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Duplantis nach Weltrekord: "Ich schwebe über dem Boden"

09.02.2020 11:36
Armand Duplantis stellte in Polen einen neuen Stabhochsprung-Weltrekord auf
© Rafal Oleksiewicz via www.imago-images.de
Armand Duplantis stellte in Polen einen neuen Stabhochsprung-Weltrekord auf

Nachdem Armand Duplantis in der Geburtsstadt des großen Kopernikus zu den Sternen geflogen war, gab es für Schwedens Stabhochsprung-Jahrhunderttalent kein Halten mehr.

Wild hüpfte der erst 20 Jahre alte Jungspund mit seinen Kumpels aus der großen Springer-Familie über die blaue Bahn im polnische Torun, dann fiel er seiner Mutter Helena auf der Tribüne um den Hals - nach der magischen 6,17-m-Weltrekordshow brachen bei "Mondo", wie ihn jeder nennt, alle Dämme.

"Ich habe von diesem Moment geträumt, seit ich drei Jahre alt war. Seit ich in Windeln im Garten die ersten Sprünge gemacht habe, wollte ich der Beste werden, der jemals gelebt hat", sagte Duplantis, nachdem er im zweiten Versuch die Bestmarke des Franzosen Renaud Lavillenie von 2014 um einen Zentimeter verbessert hatte: "Ich fühle mich, als ob ich halluziniere, ich schwebe über dem Boden."

Auf Bubkas Spuren: Duplantis löst Lavillenie ab

Die "Fake World", in der sich dieser für einen Stabhochspringer eigentlich recht schmächtige Jüngling wähnte, war am Samstagabend verdammt real. Dass Duplantis einmal der König der spektakulärsten Leichtathletik-Disziplin werden würde, galt schon länger als ausgemacht. Nun hat er den Machtwechsel vorgezogen, die Thronfolge Lavillenies angetreten, der seinerzeit den großen Sergej Bubka abgelöst hatte.

"Ich wusste seit zwei Jahren, dass er das Potenzial dazu hat", sagte Lavillenie: "Enttäuscht bin ich nicht. Ich hatte die Ehre, den Rekord so lange zu haben, bis er es einmal sicherlich besser machen würde." Auch Bubka, der bei seinem ersten Weltrekord ebenfalls 20 Jahre alt gewesen war und die Bestmarke in 18 Schritten von 5,83 auf 6,15 m geschraubt hatte, gratulierte noch am Samstagabend: "Das war ein fantastischer Job! Spring noch höher!", twitterte der Ukrainer.

Er kann es kaum glauben: Duplantis überspringt 6,17m
Er kann es kaum glauben: Duplantis überspringt 6,17m

Dass Duplantis, Sohn eines Amerikaners und einer Schwedin, geboren und aufgewachsen in den USA, noch höher springen und in noch unvorstellbare Bereiche vordringen kann, steht außer Frage. Er, der als Pimpf mit dem Besenstil durch den elterlichen Grundbesitz sprang und danach so ziemlich jeden Nachwuchs-Weltrekord brach, überquerte bei seinem Traumflug von Torun die Latte nicht einmal knapp. Schon an diesem Abend wäre da Platz gewesen für 6,18 m. Für 6,19 und für 6,20. "Mondo" hat das Zeug, die Stabhochsprung-Welt wie einst Bubka für mehr als ein Jahrzehnt nach Belieben zu beherrschen.

"Ich habe mich sehr früh in den Stabhochsprung verliebt", sagte Duplantis, für den die Bezeichnung "Wunderkind" wie geschaffen ist. Und früh war er sportlich mit fast allem dran. 2018, noch als 18-Jähriger, wurde er in Berlin im vielleicht besten Stab-Wettkampf der Geschichte mit 6,05 m Europameister. Spätestens da war klar, dass ihm irgendwann der Weltrekord gehören würde.

Vier Tage vor Torun zeigte Duplantis in Düsseldorf, als er erstmals in der Halle sechs Meter sprang und knapp an 6,17 scheiterte, dass seine Zeit nun gekommen ist. 2020, das ist seit Samstag absehbar, könnte das Mondo-Jahr werden. "Der Weltrekord war ein ziemlich guter Start in die Olympiasaison", sagte Duplantis.


Entwicklung des Weltrekordes im Stabhochsprung seit 1983:

5,82 Pierre Quinon (Frankreich) 1983 Köln

5,83 Thierry Vigneron (Frankreich) 1983 Rom

5,85 Sergej Bubka (UdSSR) 1984 Bratislava

5,88 Sergej Bubka (UdSSR) 1984 Saint Denis

5,90 Sergej Bubka (UdSSR) 1984 London

5,91 Thierry Vigneron (Frankreich) 1984 Rom

5,94 Sergej Bubka (UdSSR) 1984 Rom

6,00 Sergej Bubka (UdSSR) 1985 Paris

6,01 Sergej Bubka (UdSSR) 1986 Moskau

6,03 Sergej Bubka (UdSSR) 1987 Prag

6,05 Sergej Bubka (UdSSR) 1988 Bratislava

6,06 Sergej Bubka (UdSSR) 1988 Nizza

6,07 Sergej Bubka (UdSSR) 1991 Shizuoka

6,08 Sergej Bubka (UdSSR) 1991 Moskau

6,09 Sergej Bubka (UdSSR) 1991 Formia

6,10 Sergej Bubka (UdSSR) 1991 Malmö

6,11 Sergej Bubka (Ukraine) 1992 Dijon

6,12 Sergej Bubka (Ukraine) 1992 Padua

6,13 Sergej Bubka (Ukraine) 1992 Tokio

6,14 Sergej Bubka (Ukraine) 1994 Sestriere

6,15 Sergej Bubka (Ukraine) 1995 Donezk (Halle)

6,16 Renaud Lavillenie (Frankreich) 2014 Donezk (Halle)

6,17 Armand Duplantis (Schweden) 2020 Torun (Halle)

 

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