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Geiger gegen Kraft: "Cooler Fight" bei "besserer Tournee"

05.03.2020 11:55
Karl Geiger (l.) und Stefan Kraft duellieren sich um den Sieg im Gesamtweltcup
© Jan Huebner/Reichert via www.imago-images.de
Karl Geiger (l.) und Stefan Kraft duellieren sich um den Sieg im Gesamtweltcup

Karl Geiger kämpft bei der Raw-Air-Tour um den Gesamtweltcup. Das moderne wie lukrative Format der Serie in Norwegen setzt die altmodische Vierschanzentournee unter Druck.

Das Härteste zum Schluss: Karl Geiger greift beim Skisprung-Marathon der Raw-Air-Tour mit zehn Wettkampf-Tagen in Folge sowie 16 Wertungssprüngen auf den vier berühmtesten Schanzen Norwegens nach der Krone im Gesamtweltcup. Die Tournee der "rauen Luft" ist nicht nur sportlich immens wertvoll - vor allem finanziell hat die noch junge Serie der altehrwürdigen Vierschanzentournee schon den Rang abgelaufen.

"Ich bin echt in einer sehr guten Form, das freut mich riesig", sagte Geiger vor dem Auftakt mit der Qualifikation am Freitag in Oslo (19:30 Uhr), die schon in die Raw-Air-Gesamtwertung einfließt. Den ganz großen Druck verspürt der 27-Jährige auf dem Weg zum Finale auf der größten Schanze der Welt in Vikersund aber nicht: "Mein Ziel für die Raw Air ist es, so weiterzuspringen wie zuletzt."

Geiger, in den vergangenen vier Springen zweimal Sieger und zweimal Zweiter, muss 118 Punkte auf seinen österreichischen Kumpel Stefan Kraft aufholen, um als erster Deutscher seit Severin Freund 2014/15 den Gesamtweltcup zu gewinnen. Heißt: Wird Kraft in allen vier Einzelspringen der Raw Air Zweiter, reichen Geiger auch vier Siege nicht.

Eisennbichler kämpft um versöhnlichen Saisonabschluss

Kraft sieht sich allerdings nicht auf der sicheren Seite: "Der Karli hüpft extrem stark. Über den kleinen Vorsprung bin ich froh, aber es wird ein cooler Fight", sagte der Ex-Weltmeister. Ob als Gesamtweltcup-Sieger oder Zweiter - für Geiger wird die Saisonbilanz mit schon vier Siegen und elf Podestplätzen grandios ausfallen. Das Raw-Air-Spektakel kann er somit genießen.

Auch bei Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler, der um den versöhnlichen Abschluss einer verkorksten Weltcup-Saison kämpft, sorgt die Norwegen-Tournee für leuchtende Augen. "Ein geiles Event, auf das ich mich extrem freue", nannte der Bayer die Raw Air - und gibt damit die gängigen Meinung im Springerlager wieder, wo die Serie mittlerweile als die "bessere Vierschanzentournee" gilt.

Nicht nur dass die Raw Air perfekt organisiert ist, die Athleten fühlen sich im Gegensatz zur traditionellen Jahreswechsel-Veranstaltung auch gerecht entlohnt. Satte 100.000 Euro beträgt das Preisgeld, alleine der Sieger erhält 60.000. Für den Vierschanzentournee-Champion gibt es mit rund 18.500 Euro nicht einmal ein Drittel.

Frauen-Skispringen bei Raw Air in Vorreiterrolle

"Das Preisgeld der Vierschanzentournee ist lächerlich. Wenn man weiß, was die Tournee mit den TV-Rechten umsetzt, wird einem schlecht", sagt Norwegens-Chefcoach Alexander Stöckl, der nicht nur deshalb sein Heimspiel im Vorteil sieht: "Bei der Raw Air stehen die Sportler im Zentrum. An der Tournee habe ich manchmal das Gefühl, dass sie Mittel zum Zweck sind."

Auch in einem anderen Punkt ist die Raw Air der Vierschanzentournee voraus: Während bei letzterer die Aufnahme der Skispringerinnen nicht über Planspiele hinauskommt, feierten die Frauen in Norwegen schon im Vorjahr ihre Premiere. Zwar nur an drei Stationen, aber mit einem Preisgeld von 35.000 Euro für die Siegerin, das deutlich über dem Salär für den Vierschanzentournee-Gewinner liegt.

Als "Meilenstein für das Frauen-Skispringen" bezeichnet Norwegens Olympiasiegerin Maren Lundby die Raw Air. Die Vierschanzentournee war für Meilensteine in der Entwicklung des Skispringens zuletzt nur allzu selten verantwortlich.

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