Anzeige

Djokovic nimmt Nadal und Federer ins Visier

Djokovic war "an der Schwelle, das Match zu verlieren"

02.02.2020 16:41
Novak Djokovic ist der "König von Melbourne"
© SCOTT BARBOUR via www.imago-images.de
Novak Djokovic ist der "König von Melbourne"

Sein Thron wackelte, der Aufstand von Dominic Thiem schien Erfolg zu haben, doch dann verteidigte der "König von Melbourne" sein Reich mit letzter Kraft ein weiteres Mal.

In fünf mitreißenden, oft auch hochklassigen Sätzen zog Titelverteidiger und Rekordsieger Novak Djokovic im Endspiel der Australian Open doch noch den Kopf aus der Schlinge. 1:2 lag der Serbe nach Sätzen zurück, nach vier Stunden gewann er 6:4, 4:6, 2:6, 6:3, 6:4 gegen den leidenschaftlich kämpfenden Österreicher.

"Ich war an der Schwelle, dieses Match zu verlieren. Ich habe mich nicht gut gefühlt auf dem Platz" bekannte Djokovic. Im zweiten und im dritten Satz sei seine Energie "völlig weg" gewesen, er habe er nur "versucht, mich am Leben zu halten." Zweimal verschwand er auf die Toilette, aus seiner Box wurden ihm "magische Drinks" gereicht, wie er später scherzte.

Mit einem Kraftakt gewann der phasenweise schwächelnde Champion danach erst den vierten Satz, holte sich im fünften früh das Break, wehrte einen letzten Breakball von Thiem ab - und blieb unbeirrt bis zum Ende.

"Es ist unwirklich, was ihr tut"

"Ich bin gesegnet, diese Trophäe wieder in der Hand zu halten", sagte Djokovic, der mit seinem Sieg die Serie der "Großen Drei" fortsetzte: Seit dem Erfolg von Stan Wawrinka (Schweiz) bei den US Open 2016 sind alle 13 Titel bei den vier großen Turnieren an Djokovic, Rafael Nadal (Spanien) oder Roger Federer (Schweiz) gegangen.

"Es ist unwirklich, was ihr tut", sagte Thiem über Djokovic und dessen Team. "Ihr und die zwei anderen Großen, die Tennis auf ein neues Level gehoben haben. Ich bin stolz, dass ich diese Ära erleben darf."

Djokovic nimmt Nadal und Federer ins Visier

Mit seinem 17. Grand-Slam-Titel hat Djokovic den Abstand zu Nadal (19) und Federer (20) verkürzt, darüber hinaus wird er am Montag die neue Nummer eins der Weltrangliste sein, vor Nadal, Federer und Thiem, der um eine Position nach vorne rückt. Der Österreicher verlor auch sein drittes Grand-Slam-Endspiel: 2018 und 2019 unterlag er bei den French Open in Paris, jeweils gegen Nadal. "Deine Zeit wird kommen, du hast noch Zeit, du wirst deine Grand-Slam-Trophäe bekommen, und noch viele mehr", sagte Djokovic zu Thiem.

Einstweilen aber bleibt Djokovic der Herrscher über den Melbourne Park. Bis zum Finale hatte er nur in der ersten Runde gegen Jan-Lennard Struff einen Satz abgeben müssen. Im Halbfinale besiegte er den angeschlagenen Federer. Sein weiterer Vorteil: Thiem hatte nach seinem epischen Viertelfinalsieg in vier Sätzen gegen Nadal sein Halbfinale gegen Alexander Zverev erst am Freitag bestritten und sich dabei 3:42 Stunden lang über vier Sätze abgekämpft. Djokovic war 24 Stunden zuvor nur 2:18 Stunden auf dem Platz.

Djokovic schien tatsächlich zunächst der frischere Spieler zu sein. Thiem kämpfte sich aber schnell in das Match hinein, es folgten lange, oft spektakuläre Ballwechsel, am Ende hatte Thiem sogar mehr direkte Punkte erzielt (55) als Djokovic (46), allerdings standen in seiner Statistik auch deutlich mehr Fehler.

Und Djokovic blieb Djokovic: unerbittlich. Zum ersten Mal gelang es ihm, im Endspiel eines Grand Slams ein 1:2 nach Sätzen noch umzudrehen. Und er drohte am Ende schon mal: "Es gibt noch mehr Trophäen zu gewinnen."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige