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Fünf Fragen, fünf Antworten

Fury und AJ im Fokus: Wie geht's im Schwergewicht weiter?

27.02.2020 19:22
Tyson Fury entthronte Deontay Wilder im WBC-Titelkampf
© Al Bello, getty
Tyson Fury entthronte Deontay Wilder im WBC-Titelkampf

Nach dem krachenden Sieg von Tyson Fury gegen Deontay Wilder stehen dem Schwergewicht aufregende Monate bevor. Neben dem "Gypsy King" steht vor allem Anthony Joshua und ein möglicher Mega-Kampf um alle bedeutenden Gürtel im Fokus.

Wie geht es in der "Königsklasse" des Boxens weiter? Wer kämpft in den kommenden Monaten gegen wen? Wie stehen die Chancen auf einen Mega-Fight zwischen Anthony Joshua und Tyson Fury? Und welcher "Unbekannte" könnte in die Phalanx der großen Drei eindringen? sport.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • Kommt es zum dritten Kampf zwischen Fury und Wilder?

Nach seiner krachenden K.o.-Niederlage im zweiten Duell mit Tyson Fury ist Deontay Wilder von der Nevada State Commission vorerst gesperrt worden. Ein normaler Vorgang, der den betroffenen Boxer vor gesundheitlichen Folgeschäden schützen soll. Der "Bronze Bomber" darf bis zum 23. April keinen Kampf bestreiten und bis zum 8. April nicht zum Sparring in den Ring steigen. 

Ein dritter Kampf gegen Tyson Fury muss innerhalb der nächsten sechs Monate stattfinden. So wurde es vertraglich festgelegt. Dass Wilder auf einen erneuten Rückkampf bestehen wird, hat das Lager des US-Amerikaners bereits angekündigt. Offiziell ist "Wilder vs. Fury III" aber noch nicht. Eine Option für das Fury-Lager wäre laut Promoter Frank Warren, Wilder die Rückkampf-Option abzukaufen, um auf einen schnellen Vereinigungskampf zu drängen. "Wir könnten ihn bezahlen, um den Weg freizumachen. Aber die Entscheidung liegt bei ihm", sagte Warren "BBC Radio 5 live". 


Mehr dazu: Top 10! Die besten Schwergewichtler der Welt


Die Frage ist: Sollte Wilder auf einen dritten Kampf gegen Fury bestehen, oder lieber nicht? Hier gehen die Meinungen auseinander. Aus finanzieller Sicht ist ein drittes Duell für den 34-jährigen Ex-WBC-Champ überaus attraktiv. Schon für seine Niederlage kassierte Wilder rund 25 Millionen Euro plus einen Teil der Pay-TV-Einnahmen.

Im dritten Kampf würde die Börse zwar im Verhältnis von 60:40 zu Gunsten Furys aufgeteilt werden. Dennoch dürfte sich Wilder über einen weiteren kräftigen Zahltag freuen.

Aus sportlicher Sicht birgt ein Rückkampf für Wilder allerdings ein großes Risiko. Verliert er erneut, ist der nächste Titel-Kampf ganz weit weg und sogar ein Karriereende nicht auszuschließen. Natürlich besteht auch die Chance, dass sich der 34-Jährige gegen Fury durchsetzt. Dafür muss sich Wilder allerdings (in weniger als sechs Monaten) boxerisch weiterentwickeln. Gegen Fury muss er Boxer und nicht nur Kämpfer sein.

  • Was plant Anthony Joshua als nächstes?

Auch hier fehlen noch die Unterschriften, es gilt allerdings als sicher, dass Anthony Joshua seine Gürtel als nächstes gegen IBF-Herausforderer Kubrat Pulev verteidigen wird. Die 38-jährige "Kobra" ist für AJ aber nur eine Durchgangsstation. Niemand glaubt ernsthaft an eine Niederlage des Weltmeisters.

Joshuas WBO-Gürtel wird derweil für vakant erklärt. Der Engländer hat bereits angekündigt, sich diesen so schnell wie möglich zurückholen zu wollen und damit wieder vier Titel zu vereinen. Klar ist: Dafür muss er eine deutlich höhere Hürde als Pulev nehmen.

  • Wie stehen die Chancen auf einen Mega-Fight zwischen Fury und Joshua?

Nicht gut. Noch nicht. Natürlich haben Fury, Joshua und die Promoter-Riesen Frank Warren und Eddie Hearn bereits mehrfach erklärt, dass sie alle genau diesen Kampf sehen wollen. Für den Boxsport wäre dies schließlich das Beste. Was vor den Mikrofonen gesagt und hinter den Kulissen getan wird, sind aber zwei verschiedene Dinge.

Hearn und Warren sind zwei exzellente Promoter, die in der Regel viele Versprechen machen und hinterher genau erklären können, warum diese doch nicht eingetroffen sind. Das ist Teil des Geschäfts und gehört wie das Säbelrasseln vor jedem Kampf mit dazu.

Um einen Kampf dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen, sind aber deutlich mehr als nur ein paar Versprechen und Absichtserklärungen nötig. Davon sind wir noch weit entfernt. Fury und Joshua werden sich höchstwahrscheinlich bald im Ring treffen. 2020 wird dieser Kampf jedoch nicht stattfinden. Ob es 2021 zu einem Duell kommt, ist möglich, aber alles andere als sicher.   

  • Woran könnte ein Kampf zwischen Fury und Joshua scheitern?

Die einfache Antwort: am Geld. Der finanzielle Teil ist die mit Abstand größte Hürde auf dem Weg zu einem Mega-Fight. Hearn und Joshua haben mit dem Ruiz-Kampf in Saudi-Arabien schon gezeigt, dass sie willens sind, dem Lockruf des Geldes zu folgen. Einen Kampf gegen Fury außerhalb Englands stattfinden zu lassen, würde aber für einen Aufschrei sondergleichen sorgen. Einnahmen in Höhe von 400 Mio. US-Dollar hin oder her. 

Auch die Aufteilung der Börse ist ein Knackpunkt. Auf weniger als 50:50 lässt sich Tyson Fury nicht ein. Eddie Hearn hat dem "Gypsy King" die Gleichverteilung in der Vergangenheit zugesichert. Fraglich ist, ob Hearn und Joshua das auch abnicken, wenn es ans Eingemachte geht. Warren hat Joshua vorsorglich schon mal eine 60:40-Aufteilung zu Gunsten Furys angeboten. 

Ein gehöriges Wort im Ringen um einen Mega-Fight haben auch die TV-Anstalten mitzureden. Fury steht bei "ESPN" und "BT Sport" unter Vertrag, Joshua ist vertraglich an "DAZN" und "Sky Sports" gebunden. Keiner der Sender wird im Kampf um die Übertragungsrechte freiwillig zurückstecken.

Letztlich müssen auch die Verbände das OK geben und ihre Pflicht-Herausforderungen hinten anstellen, damit es zu einem Kampf kommt, in dem alle wichtigen Titel vereint werden.

Unwahrscheinlich, aber nicht gänzlich ausgeschlossen ist, dass Fury und/oder Joshua auf dem Weg zu einem Mega-Fight verlieren und einen Gürtel abgeben müssen. In diesem Fall würde ein Rückkampf dem Duell gegen den großen britischen Rivalen sicherlich vorgezogen werden.  

  • Welche Herausforderer müssen Joshua und Fury fürchten?

Trotz seiner K.o.-Niederlage gegen Fury ist und bleibt Deontay Wilder der gefährlichste aller Herausforderer. Großes Potenzial wird zudem Oleksandr Usyk bescheinigt. Der noch ungeschlagene Ukrainer könnte sehr zeitnah um den WBO-Gürtel boxen und erstmals Schwergewichts-Weltmeister werden. 

Auch Dillian Whyte haben viele Experten noch auf der Rechnung - obwohl dem Briten noch ein gutes Stück zu Joshua, Fury und Wilder fehlt. Fraglich ist, wie es mit Andy Ruiz weitergeht. Der entthronte Champ offenbarte bei seiner Niederlage gegen Joshua nicht nur ein Kopf-, sondern auch ein gewaltiges Gewichtsproblem. Ob der "Destroyer" jemals wieder der Alte wird, steht in den Sternen. 

Wer sonst noch zu den potenziellen Herausforderern gehört, erfahrt Ihr in unserer Top 10 der besten Schwergewichtler -> hier geht's zum Ranking.

Christian Schenzel

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