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Nach Olympia-Verschiebung: Stamm "zwischen Baum und Borke"

25.03.2020 12:17
Der Vertrag von Hagen Stamm läuft am Jahresende aus
© PIXATHLON/PIXATHLON/SID/
Der Vertrag von Hagen Stamm läuft am Jahresende aus

Nach der Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 macht Hagen Stamm seine Zukunft als Wasserball-Bundestrainer von den Entscheidungen seiner Spieler abhängig.

"Ich habe große Angst, dass drei, vier Leistungsträger ihre Nationalmannschaftskarriere wie angedacht beenden. Denn der Frust ist sehr groß", sagte der 59-Jährige dem "SID". Wenn es so käme, "dann sollten wir lieber an den Strand Zelten fahren".

Stamm war Ende 2016 nach vier Jahren Pause noch einmal als Bundestrainer eingesprungen, um die Wasserballer zu Olympia 2020 zu führen. Danach wollte "Mister Wasserball", der als Spieler Europameister war und Olympia- und WM-Bronze errang, endgültig aufhören, sein Vertrag mit dem Deutschen Schwimm-Verband läuft Ende des Jahres aus.

"Ich bin im luftleeren Raum - zwischen Baum und Borke, um im Bild der Familie Stamm zu bleiben", sagte er.

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie bereiten Stamm Sorgen

Kandidaten für den Rücktritt aus der Nationalmannschaft sind unter anderem sein Sohn Marko (31), Tobias Preuss (31) und Dennis Eidner (30). Kapitän Julian Real (30) deutete schon an, dass er wohl weitermachen werde.

"Einige haben sich beruflich schon neu orientiert", berichtete Stamm, ohne Namen zu nennen. Der Bundestrainer hofft, sie umstimmen zu können: "Ein Jahr ist bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren relativ wenig. Und die Sportzeit ist die schönste im Leben." Offen ist, wie und wann es mit Wasserball weitergeht, die Hallen sind geschlossen, die Bundesliga ist ausgesetzt.

Sorgen bereiten Stamm auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Er betreibt einen Fahrrad-Großhandel in Hoppegarten mit 200 Beschäftigten. "Meine Firma braucht mich zu 100 Prozent, da liegt sehr viel im Argen", sagte er.

Außerdem müsste mit dem DSV über eine Vertragsverlängerung und zusätzliche Kosten in einer weiteren Vorbereitung gesprochen werden. Die deutschen Wasserballer hatten sich intensiv auf das Olympia-Qualifikationsturnier in Rotterdam vorbereitet, das kurzfristig abgesagt wurde. Bei der WM 2019 hatten sie den Sprung ins Viertelfinale geschafft.

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