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Acht Trainer pro Team, vier Balljungen statt zwölf

Nur 239 Personen im Stadion? So plant die DFL Geisterspiele

07.04.2020 15:17

In die Diskussion um eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison kommt Bewegung. Die DFL plant mögliche Geisterspiele, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Endlich wieder Bundesligafußball? Die 36 Klubs der 1. und 2. Liga dürfen sich leise Hoffnungen auf eine baldige Fortsetzung der Saison machen - wenn auch mit Geisterspielen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte Gespräche in der kommenden Woche an, die Deutsche Fußball Liga (DFL) diskutiert intern schon über Rahmenbedingungen für den weiteren Spielbetrieb ohne Fans.

Auf "SID"-Anfrage bestätigte die DFL, dass das Thema Geisterspiele auf der Mitgliederversammlung der Klubs zur Sprache gekommen sei, eine finale Entscheidung gebe es allerdings nicht. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, sollen in jedem Stadion bei weiteren Geisterspielen inklusive beider Mannschaften und dem Ordnungspersonal nur mehr 239 Personen erlaubt sein, davon 126 im Innenraum.

So dürfte jedes Team noch von acht Trainern, Betreuern und Ärzten begleitet werden, außerdem wären nur vier Balljungen in den leeren Stadien zugelassen. 36 Personen würden eine normale TV-Übertragung gewährleisten, insgesamt 70 Ordnerinnen und Ordner vor den Arenen Fan-Treffen verhindern.

Also eine abgespeckte Version des Geisterderby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln (2:1) am 11. März, als etwa 600 Personen im Stadion waren und Hunderte Gladbach-Fans vor der Arena feierten. Der deutsche Profifußball pausiert mindestens bis zum 30. April, dann soll - sofern es die Richtlinien der Politik zulassen - wieder gespielt und die Saison bis zum 30. Juni regulär beendet werden. Allerdings wohl ohne Zuschauer im Stadion!

FC-Bayern-Coach stellt klar: Müssen uns an Geisterspiele gewöhnen

"Ich kann mir für diese Saison keine Spiele mit Publikum mehr vorstellen. Minimum bis zum Sommer werden wir Spiele ohne Publikum haben, wenn wir überhaupt Spiele haben", sagte Laschet (CDU) und verwies auf einen nötigen Konsens zwischen DFL, Ländern und den Verantwortlichen. Die nächste Mitgliederversammlung der DFL steht am 17. April auf dem Programm.

Auch FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sprach sich für Geisterspiele aus. "Das muss möglich sein. Gerade wenn wir durch Schnelltests feststellen, dass keiner der Spieler infiziert ist und keine Gefahr besteht, dass eine Infektionskette ausgelöst wird", sagte der Bundestagsvizepräsident bei "Sky Sport News HD". Bayern-Trainer Hansi Flick geht derweil von Begegnungen ohne Fans im Stadion aus, "da müssen wir uns daran gewöhnen", sagte der 55-Jährige am Dienstag.

Eines scheint sicher: Geisterspiele sind derzeit die einzige Option, Fußball vor Fans wird es in absehbarer Zeit nicht geben. "Großveranstaltungen mit vielen Tausend Menschen werden wir in den nächsten Wochen und Monaten nicht erleben", stellte Laschet klar.

Damit wären die 36 Profiklubs umso mehr von den TV-Geldern abhängig, nun soll es Verhandlungen zwischen DFL und TV-Rechteinhaber "Sky" über Vorauszahlungen an die Vereine geben. "In diesem Zusammenhang gibt es aktive Diskussionen mit dem Ziel, auch im Hinblick auf Lizenzzahlungen und deren potenzielles Timing konstruktive Lösungen zu finden", sagte ein "Sky"-Sprecher den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Um mehr als 300 Millionen Euro soll es gehen.

Hauptsache, der Ball rollt

Der "kicker" hatte zuletzt berichtet, dass 13 der 36 Klubs akut von Insolvenz bedroht sein sollen. Die Vereine sind dringend auf die vierte und letzte Rate aus dem TV-Vertrag angewiesen, eine Zahlung bereits im April würde den Klubs die benötigte Luft verschaffen.

Und bei den Fans kommt eine Fortsetzung der Saison mit den sonst so unbeliebten Geisterspielen auch gut an. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Forsa im Auftrag von "RTL" und "ntv" waren 60 Prozent der Fußballinteressierten für eine Weiterführung des derzeit unterbrochenen Spielbetriebs ohne Zuschauer, nur 24 Prozent sprachen sich dagegen aus. Es gilt: Hauptsache, der Ball rollt.

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