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Münchner könnten Nicht-Verpflichtung des Stürmers bereuen

Der FC Bayern und die verpasste Chance bei Timo Werner

23.02.2020 19:02
Timo Werner wechselte im Sommer nicht zum FC Bayern
© unknown
Timo Werner wechselte im Sommer nicht zum FC Bayern

Im vergangenen Sommer war der Transfer von Nationalstürmer Timo Werner zum FC Bayern scheinbar nur noch Formsache. Doch der Rekordmeister zögerte, schließlich platzte der Wechsel, Werner blieb bei RB Leipzig. Rückblickend erinnert das abwartende Verhalten der Münchner Verantwortlichen an verpasste Chancen der letzten Jahre.

Vor rund einem halben Jahr schien alles ganz simpel: Timo Werners Vertrag bei RB Leipzig lief im Sommer 2020 aus, die Verhandlungen über ein neues Arbeitspapier zogen sich wie Kaugummi. Beste Gelegenheit also für den FC Bayern, der für eine Ablösesumme von circa 25 Millionen Euro hätte zuschlagen können.

Als Option galt es auch, abzuwarten und Werner erst im kommenden Sommer unter Vertrag zu nehmen - dann sogar ablösefrei. Die Münchner gingen davon aus, dass dieses Szenario eintreten würde, dass sich alle Parteien an den Wünschen des Branchenprimus orientieren würden. Es kam ganz anders.

Ende August verlängerte Werner seinen Vertrag in Sachsen überraschend bis 2023, der deutsche Rekordmeister hingegen schaute in die Röhre. Nicht das erste Mal, dass die Münchner einen vielversprechenden Transfer einfach verstreichen ließen.

Timo Werner folgt auf Kevin De Bruyne und Leroy Sané

Schon 2015 ging dem FC Bayern ein Star durch die Lappen: Kevin De Bruyne. Der Belgier, damals in Diensten des VfL Wolfsburg, und sein potenziell neuer Arbeitgeber waren sich bereits einig. Einzig an der vom VfL geforderten Ablösesumme scheiterte der Transfer, wie De Bruynes Berater Patrick De Koster später offenbarte.

50 Millionen Euro waren den knausrigen Bayern damals zu viel. Ohne mit der Wimper zu zucken, legte Manchester City wenig später rund 73 Millionen Euro für den Offensivakteur auf den Tisch.

Im Jahr darauf waren es erneut die Citizens, die das zurückhaltende Transferverhalten der Münchner dankend annahmen. Dieses Mal bei Leroy Sané vom FC Schalke. Im Jahr 2016 stand auch der Flügelstürmer auf dem Zettel des Rekordmeisters, wechselte schlussendlich aber auch nicht an die Säbener Straße, sondern wagte ebenfalls den Sprung auf die Insel zum Guardiola-Klub aus Manchester.

Vor allem, weil Hoeneß, Rummenigge und Co. davon ausgingen, die 37 Millionen Euro teure Ausstiegsklausel des damaligen Schalke-Juwels noch 2017 ziehen zu können. Die Konkurrenz grätschte unverschämt dazwischen.

Rund 40 Millionen Euro als Maximalausgabe des FC Bayern

Und jetzt also die verpasste Chance bei Timo Werner: Sie passt ins Bild der seit Jahren als zu zögerlich abgestempelten Transferpolitik des FC Bayern.

Lange sträubten sich die Münchner, Summen jenseits der 40-Millionen-Euro-Marke zu zahlen. Eine Handlungsweise, bei der namhafte Neuzugänge Jahr um Jahr ausblieben. Erst im letzten Sommer sprangen die Verantwortlichen über ihre Schatten und zahlten 80 Millionen Euro für den französischen Verteidiger Lucas Hernández.

In diesen Sphären dürfte sich nun auch der Preis für Timo Werner bewegen. Die bislang 27 Pflichtspieltore des 23-Jährigen haben seinen Wert im Vergleich zum letzten Sommer durchaus verdreifacht. Die nicht unvorhersehbare Leistungs- und Wertsteigerung macht den bayerischen Nicht-Zuschlag in der Retrospektive umso unverständlicher.

Werner und der FC Bayern: Passt das überhaupt?

Mitte Januar ließ Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic noch verlauten, Werner passe gar nicht so recht ins Münchner Spielsystem. "Er braucht mit seiner Schnelligkeit mehr Räume, die hat er in dem System, das Leipzig spielt. Das System bei RB hat sich nun zwar geändert, aber dennoch ist es vorne nicht so eng wie bei uns", erklärte Brazzo gegenüber der "Sport Bild".

"Timo Werner ist ein guter Spieler, allerdings haben wir Robert Lewandowski", legte Salihamidzic nach. Aussagen, die Werners Lust auf den deutschen Rekordmeister drastisch geschmälert haben.

In der aktuellen Lage wären die Münchner mit einer offensiven Alternativ-Taktik durchaus gut beraten. Zu sehr hängt das ganze Spiel von Lewandowskis Leistung ab. Der Pole ist in dieser Saison die Lebensversicherung der Bayern, knapp 40 Prozent aller Tore gehen auf das Konto des 31-Jährigen.

FC Liverpool nun in der Pole Position?

Werner ist im Vergleich zu Lewandowski kein klassischer Strafraumstürmer, in der Leipziger Doppelspitze weicht der 29-fache Nationalspieler gerne auch auf die Seiten aus.

Bei den Bayern hätte Werner durchaus auch als Alternative zu Serge Gnabry und Kingsley Coman auflaufen können - auf ähnlichen Positionen, wie die vom Spielertyp vergleichbaren Sadio Mané und Mohamed Salah beim FC Liverpool, der in den letzten Wochen die Bemühungen um den Deutschen intensivierte.

Ob und wohin Timo Werner im kommenden Sommer wechselt, steht noch in den Sternen. In seinem neuen Vertrag ist eine Ausstiegsklausel verankert, unklar ist jedoch noch, wann und zu welchem Preis sie greift. Eines steht jedoch sicher fest: Günstig wird es nicht mehr.

Tom Kühner

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