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TKO! Vincent Feigenbutz geht in Nashville unter

16.02.2020 08:29
Vincent Feigenbutz (l.) verliert gegen Caleb Plant
© unknown
Vincent Feigenbutz (l.) verliert gegen Caleb Plant

Im Moment der Niederlage wischte sich Vincent Feigenbutz das Blut aus dem Gesicht, vom Ringrichter gab es einen aufmunternden Klaps auf den Rücken. Der 24 Jahre alte Supermittelgewichtler hatte in seinem ersten WM-Kampf in den USA zwar viel Herz gezeigt - doch das alleine reichte nicht.

Gegen IBF-Champion Caleb Plant war Feigenbutz chancenlos, der technische K.o. in der zehnten Runde beendete den einseitigen Kampf in Nashville/Tennessee.

"Ich hätte gerne noch länger geboxt", sagte Feigenbutz, als das viele Adrenalin noch durch seine Adern floss. Doch der Kampfabbruch war die einzig vernünftige Entscheidung. Feigenbutz, der mit einem Cut unter dem rechten Auge aus dem Ring stieg, hatte alle neun Runden verloren und immer wieder harte Schläge kassiert. Der Karlsruher selbst brachte Plant aus seiner Doppeldeckung heraus kaum in Bedrängnis. Seine Mission, sich als erster deutscher Boxprofi seit Max Schmeling 1930 in den USA zum Weltmeister zu küren, war wie erwartet eine Mission Impossible.

"Mir haben immer zehn Zentimeter gefehlt, dazu ist er gut ausgewichen und hat sich seine Pausen genommen", sagte Feigenbutz: "Caleb Plant war wirklich schwer zu boxen, es war dennoch ein guter Kampf."

In der Tat musste sich der frühere WBA-Interimsweltmeister für seinen Auftritt in der "Höhle des Löwen" nicht schämen. "Vincent war ein sehr schwerer Gegner mit viel Herz", sagte Lokalmatador Plant, der den 20. Sieg im 20. Profikampf seiner vor vier Jahren verstorbenen Tochter Alia widmete.

Doch das ungleiche Duell zeigte auch: Für den ganz großen Durchbruch fehlt Feigenbutz (noch) die Qualität. Während Plant nun auf einen lukrativen Vereinigungskampf mit WBC-Champion David Benavidez hofft, muss sich Feigenbutz auf seinem anvisierten Weg zum Box-Olymp wieder hinten anstellen. Nach ein paar Aufbaukämpfen könnte durchaus wieder eine neue WM-Chance winken, Feigenbutz ist mit 24 Jahren noch jung und als Typ gut zu vermarkten.

Schon mit 16 war er die deutsche Hoffnung bei den Profis, dafür verzichtete er auch auf die übliche Amateurkarriere. Dank seiner Schlaghärte wurde er schnell mit Mike Tyson verglichen und erhielt den Spitznamen "K.o.-Prinz". Doch diese Vergleiche zieht heute keiner mehr, die boxerischen Defizite sind für alle offensichtlich. "Ich war immer fit und ich bin ein Kämpfer. Aber die Boxschule hat mir im Rückblick natürlich gefehlt", sagte er einmal.

Dass Feigenbutz trotzdem weiterhin einer der großen Hoffnungsträger ist, sagt vieles über den Zustand des deutschen Boxsports aus. Seit der Niederlage von Tyron Zeuge 2018 gegen Rocky Fielding gibt es hierzulande keinen regulären Weltmeister mehr.

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