Jährigen ohnehin noch nicht: "Was in der Zukunft passiert, ist für mich doch jetzt kein Thema, über das ich mir den Kopf zerbreche. Solange ich meine Leistung bringe, werde ich auch spielen, davon gehe ich fest aus."

Dass der Neuzugang vertraglich festgelegte Einsatzgarantien bekommt, ist für den Routinier derweil ausgeschlossen. "Dazu kann ich nur sagen, dass ich so etwas nicht kenne. Das gibt es im Leistungssport eigentlich nicht. Solche Versprechen sind riskant, denn es gehört ja auch immer ein Trainer dazu, dem man damit bestimmt keinen Gefallen tut. Ich glaube nicht, dass sich ein Spitzentrainer, der einen Verein wie die Bayern trainiert, vorschreiben lässt, wen er spielen zu lassen hat."

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