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Eine echte "Schweinerei"

Irre Story voller Wendungen: Bauer belastet Tyson Fury

17.03.2020 12:36
Tyson Fury macht im und neben dem Ring von sich reden
© MB Media via www.imago-images.de
Tyson Fury macht im und neben dem Ring von sich reden

Als wäre Tyson Furys Karriere nicht reich genug an Skandalen, steht der Schwergewichts-Champion in seiner Heimat Großbritannien schon wieder im Zwielicht. Keine drei Wochen nach Furys beeindruckendem K.o.-Sieg über Deontay Wilder kommt Englands Yellow Press mit einer Geschichte ums Eck, deren Inhalt wahlweise einer Schmierenkomödie oder einem schlechten Mafia-Film gleicht.

Es geht um Doping, einen Bauern und unkastriertes Wildschwein. (Achtung: ironisierende Textstellen sind nicht auszuschließen.)

Alles beginnt im Februar 2015. Kurz vor seinem WM-Ausscheidungskampf gegen den Hamburger Christian Hammer wird in Dopingproben von Fury und dessen Cousin Hughie das verbotene Steroid Nandrolon (steckte schon in Dieter Baumanns Zahnpasta) nachgewiesen.

Der Fall bleibt lange im Dunklen. Erst im Juni 2016 – und damit Monate nach Furys Sensationssieg gegen Wladimir Klitschko Ende 2015 – wird die britische Anti-Doping-Agentur UKAD aktiv.

Team Fury erklärt den Nandrolon-Befund mit dem Verzehr von - Obacht - unkastriertem Eber (gibt es auch kastrierte Eber?), den die Cousins von einem Bauer in Lancashire (Grafschaft im Nordwesten Englands) bekommen hätten.

"Ich habe Team Fury mit einer Reihe von Fleischsorten versorgt"

Vorhang auf für Martin Carefoot, eben jenen Bauern. Carefoot unterschreibt 2017 zwei Zeugenaussagen, wonach er die Furys mit Wildschwein beliefert habe - die Erklärung für die ungewollte Steroid-Spritze. Der Boulevard-Zeitung "Daily Mail" liegen Carefoots Aussagen vor.

Auszug: "Ich habe Team Fury mit einer Reihe von Fleischsorten und Innereien versorgt, darunter Eber und Schwein."

Die Fury-Anwälte geben die Schriftsätze an die UKAD weiter. Noch bevor es zu einer Anhörung vor dem Anti-Doping-Ausschuss kommt, begraben Fury und die UKAD den Fall Ende 2017 allerdings einvernehmlich. Fury erhält wenig später seine im Oktober 2016 einkassierte Box-Lizenz zurück und startet Anfang 2018 nach einer Phase schwerer Depressionen ein phänomenales Comeback im Ring.

The End!?

25.000 Pfund für eine schweinische Lüge

Von wegen! Drei Jahre später meldet sich Bauer Carefoot aus Lancashire wieder. Und behauptet in der Sonntags-Ausgabe der "Daily Mail" (dem seriösesten aller Rainbow-Blätter) plötzlich: "Ich hatte noch nie Wildschwein im Angebot und habe noch nie Eber erlegt."

Carefoots neue Version: Team Fury habe ihm Ende 2016 die Summe von 25.000 Pfund (rund 27.600 Euro) für die Nummer mit dem unkastrierten Wildschwein geboten. Kohle gegen Meineid – eine echte Schweinerei. Die versprochenen Pfunde aber – so Carefoot – habe er nie bekommen.

"Mir ist übel von dem ganzen Lug und Trug. Die Öffentlichkeit muss die Wahrheit erfahren", sagt der korrumpierte Farmer, den auf einmal ein schlechtes Gewissen plagt.

Der Fall ist damit möglicherweise wieder heißer als ein in der Mikrowelle aufgewärmtes Wildschweingulasch. "Wir werden möglichen Beweisen, die in Zusammenhang mit einem Doping-Vergehen stehen, immer nachgehen und ermitteln, wenn es nötig ist", teilte die UKAD auf Anfrage der "Daily Mail" mit.

Furys Promoter Frank Warren macht sich allerdings keine Sorgen, dass seinem Protegé Ärger ins Haus steht. "Wie jemand diesen Bauern ernst nehmen kann, ist mir schleierhaft. Tyson hat ihn nie in seinem Leben gesehen. Was für ein Müll", polterte der 68-Jährige: "Wir überlassen es der UKAD, sich das Ganze anzuschauen und erwarten nicht, dass dies irgendwo hinführt."

WBC steht zu Fury

Der Bauer, der "diese ungeheuerlichen Vorwürfe erhebt", habe ihm im Oktober vergangenen Jahres einen Brief "voller Fehler" geschrieben, berichtete Warren. Demnach gab Carefoot zu, Meineid begangen und unter Eid gelogen zu haben.

"Als ich ihn anrief, hat er nach Geld gefragt. Ich sagte ihm, er solle damit aufräumen und die UKAD kontaktieren. Er hat sich entschieden, nicht mit der UKAD, sondern einer Zeitung zu sprechen", sagte der Promoter.

Ihm scheine, so Warren, als steckten die Zeitungen wegen der Corona-Pause im Fußball im vorzeitigen Sommerloch und hätten nichts, worüber sie schreiben könnten.

Der Boxweltverband World Boxing Council – eine wahre Instanz der Integrität – sprang ihrem Champion Fury derweil zur Seite. "In meinen Augen hat er (Carefoot, d. Red.) null Glaubwürdigkeit", sagte WBC-Präsident Mauricio Sulaiman den "World Boxing News".

Außerdem sei Fury im Rahmen des WBC-Programms 'Clean Boxing' "unzählige Male" negativ auf Doping getestet worden. "Deswegen bleibt er unser Champion", so Sulaiman.

The End?

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