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Fans gehen voran: "Es geht um Solidarität"

22.03.2020 11:23
Die Fans von BVB und Co.l gehen voran
© Christopher Neundorf / Kirchner Media via www.imag
Die Fans von BVB und Co.l gehen voran

Einkäufe für Ältere, Spenden, Spruchbänder: Vor allem die zuletzt geschmähten Ultras, aber auch andere Fans helfen in der Coronakrise.

Die kurzen Botschaften hängen überall in Köln an Brücken und Geländern. "Danke an alle Helfer", steht dort in großen, roten Buchstaben auf weißem Stoff geschrieben, vor allem in der Nähe von Krankenhäusern. Gerichtet sind die motivierenden Worte an die vielen Menschen, die in der Coronakrise an ihre Grenzen gehen. Und geschrieben wurden sie von Fußball-Fans.

Es sind vor allem Ultras, die derzeit in ganz Deutschland zu Solidarität aufrufen und auch selbst anpacken. Jene Fangruppen also, die noch vor wenigen Wochen im Mittelpunkt einer hitzigen Diskussion standen, die gefühlt längst eine Ewigkeit her ist. Viele Fans in Dortmund etwa, die wegen der Auseinandersetzung mit Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp besonders im Fokus standen, übernehmen Einkäufe für Ältere.

"Es geht jetzt darum, sich solidarisch zu zeigen und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet konkret, dass wir den Menschen unter die Arme greifen wollen, welche aktuell zu den Risikogruppen gehören", heißt es in dem Aufruf. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von den BVB-Ultragruppen The Unity, Jubos und Desperados.

Auch in Augsburg helfen die im doppelten Sinne aktiven Fans nur zu gerne. "Wir bieten ab sofort an, Besorgungen oder Einkaufstätigkeiten zu übernehmen", heißt es in einem Flugblatt. Ganz wichtig: Es spiele "selbstverständlich" keine Rolle, ob die Hilfsbedürftigen FCA-Fans sind oder nicht. Der "Schwabensturm Stuttgart" veröffentlichte ein ähnliches Angebot, in Frankfurt wiederum unterstützen die Eintracht-Ultras die städtische Tafel.

"Gemeinsam sind wir stark!"

Hinzu kommen zahlreiche Spruchbänder. In Darmstadt etwa ist derzeit an vielen Krankenhäusern zu lesen: "Wenn ihr an eure Grenzen geht - dann denkt daran, dass diese Stadt hinter euch steht", an Supermärkten finden sich Briefe mit ähnlichem Inhalt. "Wir unterstützen im Moment die Helden des Alltags anstatt unsere Helden in blau-weiß", teilten die Fans vom Block 1898 mit.

Auch in Nürnberg, Bochum, Berlin, Wolfsburg, Leverkusen, Homburg, Hamburg, Erfurt, Schalke, Osnabrück und vielen weiteren Städten gibt es solche Aktionen. Die Ultras des FC St. Pauli forderten dabei mehr Lohn für Pflegekräfte.

Inspiriert wurden viele Fans von der "Curva Nord" von Atalanta Bergamo, die 40.000 Euro an eine ausgelastete Klinik spendete. Die "Torcida" von Hajduk Split half sogar beim Umzug eines Krankenhauses in ein neues Gebäude.

Viele Anhänger denken zudem an den eigenen Klub, der oft vor finanziellen Problemen steht. In Rostock rief die Kurve zu "Hamsterkäufen" auf. Heißt: Fans sollen bis Ostern Hansas Online-Fanshop leer kaufen.

In Offenbach und Bochum gab es "Geistertickets" für Spiele zu kaufen, die nie stattfinden, und in Mönchengladbach verzichten Anhänger auf die Erstattung der nie genutzten Tickets für das "Geister-Derby" gegen den 1. FC Köln.

Über allem steht der Gedanke der Solidarität, der in Fankurven schon immer gelebt wurde und wird. "Wir bedanken uns bei allen Alltagshelden", schrieb beispielhaft die Nordkurve Wolfsburg: "Gemeinsam sind wir stark!"

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