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Vor der deutschen Meisterschaft in der Halle

DLV-Trainerin freut sich auf "Standortbestimmung"

21.02.2020 12:29
In Halle kämpfen die deutschen Leichtathleten am Wochenende um Titel
© Eberhard Thonfeld via www.imago-images.de
In Halle kämpfen die deutschen Leichtathleten am Wochenende um Titel

Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig wird Annett Stein erstmals aus der Perspektive der DLV-Cheftrainerin die Leistungen und Entwicklungen der deutschen Top-Athleten beobachten. "leichtathletik.de" hat die Berlinerin im Vorfeld zur Bedeutung dieser Titelkämpfe im Konkreten, zu ihren Aufgaben und Zielen im Allgemeinen und zur Faszination Leichtathletik befragt.

Annett Stein, seit dem 1. Februar 2020 sind Sie zusammen mit Dietmar Chounard als neue DLV-Cheftrainerin verantwortlich für die Leichtathletik-Nationalmannschaften. Welche Ziele verfolgen Sie bei Ihrer neuen Aufgabe?

Annett Stein: In diesem Jahr stehen die Olympischen Spiele in Tokio im Fokus meiner Tätigkeit. Unser Ziel ist es, die Vorbereitung mit größtem Einsatz zu unterstützen und möglichst störungsfrei zu gestalten. Dabei gilt es, das Training und den Kommunikationsprozess mit den Trainerinnen und Trainern sowie Athletinnen und Athleten optimal zu steuern.

Welche Erwartungen haben Sie für die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Leipzig, die am Wochenende in der ausverkauften Quarterback Immobilien Arena stattfinden?

Ich erwarte spannende Wettkämpfe und großartige Leistungen unterstützt durch ein fachkundiges Publikum. Ich hoffe darauf, dass die Zuschauer die Sportler entsprechend anfeuern und so eine tolle Atmosphäre in die Arena zaubern, was für zusätzliche Motivation sorgen wird.

2020 wird ein besonderes Jahr mit den Olympischen Spielen in Tokio und den Europameisterschaften in Paris. Wie werden sich die einzelnen Disziplin-Gruppen auf die Höhepunkte vorbereiten?

Es sind eine Reihe an zentralen Trainingslager-Maßnahmen geplant, unter anderem in Südafrika und in der Türkei in Belek, die auf die Bedürfnisse der Disziplingruppen abgestimmt sind und von den Kompetenz-Teams begleitet werden. Die Läufer bereiten sich zum Beispiel in Höhentrainingslagern vor. Die Sprinter zieht es nach Clermont in Florida, wo man sehr früh in der Saison unter guten klimatischen Bedingungen trainieren und erste Wettkämpfe bestreiten kann.

2020 wird es eine Reihe von Comebacks in der Leichtathletik geben. So melden sich nach den Verletzungspausen 2019 unter anderem David Storl und Pamela Dutkiewicz für die Hallen-DM gesund zurück. Wie wichtig ist die Rückkehr der Leistungsträger?

David und Pamela haben bereits einige Wettkämpfe bestritten und sind gut vorbereitet. Für die Nationalmannschaft ist es enorm wichtig, dass unsere Leistungsträger und erfahrenen Athleten wieder mit dabei sind, das ist sowohl für die Leistungsstärke als auch für den Teamgeist von großer Bedeutung.

Nicht alle Topathletinnen und Topathleten setzen beim Trainingsaufbau auf eine Hallensaison, auch aufgrund des späten WM-Termins 2019 und den Olympischen Spielen 2020. Wie schätzen Sie den Stellenwert der diesjährigen Hallensaison ein?

Die Hallen-DM ist Standortbestimmung in vielerlei Hinsicht. Sie bringt die Athleten, die im vergangenen Jahr wegen Verletzungen ausgefallen sind, wieder zurück ins Wettkampfgeschehen. Gleichzeitig bildet die Hallensaison den Abschluss einer Trainingsphase und gibt Erkenntnisse für die weitere Trainingsarbeit auf dem Weg nach Tokio.

Leichtathletik ist eine sehr komplexe Individualsportart. Wie wichtig ist für Sie der Begriff Teamgeist?

Kein Athlet und keine Athletin erbringt die Leistungen ausschließlich allein – auch wenn es manchmal so erscheinen mag. In der Vorbereitung und während des Wettkampfes werden die Athleten unterstützt durch ein Team aus Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und vieles andere mehr. Es hat sich zuletzt immer wieder gezeigt: Auch wenn die Leichtathletik eine Individualsportart ist, kann der Teamgeist Berge versetzen, weil er sich auf die Athleten überträgt und jedem Einzelnen in der Mannschaft zusätzlichen Schub und Rückhalt verleiht.

Wie funktioniert die Abstimmung mit den Leitenden Bundestrainern sowie dem medizinischen Kompetenzteam?

Wenn man Prozesse begleiten und steuern möchte, sind regelmäßige Beratungen, Besuche, aber auch telefonische Abstimmungen erforderlich. Das bringt einen erhöhten Zeitaufwand mit sich, doch im Ergebnis ist es zwingend notwendig, wenn wir optimale Rahmenbedingungen schaffen wollen.

Sie arbeiten bereits viele Jahre für die Leichtathletik. Zuletzt als Leitende Landestrainerin am Olympiastützpunkt Berlin. Wie sind Sie zur Leichtathletik gekommen?

In der Grundschul-Zeit habe ich mich mit verschiedenen Sportarten beschäftigt. Turnen und Handball gehörten auch dazu. Den entscheidenden Impuls hat mein Sportlehrer gegeben, der mit mir gemeinsam ein Leichtathletiktraining in Potsdam besuchte und damit die Verbindung zur Sportart und zum Verein schuf. Für den Trainerberuf entschied ich mich letztlich in der Abiturstufe.

Was ist für Sie das Faszinierendste an der Sportart Leichtathletik?

Zum einen die Vielfältigkeit der Disziplinen und der Athleten unserer Sportart. Zum anderen die Techniken der Disziplinen in ihrer Dynamik, Explosivität und Präzision. Die Taktik spielt nur in einem Teil der Disziplinen eine wichtige Rolle. Leichtathletik-Wettkämpfe sind nicht weniger spannend als gute Fußballspiele. Mich fasziniert vieles an der Leichtathletik… Speere, die gut getroffen wurden… Langhürdler, die scheinbar spielerisch 13er Rhythmen laufen… Springer, die so fliegen, als gäbe es keine Erdanziehungskraft. Solche Momente wünsche ich mir in großer Anzahl bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Peter Schmitt

 

© leichtathletik.de

Dieser Text wird mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Leichtathletik-Verbands zur Verfügung gestellt. Der DLV ist Medienpartner von sport.de.

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