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Olympia-Hoffnung Stäbler holt Gold bei Ringer-EM

12.02.2020 20:17
Frank Stäbler holt Gold bei EM der Ringer
© Kadir Caliskan via www.imago-images.de
Frank Stäbler holt Gold bei EM der Ringer

Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler hat bei der EM mit dem Gewinn der Goldmedaille gezeigt, dass er bereits in Olympia-Form ist. Der Weg zur erhofften Medaille wird dennoch steinig.

Frank Stäbler hastete zu den feiernden Fans auf die Tribüne und hob seine knapp zwei Jahre alte Tochter Alia als "Trophäe" in die Höhe. Die Ehrenrunde unter dem Jubel der Anhänger in Anschluss an den Gewinn seines zweiten EM-Titels nach 2012 hatte der dreimalige Ringer-Weltmeister da schon absolviert.

Der Griechisch-Römisch-Spezialist vom KSV Musberg ließ im Finale der Gewichtsklasse bis 72 kg dem Georgier Juri Lomadse keine Chance.

Der Plan vom Abstecher zur Kampfstätte der Gladiatoren mit Gold um den Hals ging also auf. "Ich hoffe auf ein Foto mit einem Lächeln vor dem Kolosseum", hatte Frank Stäbler vor der EM in Rom mit großer Zuversicht zu Protokoll gegeben.

Der Optimismus des 30-Jährigen war berechtigt. 175 Tage vor dem anvisierten Finale bei den Olympischen Spielen am 5. August in Tokio präsentiert sich der Schwabe in Topform.

EM kein echter Fingerzeig für Olympia

Schon vor dem Kampf um Gold reichte ein Klick auf Stäblers Facebook-Profil, um sich ein Bild von seiner Euphorie zu machen.

Seine Gemütslage sei "fantastisch", ließ er seine Fans wissen. Ein Siegerposen-Foto als Beleg für die überragende körperliche Verfassung des Griechisch-Römisch-Spezialisten und die Liste der besiegten Gegner auf dem beeindruckenden Siegeszug ins Finale sprachen zudem Bände.

Stäbler hatte nicht zuviel versprochen, als er kurz vor der EM erklärte, dass er "voll im Saft" stehe. Das Ganze hat nur einen Haken: Die EM ist zwar kein Muster ohne Wert, ein echter Fingerzeig für Olympia ist sie aber auch nicht.

Schließlich kann Stäbler in Tokio nicht wie in Rom in seiner angestammten Gewichtsklasse bis 72 kg an den Start gehen. Da die Kategorie nicht olympisch ist, muss Stäbler in Japan in der Klasse bis 67 kg antreten.

WM-Enttäuschung als Mahnung für Frank Stäbler

Der große Hoffnungsträger des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) weiß durch den Auftritt in Italien im Grunde also nur, dass er auf dem richtigen Weg ist. Entscheidend werden die kommenden Monate sein.

"Alles ist Richtung Tokio konkret bis auf den Tag geplant. Bis Juni/Juli kommt eine Phase des Übergangs, wo ich mein Grundgewicht auf 71 kg reduzieren will", sagte der Musberger, der nach Olympia seine internationale Karriere beenden wird: "In der letzten Phase geht es dann weiter runter. Der Plan ist, mit 69 Kilo nach Tokio zu reisen und die letzten beiden Kilos vor Ort zu schaffen."

Stäbler baut darauf, die negativen Erfahrungen des vergangenen Jahres zu nutzen und durch das "Drehen an einigen Stellschrauben" in bestmöglicher Form bei den Spielen antreten zu können.

Bei der WM im September ging der Plan nämlich nicht wie gewünscht auf. Geschwächt durch seine harte Diät war Stäbler im Achtelfinale gegen den kubanischen Olympiasieger Ismael Borrero Molina chancenlos. Danach kämpfte er sich über die Hoffnungsrunde noch zu Bronze.

"Es wird wieder eine Tortour, die ihren Tribut zollen wird", sagte Stäbler, "ich hoffe nach wie vor, dass ich 75 bis 80 Prozent meiner Leistungsfähigkeit erreichen kann. Das wäre das Optimum in der Klasse bis 67 kg. Wenn ich das schaffe, ist alles möglich."

Der Grund für Stäblers Ehrgeiz liegt in der Vergangenheit - er hat mit Olympia noch eine Rechnung offen. 2012 in London verlor Stäbler unglücklich im Kampf um Bronze, vier Jahre später erlitt er kurz vor Rio einen Syndesmoseriss. Die olympische Medaille ist für den gebürtigen Böblinger "der letzte große Traum".

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