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"Echte 9", "Falsche 9" oder "Neue 9"?

Lewy-Schock und die Folgen: Welche Optionen bleiben Bayern?

27.02.2020 22:11
Robert Lewandowski fehlt dem FC Bayern mehrere Wochen
© Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de
Robert Lewandowski fehlt dem FC Bayern mehrere Wochen

Super-GAU für den FC Bayern! Mit Robert Lewandowski fällt nicht nur der einzige Stoßstürmer von Weltklasse-Format in den kommenden Wochen aus, sondern auch ein Leader, der die Mannschaft des Rekordmeisters mitreißen und ein Spiel gleichzeitig im Alleingang entscheiden kann. 

Rund vier Wochen muss der Pole nach seinem erlittenen Anbruch der Schienbeinkante am linken Knie pausieren. Damit verpasst Lewandowski nicht nur das Champions-League-Rückspiel gegen Chelsea, sondern auch den Pokal-Kracher gegen den FC Schalke 04 sowie die Bundesliga-Partien gegen Hoffenheim, Augsburg, Union Berlin und Eintracht Frankfurt.

Erst zum möglicherweise entscheidenden Liga-Gipfel gegen den BVB (04. April) könnte der 31-Jährige wieder fit sein.

Wie plant Trainer Hansi Flick ohne Lewandowski, der in der laufenden Saison in 33 Pflichtspielen an unglaublichen 46 Toren direkt beteiligt war? Welche Optionen gibt der Kader des Rekordmeisters her? Ein Überblick:

  • Variante 1: Thomas Müller wird zur "Echten 9"

Unter Niko Kovac war Thomas Müller bekanntlich nur eine Randerscheinung. Unter Hansi Flick blühte der Ex-Nationalspieler in den letzten Wochen und Monaten dagegen richtig auf. Als hängende Spitze durfte sich der 30-Jährige so richtig austoben und seine Freiheiten genießen. Müller durfte Müller sein. Mit 13 Torvorlagen (und fünf Toren) zahlte er das Vertrauen zurück.

Zieht Hansi Flick das Urgestein in die Sturmspitze, wird ihm zwangsläufig auch der Platz genommen, den Müller für sein Spiel braucht. Immerhin wäre das Sturmzentrum für ihn kein Neuland. Notgedrungen musste er die Position in der Vergangenheit immer wieder mal ausfüllen - mit überschaubarem Erfolg.

Die Frage ist, ob der FC Bayern in der aktuellen Phase auf die hängende Spitze Müller verzichten kann. Der 30-Jährige ist in dieser Rolle für die Münchner ungemein wertvoll und für jeden Gegner unangenehm zu spielen. Der Stürmer Müller wäre dagegen deutlich leichter im Zaum zu halten. Einen positiven Nebeneffekt könnte die Versetzung des Routiniers ins Sturmzentrum allerdings haben: Philippe Coutinho könnte eine Chance auf seiner Lieblingsposition hinter einem Stoßstürmer bekommen.

  • Variante 2: Gnabry wird zur "Falschen 9"

Auch Serge Gnabry kommt als Ersatz in der Sturmspitze infrage. Flanken in die Mitte könnten sich die Münchner mit ihm natürlich sparen, dafür bringt der 24-Jährige in den Bereichen Schnelligkeit, Abschlussstärke und Spielwitz Qualitäten mit, die in diesem Maße kein anderer Lewy-Ersatz vorweisen kann.

Für Gnabry spricht zudem, dass er schon in Hoffenheim und der Nationalmannschaft die "Falsche 9" gespielt hat. 

Aber auch hier gibt es einen Haken: Gerade auf dem Flügel fühlt sich der Nationalspieler in den letzten Wochen pudelwohl. Wenn er mit seinem Tempo ins Eins-gegen-Eins gehen kann, ist er kaum aufzuhalten. Dieser Stärke würde er im Zentrum zu großen Teilen beraubt werden.

  • Variante 3: Youngster werden zur "Neuen 9"

Mit Joshua Zirkzee (18) und Jann-Fiete Arp (20) stehen noch zwei Youngster im Kader, die als Notlösung für die Sturmspitze eine Option sind. Viel mehr als eine Notlösung sind Zirkzee und Arp aber auch nicht.

Beiden fehlt die Erfahrung auf höchstem Niveau, beide sind in der laufenden Saison zudem nicht unbedingt als "Killer" vor dem Tor in Erscheinung getreten. Zirkzees Ligatore gegen Freiburg (16. Spieltag) und Wolfsburg (17. Spieltag) waren die viel zitierten Ausreißer nach oben. In der 3. Liga bringt es der Niederländer auf mickrige zwei Tore in 16 Spielen. Arp kam überhaupt erst fünf Mal in der Bayern-Reserve zum Einsatz (kein Tor).

Auf einen der beiden Youngster zu setzen, wäre zweifellos ein größeres Risiko als eine Versetzung von Müller oder Gnabry.

Alternativ könnte Flick auch Drittliga-Stürmer Kwasi Wriedt in die erste Mannschaft beordern. Der 25-Jährige ist mit 17 Saisontoren in der Bayern-Reserve der Top-Goalgetter. Auch in den letzten Jahren hat der gebürtige Hamburger seinen Torriecher regelmäßig unter Beweis gestellt. Allerdings gibt es Gründe, warum Wriedt bisher keine Chancen in der ersten Mannschaft bekam. Auf höchstem Niveau kann er schlicht nicht mithalten.

Hinzu kommt: Wriedt flog am letzten Spieltag gegen Chemnitz vom Platz, ist daher vorerst gesperrt. Damit kommt er als Soforthilfe eigentlich nicht infrage. 

Christian Schenzel

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