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Der FC Bayern steckt im Dilemma

Manuel Neuer, der Stärkere

07.04.2020 19:56
Manuel Neuer ist sich seines Status beim FC Bayern bewusst
© kolbert-press/Burghard Schreyer via www.imago-imag
Manuel Neuer ist sich seines Status beim FC Bayern bewusst

Dass der FC Bayern in der kommenden Saison ohne Torwart Manuel Neuer auskommen muss, ist nicht vorstellbar. Und wäre für die Münchner sportlich eine nicht zu akzeptierende Situation. Für den Kapitän ist dieses Wissen der größte Trumpf im Vertragspoker.

Sven Ulreich ist von Manuel Neuer begeistert. Das teilte der zweite Torwart des FC Bayern dem ersten Torwart des FC Bayern erst vor wenigen Tagen via Instagram mit. "Weltklasse" fand Ulreich das, was er da auf dem Account des Münchner Kapitäns sah. Der sprang eiligst von einem blinkenden Licht zum nächsten. Mal knipste er das leuchtende Signal mit dem hohen Bein weg, mal mit der flachen Hand. Fithalten im Homeoffice. Bereit sein für den Tag, an dem er wieder ernsthaft gefordert wird. In der Bundesliga, im DFB-Pokal, in der Champions League. In all diesen Wettbewerben sind die Fußballer des FC Bayern noch vertreten - mit den allerhöchsten Ambitionen.

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Für die schindet sich der 34-Jährige weiter, weiter, immer weiter - wie der Rest des Teams selbstverständlich ebenfalls. Seit Montagmorgen übrigens auch wieder in Kleinstgruppen auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße. Ein "ungewohntes Gefühl" für Neuer, der es aber auch schön fand, "die Jungs mal wieder live zu sehen." Die Jungs, mit denen er in dieser Saison, wenn sie denn weitergespielt wird, noch das große Ding drehen will. Ein erneutes Triple nach 2013. Das würde der Kapitän der Münchner seiner erfolgreichen Karriere nämlich gerne noch gönnen.

Und es müsste ja auch nicht das letzte sein. Denn seine Handschuhe in Bälde mal zur Seite zu legen, daran denkt er keineswegs. Er plant eher seine Zukunft. Und die nicht mittelfristig, sondern langfristig. Mindestens noch fünf Jahre will er spielen. Am liebsten beim FC Bayern. Doch da gibt es ein Problem. Es heißt Alexander Nübel. Und es kommt im Sommer. Aus Gelsenkirchen. Wie einst er selbst.

"Ich bin kein Statist, sondern Protagonist"

Nun ist es nicht so, dass dieser Alexander Nübel - er ist ein eigentlich sehr talentierter Torwart - unmittelbar für gewaltigen Ärger sorgen wird. Denn zunächst einmal ist die Hierarchie geregelt. Neuer spielt, Nübel lernt - und soll dank einer umhergeisternden Klausel wohl auch ab und zu mal randürfen. Was Neuer übrigens überhaupt gar nicht witzig findet, wie er im Wintertrainingslager in Katar mal klargemacht hat: "Ich bin kein Statist, sondern Protagonist und möchte immer spielen."

Und dass es eine durchaus gute bis sehr gute Idee ist, Neuer immer spielen zu lassen, dafür hat er vor der Corona-Krise Woche für Woche sehr stabilen Input geliefert. Wer nach einigen Patzern in der vergangenen Saison bereits vermutet hatte, dass es mit der Unantastbarkeit vorbei sein könnte, der darf sich als meinungsgescheitert betrachten.

Gewissermaßen (zunächst) gescheitert sind auch Marc-André ter Stegen und Nübel. Sie beide hatten allzu forsch einen Konkurrenzkampf mit Neuer ausgerufen. Der eine, ter Stegen, als Klage. Der andere, Nübel, als mittelfristiges Ziel. Neuer, ein stets moderierender, ausgleichender Typ, rückte angesichts der mutigen Ansagen von seiner Zurückhaltung ab und dynamisierte seine Verteidigungslinie. Nun rückt aber Bundestrainer Joachim Löw davon nicht ab, Neuer in ein echtes Duell zu zwängen, noch wagen sie sich beim FC Bayern - zumindest öffentlich -, nicht vor, um ihrem Keeper die Unverzichtbarkeit aufzukündigen.


Mehr dazu: Von S04 zum FC Bayern: Nübel erntet erneut Unverständnis


Zu wichtig ist Manuel Neuer. Und zu unklar ist, wie stabil Alexander Nübel, der mit seinen 23 Jahren gerade mal 40 Bundesligaspiele absolviert hat und nach mehreren Patzern beim FC Schalke 04 seinen Stammplatz los ist, sich in München präsentiert. Eine erneute Phase mit jungen Torhütern, die verzweifelt versuchen, einen Titanen, damals Oliver Kahn, zu ersetzen, kann und will sich der FC Bayern nicht leisten. Für Neuer ist dies das beste Blatt im Poker um einen neuen Vertrag. Dass der FC Chelsea, der einen Ersatz für den arg schwächelnden Weltrekordkeeper Kepa sucht, zusätzlich um ihn buhlen soll, macht seine Situation sogar noch besser. Selbst wenn es nur ein Gerücht, ein womöglich geschickt platziertes, ist.

"Für mich gibt es keine Alternative"

Und hier liegt die Krux für die Münchner. Klar, Neuer steht auch in der kommenden Spielzeit noch beim Klub unter Vertrag, danach aber nicht mehr. Beide Seiten wollen die Zusammenarbeit gerne fortsetzen. Die Bayern aber offenbar nur bis zum Ende der Saison 2023, der Keeper aber gerne bis 2025. Die Bayern wollen Nübel, der ebenfalls bis 2025 unterschrieben hat, die Chance zur Nummer eins nicht verbauen. Neuer ist das egal. Er will spielen. Er will gewinnen. Und er will nicht fremdbestimmt werden.

Wann Schluss ist, das entscheidet nur er. Und natürlich der Trainer. Aber der heißt in den kommenden Jahren Hansi Flick und ist ganz starker Fürsprecher des 34-Jährigen: "Es weiß jeder, was ich von Manuel Neuer halte. Er ist für mich der mit Abstand beste Torwart der Welt, daran habe ich nicht die geringsten Zweifel. Deshalb gibt es für mich keine Alternative." Nicht in der nächsten Saison. Auch nicht in übernächsten? Und auch nicht bis 2025? Nicht, so lange Neuer überhaupt noch spielt?

Tobias Nordmann

© n-tv
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