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Vor dem Pokalduell mit dem FC Bayern

So tief steckt der FC Schalke 04 in der Krise

03.03.2020 18:18
Alexander Nübel steckt mit dem FC Schalke 04 in der Krise
© Anke Waelischmiller/SVEN SIMON via www.imago-image
Alexander Nübel steckt mit dem FC Schalke 04 in der Krise

In der Hinserie sah es so aus, als ob der FC Schalke 04 nach der Horrorsaison 2018/2019 wieder in die Spur gefunden hätte. Sogar die Champions League schien für die von Trainer David Wagner wiederbelebten Knappen drin zu sein.

Vor dem Duell mit dem FC Bayern München im Viertelfinale des DFB-Pokals am Dienstag (ab 20:45 Uhr im LIVE-Ticker) ist die Euphorie jedoch verflogen. Schalke steckt tief in der Krise. sport.de analysiert die drei größten Probleme der Königsblauen.

  • FC Schalke 04 in der Krise: Die Causa Nübel

Im Sommer wechselt Alexander Nübel zum FC Bayern, das ist seit Monaten bekannt. Anfangs wirkte es so, als ob Schalke vom ganz großen Theater um den scheidenden Keeper verschont bleiben würde. Nach mehreren folgenschweren Patzern ist die Debatte um den 23-Jährigen aber in vollem Gang.

Plötzlich steht der gesamte Verein vor einer Zerreißprobe. Das Votum der Fans fiel eindeutig aus: Nach der 0:3-Klatsche beim 1. FC Köln pfiffen sie Nübel gnadenlos aus, der völlig verunsicherte Schlussmann verließ den Platz unter Tränen.

Seit längerem fordern Teile der Anhängerschaft, dass die etatmäßige Nummer zwei Markus Schubert ins Tor rückt. David Wagner hielt Nübel zunächst die Treue, soll sich nun allerdings umentschieden haben.


Mehr dazu: Nübel oder Schubert? Schalkes T-Frage wohl entschieden


Ersatzmann Schubert, im Vorsommer ablösefrei von Dynamo Dresden geholt, könnte im Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern jetzt eine Bewährungschance erhalten.

So erfreut die Nübel-Gegner darüber sein mögen, mehr Sicherheit verspricht der deutsche U21-Nationaltorhüter eher nicht. Zu wechselhaft waren seine Auftritte zwischen dem 15. und 19. Spieltag, als er seinen rotgesperrten Konkurrenten fünf Mal vertreten durfte.

Egal, wie sich Wagner in der Torwartfrage entscheidet - die Causa Nübel dürfte den Klub noch eine Weile beschäftigen und das Betriebsklima belasten.

  • FC Schalke 04 in der Krise: Die harmlose Offensive

Vom leidenschaftlichen Pressing-Fußball der Hinserie ist auf Schalke nichts mehr zu sehen. Dabei hatte der verdiente 2:0-Erfolg zum Rückrundenstart gegen hoch gehandelte Gladbacher Hoffnungen geweckt, auch im neuen Jahr in der Spitzengruppe ein Wörtchen mitreden zu können. Seither läuft jedoch nahezu alles schief.

Sechs Liga-Spiele ohne Sieg (drei Remis, drei Niederlagen) bei einem Torverhältnis von 1:14 haben den Abstand der Knappen auf Rang vier auf zehn Zähler anwachsen lassen. In der aktuellen Verfassung scheint sogar die Europa-League-Qualifikation in Gefahr.

Was im Umfeld neben den schwachen Ergebnissen für weiteren Unmut sorgt, ist die komplett harmlose Offensive. Aus den Gesichtern des Aufschwungs, allen voran Amine Harit, sind Sinnbilder der Krise geworden. Kaum eine Bundesliga-Mannschaft strahlt derzeit weniger Esprit und Spielfreude aus als die Wagner-Schützlinge.

Auch Winter-Neuzugang Michael Gregoritsch, dessen Traumdebüt gegen Gladbach für Aufsehen gesorgt hatte, trat zuletzt immer seltener in Erscheinung. Problem: Mögliche Alternativen wie Guido Burgstaller oder Rabbi Matondo stecken ebenfalls im Dauertief.

Hinzu kommt, dass die taktischen Maßnahmen von Coach Wagner bislang keine Wirkung zeigen. Gegen Köln wich er von seinem bevorzugten 4-4-2 mit Raute ab und wählte eine 4-2-3-1-Formation - das Ergebnis ist bekannt.

  • FC Schalke 04 in der Krise: Das extreme Verletzungspech

Benjamin Stambouli, Salif Sané, Juan Miranda, Suat Serdar, Daniel Caligiuri sowie neuerdings auch Kapitän Omar Mascarell und Ozan Kabak: Die Verletztenmisere der Schalker nimmt dramatische Züge an. Vor allem in der Abwehr ist der personelle Aderlass nicht mehr zu kompensieren.

"Im Bus wird es relativ viel Platz geben, wenn wir ins Stadion fahren", flüchtete sich David Wagner vor dem Bayern-Spiel in Galgenhumor. Der 48-Jährige sprach von einer "Ausgangssituation, die alles andere als angenehm ist".

In der Tat würden die wenigsten Teams den Verlust von sieben potenziellen Stammspielern störungsfrei verkraften. Im Schalker Fall folgte jedoch der defensive Komplett-Zusammenbruch. 13 Gegentore alleine gegen Bayern, Leipzig und Köln genügen als Beleg.

Auch wenn der eine oder andere Rückkehrer bald wieder zum Kader stößt, bleibt die Lage bei S04 extrem angespannt. Das weiß keiner besser als Trainer Wagner, der die Verletzungsseuche nüchtern auf den Punkt brachte: "Personell stehen nicht mehr viele Alternativen zur Verfügung."

Heiko Lütkehus

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