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Hamiltons Erbe und eine neue Party-Hochburg

Formel-1-Thesen: "Bye Bye, Vettel" und "Hallo, Hulk"

07.02.2020 15:25
Übersteht Sebastian Vettel die Saison 2020?
© Zak Mauger via www.imago-images.de
Übersteht Sebastian Vettel die Saison 2020?

In rund vier Wochen startet die Formel 1 in Australien in die Saison 2020. Viele sehnen sich schon jetzt nach der neuen Ära, die 2021 eingeläutet wird. Dabei könnten die kommenden Monate die spannendsten der letzten Jahre werden. 

Was könnte bis Dezember in der Königsklasse passieren? Welche Veränderungen stehen Teams und Fahrern ins Haus? Auf was dürfen sich die Fans gefasst machen? Vier (wilde) Thesen zur Formel-1-Saison 2020. 

  • Ferrari setzt Sebastian Vettel vor die Tür 

Es ist mehr Gewissheit als gewagte These: Die Saison 2020 wird die letzte von Sebastian Vettel bei Ferrari. Die Scuderia hatte sich viel vom Heppenheimer versprochen, als sie ihn 2015 unter Vertrag nahm. Obwohl sie in Maranello oft nur ein bedingt konkurrenzfähiges Auto zusammenschraubten, hofften sie stets, der Fahrer Vettel würde den Unterschied machen. Das tat er nicht. 

Ende der Saison läuft Vettels Vertrag aus, Stand heute gibt es keine Gründe für eine Vertragsverlängerung. Das hat sich auch im Fahrerlager rumgesprochen. Wenn selbst ein Antonio Giovinazzi Ansprüche auf das Cockpit des vierfachen Weltmeisters stellt, dann weiß man: Es ist einiges schiefgelaufen.

Nicht nur Vettel, auch Ferrari ist schuld an der Krise der Roten. Zwei Alphatiere wie Vettel und Leclerc gemeinsam zu beschäftigen, funktioniert nur, wenn einer von beiden freiwillig zurücksteckt. Das ist in der aktuellen Konstellation nicht der Fall. 

Bis nach Maranello hat sich dies aber offenbar noch nicht herumgesprochen. Der Rennstall will Leclerc und Vettel wieder als gleichberechtigte Fahrer an den Start schicken. Damit begeht die Scuderia in bester Ferrari-Tradition schon vor der Saison ihren ersten Fehler. Immerhin mit Blick auf die Fehlentscheidungen ist ein roter Faden bei den Italienern zu erkennen.

  • Max Verstappen löst Lewis Hamilton ab

2020 endet die Ära von Lewis Hamilton. Vielleicht knackt der Brite den Sieg-Rekord von Michael Schumacher, an die sieben WM-Titel des Kerpeners kommt Hamilton aber (noch) nicht heran. Der Grund: In diesem Jahr schlägt die große Stunde von Max Verstappen.

Der talentierteste Fahrer im Feld hat sich nicht nur Saison für Saison weiterentwickelt, sondern endlich auch einen Formel-1-Motor im Heck, der seinen Titel auch verdient. Das beste Chassis stellt Red Bull schon seit Jahren, erst die Honda-Power hat den Österreichern aber Flügel verliehen. Mercedes und Ferrari sind keine unbezwingbaren Gegner mehr.

Volles Risiko vom Qualifying bis zur Zieldurchfahrt hat sich "Mad Max" auf die Fahne geschrieben. Mit dieser Devise hat er Lewis Hamilton schon in der Vergangenheit hin und wieder in einen Fehler gezwungen.

Der Niederländer ist der einzige, für den Lewis Hamilton seinen Fahrstil anpasst und zurücksteckt. Mit Angst hat das nichts zu tun, sondern mit Respekt. Hamilton weiß, dass Verstappen sein gefährlichster Gegner ist. Das Gespann Red Bull/Honda geht zudem nun ins wertvolle zweite Jahr und entwickelt sich zu einer echten Waffe. 

  • Zandvoort setzt neue Maßstäbe

Die Formel 1 hat eine neue Party-Hochburg! Über 100.000 weitgehend in Orange gekleidete Fans und ein rot-weiß-blaues Fahnenmeer werden die Kulisse für das spektakulärste Königsklassen-Comeback der letzten Jahre bilden. Binnen weniger Tage waren alle Eintrittskarten für das Heimspiel von Max Verstappen vergriffen.

Zwischen Bier, Grillgut und anderen Genussmitteln dürfen sich die Fans auf packende Rennaction freuen. Die Veranstalter verzichten auf asphaltierte Auslaufzonen und folgen so dem Wunsch von unzähligen Fans und auch Fahrern, die auf vielen, am Reißbrett konstruierten Strecken nicht für ihre Fehler bestraft werden. "Endlich!", möchte man den Machern zurufen. 

Auch die Streckenführung bietet Zündstoff. Viele Highspeed-Kurven (inkl. Steilkurve) werden für spektakuläre Drifts und On-Board-Aufnahmen sorgen. Es wurde Zeit, dass eine Strecke wie Zandvoort ihre Chance bekommt. Die Fans haben mehr verdient, als dröges Hinterherfahren auf Kursen wie in Frankreich, Abu Dhabi und Co.!

  • Hülkenberg feiert ein triumphales Comeback

Die deutschen Formel-1-Fans dürfen sich schon jetzt auf ein triumphales Comeback von Nico Hülkenberg freuen. Der Emmericher hat aktuell zwar kein Cockpit, wird aber als Feuerwehrmann in die Königsklasse zurückkehren. Seine Aufgabe: Er wird den Brand löschen müssen, den Kevin Magnussen und Romain Grosjean am Kommandostand von Günther Steiner verursachen. 

Schon in der letzten Saison haben der Däne und der Franzose bei Haas für Trubel gesorgt und die neutralen Formel-1-Fans mit ihren Eskapaden unterhalten. Günter reagierte (zur Freude aller Zuschauer) erbost mit expliziten Anweisungen von der Boxenmauer. Geholfen hat es nicht.

Wer glaubt, dass sich die beiden Streithähne 2020 brav Platz lassen, der irrt. Die Chancen auf einen teaminternen Crash stehen schon in Australien gut.

Prognose: Spätestens in Vietnam schießen sich die beiden Haas-Piloten mal wieder gegenseitig ab. Pünktlich vor dem Zandvoort-Grand-Prix zieht Haas dann die Reißleine und nimmt Nico Hülkenberg unter Vertrag, mit dem es schon 2019 Verhandlungen gab. Dann heißt es: Willkommen zurück, Hulk!

Christian Schenzel

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