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Can, Haaland und die Kehrseite des Aufschwungs

Nach perfekter Woche: Es gibt auch Verlierer beim BVB

25.02.2020 13:57
Zählen zu den (potenziellen) Verlieren beim BVB: Mario Götze (l.) und Julian Brandt
© Jan Huebner/Bywaletz via www.imago-images.de
Zählen zu den (potenziellen) Verlieren beim BVB: Mario Götze (l.) und Julian Brandt

Nach drei Siegen in Folge ist bei Borussia Dortmund das alte Selbstverständnis zurück. Der BVB wirkt - auch dank der Winter-Neuzugänge Emre Can und Erling Haaland - wieder wie ein Titelkandidat und strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Doch der Aufwärtstrend fordert auch Verlierer, darunter einige prominente Namen.

Für Borussia Dortmund hätte die zurückliegende Woche kaum besser laufen können. Gegen Eintracht Frankfurt (4:0), Paris Saint-Germain (2:1) und Werder Bremen (2:0) gab es binnen neun Tagen überzeugende Sieg.

"Die gesamte Woche war top von uns. Alle haben hart gearbeitet, von hinten bis vorne. Hoffentlich geht das so weiter", sagte Axel Witsel.

Drei Mal setze Trainer Lucien Favre auf die identische Startformation, drei Mal überzeugte der BVB auf ganzer Linie.

Großen Anteil daran haben die Neuzugänge aus dem Januar. Mit Erling Haaland hat die Borussia wieder einen Mittelstürmer, der diesem Namen auch wirklich gerecht wird.

Seine unfassbare Torquote von zwölf Treffern in acht Pflichtspielen für den BVB baut der Norweger Woche für Woche mit beeindruckender Konstanz aus. Zudem hat seine Körperlichkeit und Wucht dem Offensivspiel des Vizemeisters eine neue Dimension gegeben. "Er ist ein Tier", schwärmte PSG-Coach Thomas Tuchel nach Haalands Doppelpack von den Qualitäten des 19-Jährigen.

Mit Emre Can haben die Westfalen zudem den so dringend benötigte Mentalitätspieler verpflichtet. Die Ballsicherheit und die Zweikampfstärke des Nationalspielers sorgte in den letzten Partien dafür, dass die Favre-Elf das Zentrum dominierte und das Geschehen so selbst gegen ein Top-Team wie PSG über weite Strecken kontrollieren konnte.

Mario Götze ohne Perspektive beim BVB

Zwar ist in Dortmund noch nicht alles Gold, was glänzt. Doch das Fundament für ein erfolgreiches Saisonfinale scheint gefunden. Haaland und Can sind aktuell aus der Startelf nicht wegzudenken - sehr zum Leidwesen einiger etablierter Spieler.

Mario Götze steht beim BVB quasi ohne Perspektive auf größere Einsatzzeit da. Solange Haaland fit ist und seine Form hält, besteht kein Bedarf für die Qualitäten des Weltmeisters von 2014.

Dass der falsche Neuner in gewisser Hinsicht für einen uninspirierten und vorhersehbaren BVB steht, zeigt ein Blick auf die Statistik. Bei den fünf Startelfeinsätzen Götzes in dieser Saison gelang den Dortmundern nicht ein Sieg. Angesichts seines im Sommer auslaufenden Vertrags stehen die Zeichen zwischen dem 27-Jährigen und dem BVB auf Trennung.

Hauen und Stechen im Mittelfeld des BVB

Im zentralen Mittelfeld ist die Situation ungleich komplexer. Der seit Mitte November verletzte Thomas Delaney hatte es schon vor der Can-Verpflichtung schwer. Nun ist der Weg zurück in die Stammformation noch einmal weiter geworden.

Das Gleiche gilt für Mahmoud Dahoud. Der ehemalige Gladbacher war die vergangenen beiden Spielzeiten zwar fast durchgängig fit, von seinen Fähigkeiten konnte er Favre aber zu keinem Zeitpunkt restlos überzeugen.

Seit Anfang November wartet der 24-Jährige nun schon auf einen Startelfeinsatz. Dass er beim BVB noch einmal eine zentrale Rolle spielt, wird zunehmend unwahrscheinlicher.

Droht sogar Julian Brandt ein Stammplatz auf der Bank?

Und selbst Julian Brandt, der nach Anlaufproblemen gerade erst seine Rolle im zentralen Mittelfeld gefunden hatte, wird sich in den kommenden Wochen strecken müssen.

Die "bessere Balance" (O-Ton Witsel) zwischen Offensive und Defensive, die Can dem BVB-Spiel verleiht, war mit dem 23-Jährigen auf dem Platz nur selten zu sehen.

Brandts genialen Momenten in der Offensive stehen auch einige Wackler in der Rückwärtsbewegung gegenüber - wie sein verunglückter Rückpass im Heimspiel gegen RB Leipzig (3:3), der zu einem Gegentreffer führte.

Dass der Nationalspieler ausgerechnet in der letzten Woche verletzt fehlte, ist für ihn persönlich bitter. Nach seinem Kurz-Comeback am Samstag in Bremen findet sich der Rechtsfuß nun plötzlich nur noch in der Rolle des Herausforderers wieder.

BVB-Dreierkette hat sich vorerst gefunden

Doch nicht nur Haaland und Can sorgten mit konstanten Leistung auf höchstem Niveau zuletzt für Enttäuschung bei der Konkurrenz.

In der Dreierkette zeigt Dan-Axel Zagadou eine stetig ansteigende Formkurve. Gegen Leverkusen und PSG unterliefen dem Franzosen zwar noch folgenschwere Fehler. Seine Qualitäten in Sachen Tempo und Physis können die anderen Innenverteidiger des BVB aber nicht vorweisen. In Bremen ebnete der junge Franzose mit seinem Treffer zum 1:0 sogar den Weg zum Auswärtssieg.

Auch Lukasz Piszczek kommt mit der ungewohnten Position als rechter Innenverteidiger immer besser zurecht. Seine Tempo-Defizite macht der Routinier durch konzentriertes Stellungsspiel wett. 

Für den zuvor unter Favre trotz teilweise unterirdischer Leistungen ohne Wenn und Aber gesetzten Manuel Akanji blieb zuletzt drei Mal infolge nur ein Platz auf der Bank. Vermisst wurde der Schweizer nicht.

Selbiges trifft auch auf Nico Schulz zu, der in der Rückrunde noch nicht eine Bundesliga-Minute absolviert hat und einzig beim Pokal-Aus in Bremen auf dem Rasen stand. Dort konnte er keine Argumente im Kampf um einen Stammplatz gegen Raphael Guerreiro sammeln.

Wenn in einigen Wochen die Rückkehr von Kapitän Marco Reus den Konkurrenzkampf in Dortmund weiter verschäft, wird auf Favre die undankbare Aufgabe zukommen, mögliche Konfliktherde zu moderieren. Rotation zum Selbstzweck ist nach der letzten Woche beim BVB vorerst nicht zu erwarten.

Jonas Hofmann

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