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Profi-Segler vor Olympia im Corona-Wartestand

22.03.2020 13:28
Ist für eine Verschiebung der Olympischen Spiele: Der deutsche Segler Philipp Buhl
© dpa
Ist für eine Verschiebung der Olympischen Spiele: Der deutsche Segler Philipp Buhl

Segel-Weltmeister Philipp Buhl hält sich mit Outdoor-Training im heimischen Allgäu oder auf der Fahrradrolle fit - und plädiert für eine Verschiebung der Sommerspiele.

"Olympia hat eine höhere Mission als nur die Medaillenvergaben. Olympia soll die Welt zusammenbringen und auch das ist aktuell kaum mehr möglich", sagte der 30 Jahre alte Laser-Segler aus Sonthofen, der normalerweise in Kiel trainiert.

Doch wegen der Coronavirus-Pandemie sind der Bundesstützpunkt in Kiel und viele deutsche Sporthäfen geschlossen. "Wenn die Hälfte der Athleten sich nicht mehr vernünftig qualifizieren und nicht mehr zielführend trainieren kann, sind das schwerwiegendere Probleme als Event-Überschneidungen oder mediale Engpässe", sagte Buhl.

Medizinstudent Erik Heil, Olympia-Dritter von 2016 und mit Vorschoter Thomas Plößel aus Berlin erneut Medaillen-Favorit, dirigiert die logistischen Olympia-Aufgaben von seiner Kieler Wohnung aus. Plößel hat sich an die Mecklenburgische Seenplatte ins elterliche Ferienhäuschen zurückgezogen, beendet dort seine Masterarbeit und härtet sich beim Schwimmen im sechs Grad kalten See ab. "Die Sportwelt scheint stillzustehen. Die Olympia-Absage erscheint möglich. Wir planen aber solange 100 Prozent für Tokio, bis wir etwas anderes hören", sagte Steuermann Heil.

Für die Monate März bis Mai mussten bereits Qualifikationsregatten abgesagt werden. Ursprünglich hatten der Weltseglerverband und auch der Deutsche Segler-Verband (DSV) die zeitnahe Präsentation von Alternativ-Rennen angekündigt. Doch wegen der Unwägbarkeiten in Corona-Zeiten gibt es noch keine neuen Termine.

Das Besondere des Segelsports besteht in dem notwendigen Transport von Booten, der Kontinent-übergreifend nicht spontan möglich ist. Deshalb sind alternative Qualifikationsregatten nur schwer zu organisieren. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Qualifikationszeitraum bereits bis zum 30. Juni verlängert. Doch auch das wird kaum reichen.

"Es gibt Schlimmeres"

Die Absagewelle hat auch den Profisegelsport getroffen. Davon betroffen ist der Hamburger Solo-Skipper Boris Herrmann, der 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg unter Segeln über den Atlantik gebracht hatte. Der 38-Jährige will vom 8. November als erster deutscher Solo-Skipper am Nonstop-Meeresmarathon um die Welt, dem Vendée-Globe, teilnehmen. Die beiden Transit-Rennen von Brest nach New York und zurück nach Les Sables-d’Olonne als Vorbereitung werden im Mai und Juni voraussichtlich ausfallen.

Aktuell organisiert er sein dezimiertes Kernteam auf der Werft im bretonischen Lorient von daheim in der Hamburger Hafencity. In Frankreich steht der seit Dezember 2019 laufende Umbau von Herrmanns Yacht "Malizia II" vor der Vollendung.

In Vorwoche konnte das verbliebene Bootsbauer-Quartett in letzter Minute die neuen Foils (Tragflächen für die Yacht) vom Produzenten abholen, bevor der seinen Betrieb einstellte. Herrmann will sich im Fall der Transit-Absagen für eine Alternativregatta über rund 2000 Seemeilen im Sommer stark machen.

Zugleich weiß er seine Situation einzuordnen. "Wir befinden uns in einer Zeit, in der es schwer ist, Schicksale miteinander zu vergleichen", sagt er. "Was wir tun, ist immer noch Sport. Gibt es Absagen, ist das für unterschiedliche Menschen unterschiedlich schlimm. Es gibt aber Schlimmeres."

Inmitten der Coronakrise darf Herrmann auch privates Glück erleben: Am 13. März heiratete er seine Lebensgefährtin Birte Lorenzen, Anfang Juni erwartet das Paar sein erstes Kind.

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