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"Jahrhunderttalent" zwischen Rekorden und Doping-Gerüchten

Klosterhalfens umstrittener Plan für den Olympia-Traum

10.02.2020 18:44
Nicht unumstritten in Deutschland: Konstanze Klosterhalfen
© BEAUTIFUL SPORTS/Oliver Kremer via www.imago-image
Nicht unumstritten in Deutschland: Konstanze Klosterhalfen

Zwei Rekorde in einem Rennen: Konstanze Klosterhalfen wird auch 2020 immer schneller. Für Deutschland ist sie schon zu gut. In den USA bereitet sich das umstrittene Leichtathletik-"Jahrhunderttalent" akribisch auf die Olympischen Spiele vor - immer noch beim durch das Nike Oregon Projekt in die Kritik geratenen Trainer.

Um die Weltmeisterschaftsdritte Konstanze Klosterhalfen war es still geworden. Nach der WM in Doha wollte die 22-Jährige nur noch weg von aus der öffentlichen Wahrnehmung, verabschiedete sich von der Bildfläche.

Zu viel Wirbel musste sie ertragen, war doch erst der Cheftrainer ihrer Laufgruppe wegen Verstößen gegen das Doping-Reglement worden und dann gleich das ganze Nike Oregon Projekt (NOP) geschlossen worden.

Interviews gab sie keine, über ihr Management ließ sie mitteilen, dass sie weiter in den USA trainieren werde.

Bei Pete Julian, dem gleichen Trainer, der wegen seiner Tätigkeit im NOP ebenfalls in der Kritik stand, auch weil dort mit Mobbing-Methoden Läuferinnen genötigt wurden, extrem abzumagern.

Konstanze Klosterhalfen lässt mit Rekorden aufhorchen

Jetzt lässt die Ausnahmeläuferin mal wieder aufhorchen – natürlich mit Rekorden. Dabei geht die Wettkampfsaison gerade erst los.

Bei den prestigeträchtigen Millrose-Games in New York verbesserte das so genannte "Jahrhunderttalent" die deutsche Hallen-Bestmarke über eine Meile (1609 Meter) auf 4:17,26 Minuten. Eine Fabelzeit.

Damit wurde "Koko" zweite hinter US-Läuferin Elle Purrier, die das Rennen in nationaler Bestzeitzeit von 4:16,85 Minuten erst auf den letzten Metern gewann – es war die zweitschnellste jemals gelaufenen Zeit über die Meile.

Erst vor einem Jahr hatte Klosterhalfen an gleicher Stelle in 4:19,98 Minuten den deutschen Hallenrekord über diese Strecke gebrochen.

Kritik aus Deutschland reißt nicht ab

Auch wenn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nur im Freien offizielle Rekorde über die Meile führt, Klosterhalfen wird das egal sein: Sie sieht, dass sie wieder einmal mit der Weltspitze mithalten kann und mit 22 Jahren jetzt schon besser ist als alle Läuferinnen in Deutschland vor ihr.

Mit der Durchgangszeit über 1500 Meter von 3:59,87 Minuten blieb sie in dem Rennen zusätzlich als erste deutsche Leichtathletin überhaupt in der Halle unter der Vier-Minuten-Grenze.

Klosterhalfen wird immer schneller und sieht sich in ihrem Training in den USA bestätigt. Das absolviert sie dieses Jahr ausschließlich mit einem Ziel: den Olympischen Sommerspielen in Tokio.

Dafür ordnet die Läuferin alles unter – auch die Kritik, die ihr immer wieder aus Deutschland entgegenschwappt, weil sie nicht alle NOP-Verbindungen kappt.

Konstanze Klosterhalfen zu gut für Deutschland?

Für Tokio hat sich Klosterhalfen einen stringenten Plan erstellt, dem sie gewissenhaft folgt. Wettkämpfe in Deutschland haben dabei längst keine Priorität mehr.

Klosterhalfen denkt größer und will sich ihren US-Trainingsplan nicht durch zu viele Flüge in die Heimat zerhauen.

Die deutschen Hallen-Meisterschaften am 22. und 23. Februar in Leipzig lässt die Läuferin sausen. Die jüngst wegen des Coronavirus abgesagte Hallen-WM im März im chinesischen Nanjing stand ohnehin nicht auf ihrem Plan. Was in Deutschland lauftechnisch passiert, ist für Klosterhalfen einfach nicht mehr Weltspitze genug. Die deutsche Konkurrenz bringt sie nicht weiter.

Und so bekräftigte sie gegenüber der "Deutschen Presse-Agentur Ende" Januar, nachdem sie in Boston Rang zwei über 1500 Meter in 4:04,38 Minuten erlaufen hatte: "Die Wintervorbereitung läuft soweit. Das Rennen in Boston war ein guter Test aus dem Training heraus und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der erste Schritt in die Saison 2020 ist gemacht."

Start bei den deutschen Meisterschaften fraglich

Auf Instagram postet Klosterhalfen, wie sie eifrig in der US-amerikanischen Sonne Runden auf der Tartanbahn dreht. Bis Ende Februar trainiert sie in Phoenix, dann geht es wieder nach Oregon.

Auf den Bahnen ihres Heimatlandes wird man die 22-Jährige wohl so schnell nicht wieder sehen, vielleicht zur deutschen Meisterschaft am 6. und 7. Juni in Braunschweig.

Vielleicht präsentiert sie sich einem größeren deutschen Publikum aber auch erst wieder, wenn die Olympischen Spiele in Tokio zu Gast sind. Dann auf den TV-Bildschirmen.

Bis dahin liest Deutschland aber sicherlich von ihren neuen Rekorden.

David Bedürftig

© n-tv
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