Anzeige
powered by Formel1.de

Königreich pumpt viel Geld in den Sport

"Sportwäsche": Kritik an F1-Rennen in Saudi-Arabien

11.02.2020 13:06
Nicht nur die Formel E, sondern auch die Formel 1 könnte bald in Saudi-Arabien starten
© Andreas Beil
Nicht nur die Formel E, sondern auch die Formel 1 könnte bald in Saudi-Arabien starten

Saudi-Arabien saugt aktuell eine Sportveranstaltung nach der anderen in das Land, wie die Formel E, die Rallye Dakar und auch Fußballspiele. Mit dem dort vorhandenen Geld ließe sich auch die Formel 1 in das arabische Königreich locken. Doch sollte die Königsklasse in einem Land fahren, in denen Menschenrechte - insbesondere die Rechte der Frau - keine große Rolle spielen?

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch sprechen von "Sportwäsche" im Mittleren Osten, also die Legitimierung der Regime durch das Veranstalten großer Sportevents. Mit diesen Veranstaltungen könnten sich die Verantwortlichen in der Regierung der Ländern von ihren Fehltritten "reinwaschen", wie "The Guardian" berichtet.

Ein Formel-1-Rennen könnte im Jahr 2023 in der Nähe der Hauptstadt Riad Realität werden. Erste Pläne wurden bereits bekanntgegeben. Die Formel 1 und Saudi-Arabien sollen bereits Gespräche führen, wobei Details nicht ans Licht kommen sollen. Außerdem wird auch ohne die Bestätigung der Formel 1 eine Strecke mit den nötigen Sicherheitsstandards errichtet werden. Das Design übernimmt Ex-Formel-1-Fahrer Alex Wurz.

Menschenrechte werden nicht besser

Doch ist es für die Formel 1 ratsam, in Saudi-Arabien zu fahren? Einige sprechen davon, dass Sportveranstaltungen die Öffnung eines Landes vorantreiben können. Human-Rights-Watch-Direktorin Minky Worden kontert: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Formel 1 die Menschenrechte an einem Austragungsort verbessert hat." Laut der Direktorin ist sogar das Gegenteil der Fall.

Die Grands Prix in Bahrain und Aserbaidschan stehen aufgrund der menschenrechtlichen Lage in den Ländern in der Kritik. Worden erklärt: "Die Rennen der Formel 1 in Bahrain und Aserbaidschan haben zur Ausbeutung geführt und nicht zu einer Verbesserung der Menschenrechte. Es gibt Hinweise darauf, dass die Formel 1 ihre eigenen Menschenrechtsbedingungen aus dem Jahr 1995 verletzt hat, als sie in diese Länder gekommen und die Verletzungen der Rechte ignoriert hat."

Ein Sprecher der Formel 1 widerspricht den Ausführungen von Human Rights Watch: "Seit Jahrzehnten arbeitet die Formel 1 daran, einen positiven Fußabdruck in den Austragungsländern zu hinterlassen. Dabei geht es um positive Einflüsse auf die Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Wir nehmen unsere Verantwortung bezüglich der Menschenrechte sehr ernst und teilen das auch den Promotern in den Ländern mit."

Frauen fahren in Saudi-Arabien Auto

Dabei wird gerne Saudi-Arabien als Beispiel genommen. In einer Gesellschaft, in der die Frau kaum Rechte besitzt, wurde ihnen im Jahr 2018 erlaubt, Auto zu fahren. Außerdem durfte Aseel Al-Hamad als erste Frau aus Saudi-Arabien beim Grand Prix von Frankreich einen Renault-Boliden steuern. Auf der Gegenseite: Aktivisten, die sich dafür eingesetzt haben, dass Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen, sind noch immer in Haft.

Deshalb sagt Worden: "Die Formel 1 sollte keinen Deal mit Saudi-Arabien schließen, solange sie nicht mit den Aktivisten geredet hat, die inhaftiert und gefoltert worden sind. Wenn die Formel 1 das Land inspiziert, sollte sie mit den Frauen sprechen und sich für ihre Freilassung einsetzen."

Ein weiterer Negativfall ist die Ermordung von Regime-Kritiker Jamal Khashoggi. "Das ist ein klares Problem, denn Saudi-Arabien steht in direkter Verbindung zu diesem Mord", so Worden. Gegenüber 'The Guardian' wollte sich die Regierung Saudi-Arabiens nicht äußern.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige