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Nationalmannschaft ist Paradebeispiel

Gemeinsam sind wir stark - Teambuilding im Fußball

03.04.2020 11:04
Rafting (hier mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2013) gehört schon lange zu beliebten Teambuilding-Maßnahmen
© imago sportfotodienst
Rafting (hier mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2013) gehört schon lange zu beliebten Teambuilding-Maßnahmen

Seit jeher wissen Experten, dass im Fußball neben Talent und Taktik ein guter Zusammenhalt in der Mannschaft essentiell für den Erfolg sein kann. Kein Wunder also, dass Teambuilding vor und während der Saison bei Bundesligisten wie Nationalmannschaft einen hohen Stellenwert genießt.

Ein gemeinsames Abendessen oder eine simple Mannschaftsfeier reichen hier schon lange nicht mehr aus. Teambuilding ist in der optimierten Sportwelt von heute längst eine Wissenschaft geworden. "Der Gedanke dahinter ist, dass Mannschaften mit einem hohen Zusammenhalt eine bessere Leistung bringen können", sagt Jeannine Ohlert, Sportpsychologin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Für den Weg dorthin gibt es verschiedene Varianten, von der gemeinsamen Paddeltour über Kletterpartien bis hin zum mehrtägigen Survival-Trip in der Wildnis. Entscheidend ist dabei vor allem die wissenschaftliche Fundierung der Maßnahmen, so die Expertin. "Die ideale Variante ist, vorher eine Teamdiagnostik zu machen und zu schauen, wo das Team Verbesserungspotenzial hat", sagt Ohlert und unterstreicht, dass gerade stetige Arbeit am Zusammenhalt wichtig ist.

DFB-Elf beschwört regelmäßig den Mannschaftsgeist

Nicht zuletzt deshalb ist das Teambuilding auch regelmäßig Teil von Lehrgängen und Länderspieltreffen der deutschen Nationalmannschaft. Während der letztjährigen EM-Qualifikation sah ein Tagesordnungspunkt den Besuch im Freizeitparadies "Blaue Lagune" bei Venlo vor, "Bade- und Wechselsachen mitnehmen" lautete die Direktive.

Vier Teams duellierten sich in Staffelspielen und beim Wasser-Polo mit Kajak, Raft und Stand-Up-Paddle. Der Spaßfaktor war hoch, die Förderung des Gemeinschaftsgefühls noch höher. In den oft wackeligen Gefährten mussten die Spieler sich gegenseitig stützen und machten gemeinsam neue Erfahrungen. 

Auch bei vorherigen Vorbereitungen auf Großereignisse versuchten sich die DFB-Stars bereits auf dem Wasser und beschworen spektakulären bei Rafting-Touren den Teamgedanken.  

Volkswagen hält Nationalspielern den Spiegel vor

Das Wissen, dass man sich in einem Team aufeinander verlassen muss, war auch einer der Kernaspekte eines DFB-Besuchs des Volkswagen-Werks in Wolfsburg. Die Profis durften bei der Werksbegehung hinter die Kulissen ihres Sponsors schauen und erlebten in Sicherheitsschuhen und Schutzoveralls hautnah, wie viele kleine Räder ineinandergreifen und letztendlich zu einem großen Ganzen verschmelzen. Das gemeinsame Ziel wird dabei nie aus dem Auge verloren.

"Jeder ist vom Teamkollegen abhängig, sowohl auf dem Spielfeld als auch hier im Werk", sagte Torwart Manuel Neuer hinterher und sein Teamkollege Serge Gnabry pflichtete dem Schlussmann bei. "Wenn das Team nicht gut zusammenarbeitet, dann ist irgendwo ein Loch", so der Flügelstürmer des FC Bayern München. "Dann kommt am Ende kein gutes Auto oder eben bei uns kein gutes Spiel heraus. Es gibt also definitiv viele Parallelen."

Extremsituationen fördern Zusammenhalt

Das gemeinsame Erleben neuer Situationen schafft bei den Individuen eine universelle Basis, welche in der Gruppendynamik gleiche wie verbindende Parameter schafft. Dies gilt gerade für außergewöhnliche Erlebnisse. "Es wird nicht selten mit existenziellen Ängsten gespielt, die eine Gruppe zusammenschweißen können", sagt Jeannine Ohlert im Hinblick auf die Gestaltung einzelner Maßnahmen.

So ließ zum Beispiel Christoph Daum seine Spieler bereits Ende der Neunziger Jahre über Scherben laufen. Die Spieler von Borussia Dortmund durften sich zu Jürgen Klopps Zeiten beim Canyoning von 40 Meter hohen Felswänden abseilen, was unter anderem Felipe Santana "Angst um sein Leben" bescherte. Mit Mainz 05 veranstaltete Klopp einst sogar einen Survival-Trip nach Schweden. Ein Beispiel, dem der heutige Schalke-Coach David Wagner gern folgte.

David Wagner nahm Spieler mit in die Wildnis

Als er noch bei Huddersfield Town in England trainierte, ging es ebenfalls für vier Tage mit dem gesamten Team in die skandinavische Wildnis. Ohne Ball, ohne Elektrizität, ohne Bett, ohne Handy. "Wer Hunger hatte, der musste fischen gehen, wer durstig war, musste im Fluss die Feldflasche auffüllen", erinnert sich Wagner gerne an den Trip und die damit verbundenen besonderen Herausforderungen für seine Profis.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass die Spieler schwierige Situationen auf dem Platz besser lösen können, wenn sie sich auch abseits des Feldes gut verstehen", so der 48-Jährige Deutsch-Amerikaner. Gerade in der Einsamkeit der schwedischen Wälder gab es viel Zeit für intensive Gespräche und die Spieler lernten sich auf eine sehr intime Art und Weise kennen.

Bayern München veranstaltet in der Vorbereitung "bayrische Olympiade"

Am anderen Ende des Spektrums gibt es natürlich auch reihenweise humorvolle Teambuilding-Maßnahmen. So lud im vergangenen Sommer zum Beispiel Ex-Präsident Uli Hoeneß die gesamte Mannschaft des FC Bayern München zum Freihaus Brenner am Tegernsee ein und ließ die Profis zu einer waschechten "bayrischen Olympiade" antreten.

In unterschiedlichen Teams duellierten sich die Top-Stars des Rekordmeisters beim "Gummistiefel-Weitwurf", "Wettnageln", "Maßkrugscheim" oder im "Kuhmelken". Die Jubelschreie und Anfeuerungsrufe von Thomas Müller und Co. erinnerten an einen Champions-League-Abend und unterstrichen, wie gut es den Spielern tat, gerade in der Saisonvorbereitung den harten Trainingsalltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.

Die Krone setzte dem Ganzen ein geselliges Abendessen auf, bei dem alle Nezugänge ihren Einstand am Karaoke-Mikrofon geben mussten. Besonders auffällig hierbei: Alphonso Davies. Seine emotionale Interpretation von Whitney Houstons Welthit "I will always love you" sorgte für Begeisterungsstürme bei den Teamkollegen und wurde auf etlichen Handyvideos festgehalten.

Es sind vielleicht gerade diese nicht planbaren Momente, welche den größten Anteil am Zusammenwachsen einer Gruppe haben können. Momente, für welche das Teambuilding eine Basis liefert.

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