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Ehemaliger FIA-Boss über Australien-Absage

Max Mosley: Die Formel 1 darf nicht mehr zögern

16.03.2020 11:54
Das Formel-1-Rennen in Australien musste ausfallen
© via www.imago-images.de
Das Formel-1-Rennen in Australien musste ausfallen

"Die Leute können Nachsicht üben bei einer Fehlentscheidung, aber Unentschlossenheit verzeihen dir die Fans nicht", meint Max Mosley. Der frühere Präsident des Automobil-Weltverbands FIA kritisiert damit indirekt die Entscheidungsträger der Formel 1, die in der Coronavirus-Krise lange mit der Absage des Auftaktrennens 2020 in Australien gewartet hatten.

Mosley bringt seine Kritik im Magazin "Motorsport" auf eine einfache Formel: "Du musst eine Entscheidung treffen. Und je eher du das tust, umso besser."

Die Formel 1 hingegen wartete bis wenige Augenblicke vor Trainingsbeginn am Australien-Freitag, um das Rennwochenende doch noch abzusagen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits erste Fans vor den Zugängen zu Fahrerlager und Tribünen, im Fahrerlager waren erste Coronavirus-(Verdachts-) Fälle aufgetreten, McLaren hatte schon seinen Rückzug vom Rennen erklärt.

Führungsqualitäten beweisen

In solchen Situationen dürfe man nicht zimperlich sein, sagt Mosley und verweist auf eine Krisensituation aus der Formel-1-Historie, an der er maßgeblich selbst beteiligt war: den unrühmlichen USA-Grand-Prix 2005 in Indianapolis. Nach Reifenproblemen bei Michelin fuhren am Ende nur die drei Goodyear-Teams, also lediglich sechs Fahrzeuge.

"Es war einer dieser Momente, in denen du rasch zu einer Entscheidung kommen musst", erklärt Mosley heute. "Was auch immer du tust, es wird sicher Kritik hageln, aber das ist nun mal eine Begleiterscheinung in solchen Belangen."

Es liege in der Natur der Sache, dass einem Verantwortungsträger nicht immer ausreichend viele Informationen zur Verfügung stünden, um zu einem fundierten Entschluss zu kommen. "So ist das Leben", sagt Mosley. "Egal, bei was. Denn wenn du alle Informationen hättest, dann träfe sich die Entscheidung ja von alleine."

Umgang mit dem Druck von außen

Man müsse aber auch Verständnis für die Entscheider haben, so Mosley weiter. "In einem solchen Moment brüllt dir jeder irgendetwas ins Ohr." Diesem Druck von außen gelte es zu widerstehen, um eine rationale Entscheidung herbeizuführen.

Wie Mosley selbst agiert hat, als er in Indianapolis 2005 mit einer Ausnahmesituation konfrontiert wurde? Er lehnte Vorschläge der Michelin-Teams ab, die Strecke kurzfristig mittels einer Schikane in der Zielkurve zu modifizieren. Damit war das Schicksal des USA-Grand-Prix 2005 besiegelt.

"Es gab nichts, was wir hätten tun können, denn Michelin konnte keinen Reifen zur Verfügung stellen, der sicher gewesen wäre", erklärt Mosley.

"Kollateralschaden" in Kauf nehmen

"Wir gaben den Michelin-Teams drei Möglichkeiten an die Hand, wie sie hätten trotzdem [am Rennen] teilnehmen können. Eine Variante sah vor, dass sie durch die Boxengasse fahren. Das wäre natürlich ein Nachteil gewesen und sie hätten bestenfalls Platz sieben erreicht."

Die Michelin-bereiften Rennställe um McLaren und Renault hätten viel Überredungskunst aufgeboten, um Mosley zur Einrichtung einer provisorischen Schikane zu überreden. "Sie dachten, sie könnten uns derart unter Druck setzen. Doch dergleichen war alleine aus sportlicher Sicht nicht möglich, umso weniger wahrscheinlich noch aus rechtlichen Gründen."

"Rückblickend", sagt Mosley, "war es zu einhundert Prozent die richtige Entscheidung, [keine Schikane einzubauen], auch wenn das unheimlich viele Leute verärgert hat." In der Tat: Das Indianapolis-Fiasko mit nur sechs Fahrzeugen haben die US-Fans der Formel 1 nie verziehen.

Doch das sei der "Kollateralschaden", den man bei Extremsituationen wie dieser in Kauf nehmen müsse, erklärt Mosley. "Es ist schon sehr schwierig. Du kannst dir eben nie absolut sicher sein." Nur zögern, das dürfe man auf keinen Fall.

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