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Einführung einer eigenen Team-WM?

Ecclestone regt Formel-1-Revolution an

29.03.2020 13:11
Bernie Ecclestone hat Krisen immer genutzt, um anderer Leute Vermögen zu kaufen
© GEPA pictures/ Harald Steiner via www.imago-images
Bernie Ecclestone hat Krisen immer genutzt, um anderer Leute Vermögen zu kaufen

In jeder Krise liegt auch eine Chance: Bernie Ecclestone ist felsenfest davon überzeugt, dass die Coronavirus-Pandemie für die Formel 1 eine historisch einmalige Gelegenheit sein kann, sich quasi selbst neu zu erfinden.

Dass besonders im Bereich des Kostensparens plötzlich Dinge möglich sind, die vor ein paar Wochen noch für undenkbar gehalten wurden, ist nicht neu. Aber Ecclestone würde, hätte er heute noch das Sagen, weit darüber hinaus reformieren.

Anstatt die neuen Regeln von 2021 auf 2022 zu verschieben und die 2020er-Autos für 2021 einzufrieren, schwebt ihm vor, die derzeitigen Regeln gleich die nächsten drei Jahre beizubehalten. Liberty Media, empfiehlt er seinen Nachfolgern an den Lenkhebeln des Grand-Prix-Sports, müsse die Formel 1 nämlich in der Zwischenzeit komplett umkrempeln.

Besonders eine der von Ecclestone vorgeschlagenen Maßnahmen ist aufsehenerregend: "Die größte Änderung, die ich durchziehen würde, ist die Einführung einer eigenen Team-WM. Wir hätten immer noch eine Fahrer-WM, an der alle teilnehmen können, und eine Konstrukteurs-WM für die 'großen Vier'", sagt er in einem Interview mit der "Mail on Sunday".

Weil Werksteams wie Mercedes oder Ferrari mit ihren eigenen Designkonstruktionen von dieser Team-WM ausgeschlossen wären und stattdessen wie bisher um den prestigeträchtigeren Konstrukteurstitel kämpfen würden, gäbe es plötzlich auch für die herstellerunabhängigen Privatteams etwas zu gewinnen in der Formel 1.

30 Millionen pro Saison für zwei Chassis und zwei Motoren

Teams, die an der Team-WM teilnahmeberechtigt sind, müssten sich dafür auf rigorose Sparmaßnahmen einlassen und mit einem Chassis-Motor-Paket von der Stange (Kostenpunkt laut Ecclestone: gut 30 Millionen Euro pro Jahr) antreten. Die Regeln würde Ecclestone aber so gestalten, dass "auch Teams mit so einem Budget eine gute Chance haben, aufs Podium zu fahren".

"Und am Jahresende", sagt der ehemalige Formel-1-Boss, der sich vor dem Coronavirus gemeinsam mit Ehefrau Fabiana auf der gemeinsamen Kaffeeplantage in Brasilien "versteckt", "gewinnt das Team, das mit diesem Budget gefahren ist und am besten abgeschnitten hat, die Team-WM."

Dass die Formel 1 aufgrund der einbrechenden Wirtschaft gerade in ihre größte Krise der jüngeren Vergangenheit schlittert, steht für Ecclestone außer Frage. Früher, sagt er, habe er in solchen Situationen einfach Frank Williams & Co. unbürokratisch Geld geliehen. "Manchmal", schmunzelt er, "haben wir dann auch drauf 'vergessen', das Geld wieder einzukassieren."

Jetzt gehe es aber "um ganz andere Summen", sodass so etwas unmöglich geworden ist: "Es ist eine andere Welt. Damals war alles noch sehr persönlich. Sie haben mich angerufen und gefragt: 'Bernie, kannst du mir helfen?' Der gute alte Frank [Williams]. Damals hat dann auch niemand gesagt: 'Du hast Frank geholfen. Was ist jetzt mit mir?'"

Ecclestone: Seitenhieb gegen Liberty Media

Ecclestone lässt normalerweise keine Gelegenheit aus, medial gegen seine Nachfolger als Rechteinhaber der Formel 1 auszuteilen. Aktuell aber lobt er Liberty Media als "sehr erfolgreiche Firma" und den obersten Liberty-Boss John Malone als "sehr guten Geschäftsmann. Er wird sich überlegen, ob er die Formel 1 braucht." Man muss zwischen den Zeilen lesen, um den Seitenhieb darin zu erkennen ...

Die Formel 1, davon ist der 89-Jährige überzeugt, wird in naher Zukunft jede Menge Geld brauchen, um die Wirtschaftskrise überleben zu können. Das erfordere von den Eigentümern eine hohe Investmentbereitschaft.

Ecclestone betont aber gleichzeitig, dass jede Krise auch eine Chance sein kann: "Ich würde zum Beispiel alle Veranstalter aufkaufen. Die machen einen super Job. Ich würde ihnen das [finanzielle] Risiko abnehmen. Dann wäre ich selbst dafür verantwortlich, die ganzen Rennen zu organisieren. Das wäre mal das Erste."

"Und dann würde ich versuchen, die Teams zu schützen. Ich würde versuchen, sie ganz freundschaftlich davon zu überzeugen, dass sie ihre Arbeitsweise ändern müssen. Sie geben viel zu viel Geld aus - nein, sie verschwenden es. Nehmen wir nur diese verdammt pompösen Motorhomes. Da stehen sich manchmal die Egos selbst im Weg", analysiert Ecclestone.

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